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Freitag, 16. Dezember 2016

Für die Freunde des gepflegten Rundumklangs... (4)



Hallo zusammen,
wer noch was für den Wunschzettel braucht: Alan Parsons hat sein "Project"-Debutalbum und Meisterwerk "Tales of Mystery and Imagination – Edgar Allan Poe" in einer ziemlich fetten Box neu veröffentlicht.
Wie inzwischen schon fast üblich, gibt es das Album darin in allen möglichen Formaten – die 2CD "Deluxe Edition" von 2007 mit den beiden Mixen von 1976 und 1987 stellen auch hier unverändert die CDs 1+2. Neu ist eine dritte CD mit weiteren Bonustracks, Demos etc., die ich aber nicht so interessant finde. Teuer wird's dann wieder mal durch zwei Vinyl LPs – da würde ich gern drauf verzichten, muss aber wohl so sein, bei dem Hype heutzutage... :(
Schön ist sicher auch das 60seitige "Coffeetable-Book" mit hoffentlich allen großformatigen Fotos aus der schon recht gut ausgestatteten Vinyl-Erstausgabe.
Am interessantesten ist jedoch die Blu-ray, darauf ist –erstmals- ein nagelneuer 5.1-Mix, der ziemlich großartig klingt!
Kommt in DTS HD MasterAudio und 96/24 PCM und enthält auch die Hinzufügungen des 1987er Mix, also das Gitarrensolo bei Raven, Synthies und Orgel bei verschiedenen Stücken und die Sprechtexte von Orson Welles. Glücklicherweise fehlt der üble Eighties-Hall, der den 1987-Mix versaut hatte.
Zusätzlich ist auch der Originalmix in 96/24 Stereo drauf, besser gibt's den nirgendwo. Zusätzlich gibt es einen Download-Code, aber den hab ich noch nicht ausprobiert.
Ich hatte bereits die 2007er Ausgabe gekauft, mich freuend darüber, dass sie erstmals den Originalmix auf CD beinhaltete und hatte jetzt gar keine Lust auf diese Box. Umso mehr freute es mich, als ich die gute Nachricht bekam: die Blu-ray gibt es auch einzeln!
Leider nicht ganz leicht zu finden – ich habe sie bei Amazon UK bestellt: https://www.amazon.co.uk/gp/product/B01M16EE4T

Von Jethro Tull ist jetzt auch "Stand Up: The Elevated Edition" in derselben Ausstattung wie die letzten Releases erschienen – mit Steven Wilsons 5.1 Remix (unspektakulär aber gut) sowie ein diesmal zeitlich passenderes Konzert – die letzte "Deluxe"-Ausgabe enthielt ja das Carnegie-Hall-Konzert vom Ende der "Benefit"-Tour, kurz vor den Aufnahmen zu "Aqualung", war also ziemlich daneben. Sehr schönes, dickes Booklet - die Pop-Up-Kameraden haben durch das Hochformat der Boy jetzt fast die Größe der Vinylausgabe.
https://www.amazon.de/Stand-Up-Jethro-Tull/dp/B01L68Q53K

Paul McCartney wird nächsten März sein 1989er Album "Flowers in the dirt" als 4CD-Deluxe Edition rausbringen, zusätzlich wird es auch noch B-Seiten als Download-only geben – darüber regen sich viele Fans gerade ziemlich auf. Kein Surround übrigens.

Fleetwood Machat "Mirage" als nächstes Album der Serie nun raus – wie Tusk im letzten Jahr enthält es eine DVD mit dem –sehr angenehmen- Surroundmix. Das Album war nie so ganz mein Favorit, aber Surround gewinnt es. Leider auch hier wieder: Surround bekommt nur, wer die ganz dicke Box mit der Vinylplatte kauft. https://www.amazon.de/Mirage-Super-Deluxe-3CD-DVD/dp/B01IL4R9PK

Barclay James Harvest – "Gone To Earth" und "Everyone Is Everybody Else" sind ja bereits erschienen - ich habe nur erstere erworben. Der Surroundmix ist angenehm, nicht spektakulär – allerdings fiel mir auf, dass es da doch einige schwache Songs drauf gibt und der Stil der Band mir inzwischen etwas zu gemütlich geworden ist. Nichtsdestotrotz ist eben auch das Nachfolgealbum "XII" in gleicher Ausstattung, also 3 Discs (2CD/1DVD); die erste mit den üblichen Bonustracks, dann ein Stereoremix und auf der DVD dann halt der Surroundmix.
https://www.amazon.de/XII-Barclay-James-Harvest/dp/B01KVSSTOY

Mike Oldfield hat sein neues Album fertig, wohl angespornt durch den Erfolg von Robert Reed soll es eine Rückkehr zu altem Sound sein, es heißt "Return to Ommadawn" – kommt als 2Disc-Set am 20.1., die DVD enthält den Surroundmix.
https://www.amazon.de/dp/B01N2R4RN2

Damit wär's das wohl erstmal für dieses Jahr, ich verabschiede mich und wünsche allseits prächtige Feiertage.
LG tom

Montag, 27. Juni 2016

MICHAEL ROTHER: Flammende Herzen (1977) / Sterntaler (1978) / Katzenmusik (1979)



✮✮✮✮✮/✮✮✮✮✮/✮✮✮✮✰

Drei der Lieblingsalben meiner Adoleszenz - Michael Rother wurde seinerzeit gern mal als der deutsche Mike Oldfield gehandelt; das war aber, wie jeder schnell bemerken dürfte, ziemlicher Unsinn. Rother hat hier recht konsequent die anhörbaren Stil-Elemente seines legendären Duos NEU! mit radiotauglichen Melodiebögen, vielfach variiert mit einer ganzen Armada unterschiedlich klingender Gitarren, feinen Sequencer-Tupfern, die entfernt an seine Zugehörigkeit zu den frühen Kraftwerk erinnern, und ruhigen, aber stets inspirierten Ambient-Flächen aus seiner Harmonia-Phase verknüpft. Dazu vermitteln Can-Drummer Jaki Liebezeit mit seinen wenig variierten, aber dafür hochpräzisen 4/4teln und Conny Plancks wie immer großartige Produktion eine Leichtigkeit, wie sie in deutscher Rockmusik nur selten zu vernehmen war.

Die ersten zwei Alben sind mit je knapp 35 min und fünf, bzw. sechs Titeln erfreulich kurz und klingen, obwohl ein Jahr zwischen ihnen liegt, wie aus einer einzigen Aufnahmesession entstanden. "Flammende Herzen" (1977) hat vielleicht die etwas größeren musikalischen Ideen, dafür klingt "Sterntaler" (1978) in sich etwas geschlossener. Das Konzept hat in dieser Form leider nur diese beiden Alben überstanden - mit seinem dritten Album "Katzenmusik" (1979) wagte er - bei in etwa gleichbleibendem Sound - einen eher suiten-artigen Ansatz, bei dem die Einzeltitel aus durchnummerierten Variationen einiger weniger Grundthemen bestanden. Obwohl die eine Hälfte der elaborierteren Stücke mittels kürzerer, atmosphärischer Linking-Stücke verbunden waren, fällt das Album etwas stärker auseinander - wohl weil die Gesamt-Ideendichte bei etwas verlängerter Laufzeit (knapp 40 min) nicht mehr ganz so hoch war (so ist Katzenmusik 8 identisch mit Katzenmusik 7, nur rückwärts abgespielt - ein Trick, den er und Klaus Dinger schon bei "NEU!2" mangels Masse einsetzen mussten).

Sein viertes Album "Fernwärme" (1982) hatte sich nach der längeren Pause vom Gitarren-dominierten Sound entfernt und driftete dann schon deutlich stärker in die belanglosere Ambient-Richtung ab, die er später gänzlich einschlug. Rothers weitere Karriere habe ich dann nur noch am Rande verfolgt. Seine ersten drei Alben stehen jedoch heute noch für das, was an deutscher Rockmusik einmal auch international respektabel war - und offenbar auch heute noch im Ausland mehr geschätzt wird als im Inland. Jedenfalls ist Michael Rother in der englischen Wikipedia weit ausführlicher vertreten als in der deutschen. Und während letztere nur das Album "Flammende Herzen" in einem eigenen Artikel beleuchtet, findet sich der Rest seines Backkatalogs nur in der englischen Wikipedia in dieser Weise ausgebreitet.

Leider sind die 2000 erschienenen Remaster-CDs technisch und inhaltlich recht fragwürdig. Vernehmbares Bandrauschen stört in den leisen Passagen und die Bonustracks sind allesamt völlig unpassende Aufnahmen von 1999/2000, die mit dem Konzept der ursprünglichen Alben weder kompositorisch noch soundmäßig zu tun haben. Ich habe mich daher bis heute standhaft geweigert, diese CDs käuflich zu erwerben. Mittlerweile gibt es sie kostenlos für Prime-Kunden bei Amazon Music.

Freitag, 2. Januar 2015

ROBERT REED - Sanctuary (2014)


Um es gleich vorauszuschicken: Dieses Album ist eine einzige Hommage an das Frühwerk von Mike Oldfield. Und es wirkt ebenso: nach dem dritten oder vierten Mal bleiben die Melodien hängen und man freut sich immer schon auf den nächsten Part. Aufgeteilt ist es wie bei den Vorbildern in zwei LP-Seiten-lange Stücke, Sanctuary part 1 & 2. Beide Teile beginnen recht verhalten mit stehenden Tönen und steigern sich zum Ende hin, wobei nach der Climax ein kleines akustisches Stückchen einen besinnlichen Ausklang liefert. In der Struktur ist das genauso wie bei "Tubular Bells", "Hergest Ridge" und "Ommadawn". Wer diese Alben mag, ist mit "Sanctuary" bestens bedient.

Robert Reed, der Kopf der walisischen Progband "Magenta" und da eigentlich Keyboarder, spielt hier die meisten Instrumente selbst, die unvermeidlichen Röhrenglocken eingeschlossen. Alles, was er spielt, sei echt, keine Samples, behauptet er in einem Promo-Interview, das sich in seinem YouTube-Kanal findet. Das kann man beruhigt glauben, denn für die Akribie, mit der Reed hier die Oldfield-typischen Sounds rekonstruiert hat, ist Authentizität die oberste Voraussetzung. Nach den inzwischen hochbetagten Analogsynthesizern wird er lange gesucht haben, die meisten der Orchesterinstrumente konnte er sich zum Glück leihen, jedoch, so Reed, sei es nicht leicht gewesen, sich die jeweiligen Spielfähigkeiten von Glockenspiel, Marimbas und Orchesterbecken anzueignen. Aber das Ergebnis stimmt bis ins kleinste Detail - selbst die leicht verstimmten Flöten vom Anfang von "Hergest Ridge" finden sich auf "Sanctuary" wieder und wer bisher geglaubt hat, dass Oldfields Sologitarrensound, bedingt durch seine spezielle Spielweise (als gelernter Bassist natürlich stets ohne Plektrum) einmalig sei, wird hier unschwer eines Besseren belehrt, so originalgetreu klingen auch die vielen eingestreuten Soli. Der "Glorious Reedaphonic Sound" (eine weitere Anspielung auf die typischen Oldfieldschen Albumcredits) mag alt oder besser: altbekannt sein, neu sind jedoch die Melodien, die ihm ebenso gut gelungen sind wie Mike Oldfield vor nun über 40 Jahren.

War ich anfangs mehr als skeptisch, ob ein solcher Ansatz an der Grenze zum Plagiat funktionieren kann, war ich schon ab dem zweiten Durchgang problemlos der Faszination erlegen. Hätte nicht gedacht, jemals wieder neue Musik in diesem Stil hören zu können. Reed schafft hier konsequent und ohne zu plagiieren seine eigenen Räume in einem vorgegebenen Universum und er begeistert mich insbesondere da, wo er ansatzweise auch beim Sound innovativ wird. Das kommt hier zugegeben nicht oft vor - und war ja auch ganz offensichtlich nicht seine Intention - aber es stecken hinter der bekannten Fassade viele neue kluge Ideen, die "Sanctuary" auch lösgelöst vom Oldfield-Kanon als durchaus wertvoll erscheinen lassen.

Die CD/DVD kommt in einer schmalen und einfach gehaltenen Hochglanz-Pappkarton-Faltverpackung, sieht also Vinyl nicht unähnlich, abgesehen von der Größe natürlich. Die Discs werden allerdings innen herausgenommen, dabei hilft ein kleiner Ausschnitt. Das Artwork ist stimmig und sieht nicht billig aus, das Frontfoto ist hübsch; innen sieht man Robert im Studio mit seiner geliehenen Instrumentensammlung und dem Hämmerchen in der Hand vor den Tubular Bells. Die übliche lange Liste der Instrumente, die zum Einsatz kamen, steht hinten auf dem Cover und man bekommt sie auch als Standbild bei der DVD zu lesen.

Der Surroundmix klingt überzeugend, er gibt der Musik noch mehr Raum und Tiefe, teilt die dichten Klangteppiche auf in überschaubarere Einheiten. Einige wenige Male wandern Instrumente im Raum. Die Speaker hinten haben genauso viel zu tun wie die vorderen. Dies gelingt besser als die jüngsten Surroundmixe Oldfields, der sich, nun da die Neuausgabe seiner Alben mittlerweile bei seinen mittachtziger Popalben angekommen ist, zuletzt bei "Crises" deutlich verhoben hatte. Zusätzlich auf der DVD gibt es auch die Stereofassung in 24/96 LPCM, sowie die drei Videos, die auch bei YouTube zu sehen sind.

Co-produziert, abgemischt und gemastert wurde das Album übrigens mithilfe des Teams der originalen "Tubular Bells", Tom Newman und Simon Heyworth. Man darf also davon ausgehen, dass es diesen beiden auch gefallen hat.
Ich habe das Album jetzt so oft gehört, dass es für mich problemlos in einer Reihe mit den Vorbildern steht. Oldfields Alben ab einschließlich "Incantations" hat Robert Reed mit "Sanctuary" auf jeden Fall locker überholt, zu den ersten drei ist vielleicht noch ein wenig Luft, aber es ist auf jeden Fall verdammt knapp!

Donnerstag, 10. Juli 2014

MIKE OLDFIELD - Remasters/Remixes 2009-2013

Ich muss vorausschicken: Wie bei so vielen anderen Artists oder Bands habe ich auch meine Begeisterung für Mike Oldfield verloren, in dem Augenblick als er kommerziell erfolgreich wurde. 

Etwa 1977/78 hatte ich die "Boxed" gekauft, ein 4LP-Set, bestehend aus den ersten drei Alben "Tubular Bells", "Hergest Ridge" und "Ommadawn", sowie eine LP "Collaborations" mit Single-Tracks und anderen Obskuritäten. Diese drei Alben werden für mich immer eine herausragende Bedeutung haben, weil sie es immer wieder schaffen, mich in diese Zeit zurückzuversetzen und davon abgesehen einfach großartig und völlig außergewöhnlich waren und sind. Vergleichbares zu Oldfield gab es bis Ende der 1970er Jahre nicht.

1979 hatte ich in der Philipshalle in Düsseldorf ein fabelhaftes Konzert seiner allerersten Tour gesehen, leider bestand die Hälfte der übersichtlichen Setlist aus seinem damals aktuellen Album "Incantations", das nach drei Jahren Pause zwar nicht schlecht war, jedoch die fließenden Übergänge seiner Vorläufer vermissen ließ. Stattdessen wurde oft abrupt von einem Part in den anderen gewechselt, was mir nicht so gut gefiel.
Auch die folgenden vier Alben "Platinum", "QE2", "Five Miles Out" und "Crises" hab ich als Fan noch mehr oder weniger begeistert mitgemacht, mir war aber schon klar, dass es den "alten" Oldfield nicht mehr geben würde. Mit Moonlight Shadow war dann Schluss bei mir - ein perfekter Popsong, den ich anfangs toll fand, der dann aber leider ein Superhit wurde und 1983 dermaßen totgedudelt wurde, dass ich ihn nicht mehr ertragen konnte.

Ich hatte danach immer mal gelegentlich reingehört, was dann so kam. "Amarok" schien ganz interessant zu sein, war aber noch stärker (und härter) zusammengestückelt als "Incantations" - dazu fand ich keinen Zugang. Dann kam "Tubular Bells II", das ich nur noch ärgerlich und peinlich finden konnte. Das war nichts anderes als ein Selbstplagiat, kalkuliert und schamlos - hat sich ja auch wie blöd verkauft. Es kam mir immer vor wie ein schlechter Witz, so als hätte er "Tubular Bells" 1 parodieren wollen. Alle Elemente sind deckungsgleich aufgebaut und arrangiert, nur die Melodien weichen leicht voneinander ab. So ähnlich funktionierte auch damals die Beatles-Persiflage "The Rutles" von Eric Idle und Neil Innes.
Gelohnt hat es sich vermutlich, denn nach einer Serie schlecht verkaufender Alben hat er mit "Tubular Bells II" nochmal gut abgesahnt. Ist doch nett, dieselbe Idee nochmal verkaufen zu können nach so langer Zeit. Bei "Tubular Bells III" ein paar Jahre später haben dann wohl auch die beinharten Fans gemerkt, was hier los war und die "Millennium Bell" war dann nur noch peinlich. "Tubular Bells 2003" hat mich dann doch nochmal interessiert, weil hier ja nicht der Versuch gemacht wurde, Innovation vorzugaukeln, aber das Album war für mich ebenfalls eher eine Enttäuschung, weil kaum etwas übrig war vom Charme des Debuts. Über weite Strecken klang es wie eine schlechte Coverversion eines anderen Künstlers. Wenigstens der 5.1-Mix hat halbwegs Spaß gemacht, Mike hat alle Instrumente im Raum herumkreisen lassen, danach saß man schwindelig gespielt an seinem Sweet Spot. Allerdings fand ich das Ergebnis letztendlich auch nicht wirklich überzeugend, denn ohne diese ganzen kleinen Fehler der Originalversion verlor die Musik ihren Reiz, die 2003er Version war technisch einfach zu perfekt.

Oldfield hatte "Tubular Bells" (das Original) unter schon sehr speziellen Umständen aufgenommen. Er hatte damals im "Manor"-Landsitz, in dem sich auch die damals zum Teil noch im Bau befindlichen Studios von Virgin Records befanden, ein Zimmer bezogen und immer an dem Album gearbeitet, wenn sonst niemand im Studio war. Dadurch war es natürlich Stückwerk und wenn man die Berichte und seine (übrigens sehr lesenswerte) Autobiografie liest, ist auch einiges dabei gehörig schief gegangen, aber mich störte das nie; es hat bis heute einen unerreichten Charme und auch eine erstaunliche Spontaneität, die man bei einem Overdub-Kunstwerk dieser Größenordnung ansonsten kaum erwarten kann.

Übrigens war Oldfield vor seiner Solokarriere längere Zeit als Bassist von Kevin Ayers' Band "The Whole World" unterwegs, versteht also durchaus sein Handwerk. Auf "Tubular Bells" spielt er auch ziemlich anspruchsvolle Sachen - etwa beim Finale von Part 1 wird die ganze Zeit die Gitarre mit ihren schnellen 16teln gedoppelt. Ich habe mal versucht, das auf dem Bass nachzuspielen, schaffe das aber gerade mal drei oder vier Takte lang und das hat dann mit Präzision nichts zu tun.

Gekauft hatte ich mir 2007 die SACD von "Tubular Bells" mit dem genialen Quadro-Mix von 1975: 
Hier stimmt einfach alles - dass es nix im Center und Subwoofer gibt, macht nix. Die Instrumente sind sehr gut verteilt und die Aufnahme ist klar und transparent wie nie. Auch der Rundgang durch das Manor-Studio vor Sailor's Hornpipe ist mit drauf und hier machen Vivian Stanshall und die Jecken wirklich einen Rundgang - einmal rum um den Sweet Spot. Teil 2 ist dadurch gut drei Minuten länger als auf den "normalen" CDs. Der CD-Layer enthält die 25th Anniversary-Version. Diese wäre also entbehrlich, wenn das schöne Booklet im Pixibuchformat nicht wäre - das von der SACD kann man getrost vergessen. Statt eines Booklets gibt es hier nur einen Pappschuber mit drei losen Blättern drin. Wenigstens eins davon ist jedoch sehr interessant, enthält es doch einen Bericht von Phil Newell über die merkwürdigen Umstände beim Zustandekommen des Quadro-Mixes.

Die Quadro-Mixes von "Hergest Ridge" und "Ommadawn" waren jedoch nirgendwo in Sicht, auf eine SACD-Ausgabe wartete man vergebens. In der Zwischenzeit war es einigen Soundfreaks jedoch gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, Quadrofonische Aufnahmen, bei denen die vier Quad-Kanäle auf zwei Stereo-kompatible Kanäle per Phasen-Matrix verteilt waren, digital zu extrahieren. Also besorgte ich mir die CD-Erstausgabe von "Boxed", von der bekannt war, dass sie die originalen, unveränderten Quadro-Masters enthielt. Nachdem mein PC mehrere Tage und Nächte lang durchgelaufen war, hatte ich schließlich eine selbst gebrannte quadrophonische DVD-Audio in der Hand, die heute noch zu meinen am häufigsten gespielten Multichannel-Tonträgern gehört.

Nur wenige Jahre später wurde dann Mike Oldfields Wechsel von Warner zu Universal bekannt gegeben. Universal hatte mit seiner "Deluxe Edition"-Serie bereits Maßstäbe gesetzt und als verkündet wurde, dass Oldfields Alben in diesem Format nach und nach neu erscheinen würden, war die Freude groß. 

Die Rezensionen, die ich zwischen 2009 und 2014 anlässlich der jeweiligen Releases geschrieben hatte, sind hier ohne große inhaltliche Änderungen zusammengefasst:


Die Remasters 2009-2013

Abb.: Amazon
Als erstes wurde, natürlich, "Tubular Bells" neu veröffentlicht, zusätzlich zur "normalen" und "Deluxe Edition" auch in einer "Ultimate Edition" Box im Großformat, die außer einem neuen Surround-Mix auch eine Vinyl-LP enthielt. Mich hat natürlich zuerst die DVD mit dem 5.1 Remix interessiert - hier muss ich sagen: spektakulär! Fantastisch ist noch untertrieben. Kein Vergleich zur SACD mit dem Original Quad-Mix. Schade, dass es nur Dolby Digital und kein dts gibt, aber die Klangqualität ist auch so hervorragend. Eine bessere, knalligere Version vom Caveman hatte ich bis dahin noch nie gehört.
Und Mike Oldfield's Single in Surround ist ebenfalls Gänsehaut-produzierend schön.
Leider wars das auch schon auf der Plus-Seite.

Die vielen Minusse:
- DVD kein dts (schon erwähnt), eine nervige Computeranimation der "Bell" als Videospur (Glocke rotiert in immer demselben, etwa 5 sec langen Loop vor einem sich etwa alle 5 min änderndem bewölkten Himmel).
- Tubular Bells part one live at 2nd House (BBC) hatten wir schon auf der Elements-DVD.
- Die Vivian-Stanshall-Version von Sailor's Hornpipe ist einfach hinten dran geklebt und wird ausgeblendet, bevor das eigentliche Sailor's Hornpipe beginnt.
- Der 2009er Stereo Remix von Tubular Bells klingt leider nur gelegentlich besser als der Originalmix und leidet vor allem an der stark eingeschränkten Dynamik. Zuvor leise Passagen sind jetzt erheblich lauter, was auch den Klangvergleich erschwert (ich musste ständig nachregeln).
- Auch das Remaster des Originalmix' kann mit der 25th Anniversary Edition leider nicht mithalten in Sachen Klarheit und Transparenz.
- Die Demo-CD: OK, ganz interessant für Freaks wie mich, aber klanglich eine einzige Katastrophe. Streckenweise fehlt der rechte Kanal bei Tubular Bells (long) und auch ansonsten gibt es jede Menge Dropouts, Verzerrungen und sonstige Störungen. Bis auf Entrauschen hat man sich hier wohl das Restaurieren gespart. Damit reduziert sich der Wert dieser CD auf "historisch". Frage mich allerdings ernsthaft, wie er damals geschafft hatte, mit diesen Demos Richard Branson zu überzeugen.
- Das Vinyl: Vollkommen überflüssig (wie immer in solchen Verpackungen: treibt nur die Produktionskosten in die Höhe).

Fazit: Was soll ich sagen - irgendwie bin ich froh, doch nicht die 67 Euro dafür ausgegeben zu haben, obwohl das Buch darin mit den Screenshots von Mikes Nuendo-Session schon wirklich klasse aussieht. Andererseits sind die beigelegten Memorabilia-Repliken nicht der Rede wert und die Geschichte hinter "Tubular Bells" steht auch in der 25th Anniversary Edition.
Für den Komplettisten fehlt allerdings auch die Quad-Version (die gibts zwar auf SACD, hätte aber noch gut mit auf die DVD gepasst), sowie die Orchestral Version von 1974.


"Hergest Ridge" (3-Disc-Deluxe Version 2010):

Abb.: Amazon
Fantastisch, dass er sich nun entschieden hat, doch einige der Instrumentenspuren zu belassen, die er für die SQ-Quadro-Abmischung 1976 (die bekanntlich Master war für alle späteren Veröffentlichungen) verworfen hatte. So ist der Klangeindruck deutlich näher am Originalmix von 1974, jedoch sind z.B. die Chöre fast genau so deutlich zu hören wie im Quad-Mix. Hat das Beste draus gemacht, der Gute! Sogar an das Cover kann man sich schnell gewöhnen, zumal das Originalcover im Booklet sogar mit Rückseite seitenfüllend abgebildet ist. Der Klangunterschied zwischen den Quad-Mixen und der Neu-Surroundabmischung ist riesig - das war schon bei Tubular Bells letztes Jahr zu hören. Plötzlich klingt alles viel klarer und sauberer definiert, natürlich ist auch die Kanaltrennung besser und die Ortung eindeutiger.

"Hergest Ridge" fand ich früher immer deutlich schwächer als "Tubular Bells" und "Ommadawn"; dem geneigten Hörer erscheint es noch introvertierter als die beiden anderen Alben und besonders auf Seite 2 auch erheblich repetitiver und, ja: langweiliger. - Fakt ist jedoch (und das habe ich erst Jahre später gelernt), dass die "Boxed"-Version, die ich kannte, eine Neuabmischung war, die sich - anders als die beiden anderen Alben, bei denen es in erster Linie darum ging, die vier Quadro-Kanäle zu füllen - durch radikales Weglassen vieler Instrumente, Stimmen und anderer Elemente "auszeichnete", die die Originalversion erst abwechslungsreich und interessant gemacht haben. Oldfield hatte damit wohl auf die seinerzeit häufig geäußerten Kritiken reagiert, "Hergest Ridge" sei nur ein völlig überproduzierter Abklatsch seines Debuts gewesen. Anders als bei seinen anderen Alben hatte er nach dem Erscheinen von "Boxed" verfügt, dass jede spätere Veröffentlichung von "Hergest Ridge" ausschließlich im "Boxed"-Mix erfolgen durfte. Der Original-Stereo-Mix erschien somit erst mit der Deluxe Edition 2010 zum ersten Mal wieder und zum ersten Mal überhaupt auf CD, dafür ist die "Boxed"-Version nun nach 35 Jahren out-of-print.
Ich denke, man sollte daher erst über das Album urteilen, wenn man auch den Originalmix oder die Neuabmischung von 2010 gehört hat. Inzwischen gibt es die folgenden Versionen, die alle ihre Vorzüge und Nachteile haben:

1. 1974 Original Stereo Mix (UK-Vinyl-Erstauflage und 2010 Deluxe Edition, sowie "Back to black"-Vinyl-Edition)
2. 1976 "Boxed"-Version (stripped-down-Quad-Remix, "Boxed" und alle späteren Vinyl- und CD-Versionen, außer 2010 Veröffentlichungen)
3. 2010 New Stereo Remix (2010 Veröffentlichungen; das ist in etwa ein Kompromiss aus "Boxed"- und Originalversion)
4. 1974 Demo Version (2010 Deluxe Edition; das ist natürlich eine ganz andere Aufnahme)
5. 2010 New 5.1 Surround Mix (2010 Deluxe Edition - mein persönlicher Favorit)


"Ommadawn" (3-Disc-Deluxe Version 2010): 

Abb.: Amazon
Interessanterweise ist der Unterschied zwischen der neuen 5.1-Abmischung und dem Quadrophonie-Mix von 1976 nicht so groß wie erwartet. Klar ist natürlich auch diese Neufassung sauberer, transparenter und präsenter, die Aufteilung der Instrumente und ihre Balance ist jedoch sehr ähnlich, es gibt nur wenige Überrraschungen. Dafür kommt der Mix aber auch weniger subtil und geheimnisvoll rüber. Ommadawn habe ich früher bevorzugt leise gehört, allein bei abgedunkeltem Zimmer und Kerzenlicht. Das war magisch - keine andere Platte hatte diese Wahnsinnsausstrahlung gerade bei geringstem Pegel.

Mit dem neuen Surroundmix hatte ich zunächst das Problem, dass ich die Loudness schlecht einschätzen konnte. Die Dynamik entspricht nämlich nicht dem Original. So hatte ich am Anfang auf vermeintlich gewohnten Pegel eingestellt, es wurde jedoch nicht lauter, da, wo es hätte lauter werden müssen - den Effekt kannte ich schon vom "Tubular Bells"-Remix. Ich hätte also von Anfang an lauter stellen müssen.
Die stark eingeschränkte Dynamik ist vielleicht das größte Manko der neuen Mixe. Am stärksten fällt es auf nach dem orgasmischen Ende von Teil 1 - üblicherweise spielen die African Drums von Jabula leise den Rhythmus weiter ("like post-coital heartbeat"), hier scheinen sie plötzlich, da keine anderen Instrumente mehr zu hören sind, deutlich lauter als noch kurz zuvor. Hatte das Original dann eine minutenlange Ausblende, reißt es hier am Schluss geradezu ab. Nicht sehr geschickt gemacht. Dennoch: der überwiegende Klangeindruck ist sehr gut - es strahlt geradezu, Sound und Mix können bis auf die genannten Einschränkungen als gelungen bezeichnet werden.

Mir ist übrigens erstmals aufgefallen, dass die Quad-Version von Part 1 genau eine Minute länger ist. Warum, kann ich nicht sagen.

Der eigentliche Kaufanreiz dieser Deluxe-Edition ist jedoch die "Lost Version" von Ommadawn, mitnichten ein "Demo", wie uns die Tracklist weismachen will, sondern die wegen technischer Probleme mit dem Bandmaterial abgebrochene, fast fertige Urfassung des ersten Teils in Form eines Stereo-Rough Mixes, den man verschollen glaubte, jedoch kürzlich in den Virgin-Archiven ausgraben konnte. Im Booklet ist die Geschichte dazu genau beschrieben. Durch die unzähligen Overdubs und das ständige Spulen wurde das Tape mechanisch zu stark belastet, es traten hoher Abrieb und zunehmende Dropouts auf. Das Band fiel praktisch auseinander. Auch eine Kopie half nur vorübergehend - auch diesem Tape drohte nach kurzer Zeit das selbe Schicksal. Oldfield war also gezwungen, ganz von vorn zu beginnen, was ihn zunächst in Depressionen stürzte. Wenn man sich die Aufnahme anhört, kann man verstehen, warum. Da stecken Monate an Arbeit drin. Viele Bestandteile der späteren Fassung sind enthalten, einige Ideen kamen offenbar erst beim zweiten Versuch, was Oldfield damals schnell half, den Frust zu überwinden. Natürlich ist die Endfassung Klassen besser - klar, er hatte ja Monate mit dem Material geübt. Dennoch ist diese Aufnahme bemerkenswert gut und hochinteressant - nicht nur für Ommadawn-Fans, denke ich.


"Incantations" (3-Disc-Deluxe Version 2011):

Abb.: Amazon
Für mich als überzeugten Surround-Fan ist das Fehlen der 5.1-Version schon ein Manko - aber man wusste man ja vorher, dass die Multitrack-Tapes des Albums nicht mehr aufzutreiben waren. Das auf der DVD vorhandene Ersatz-Surroundmaterial kann nur wenig beeindrucken. Die drei Stücke aus "Incantations" sind OK, klingen nicht spektakulär, es scheint sich hier jedoch um Outtakes bzw. Alternativaufnahmen zu handeln. Besonders auffällig erscheint das bei Hiawatha, hier leiert Maddy Prior deutlich schlimmer als auf dem Album und manchmal singt sie einfach falsch. Piano Improvisations scheinen alles andere als Improvisationen zu sein, sie klingen eher wie eine "Incantations"-Ouvertüre, sehr schön, allerdings für Surround nicht gerade prädestiniert. Guilty in 5.1 ist eine ziemliche Enttäuschung, der Sound ist flach und pappig, extrem trocken und alles fiept und blubbert gleichmäßig aus allen Lautsprechern. Die Sologitarre ist viel zu laut und das Solo deutlich uninspirierter als in der bekannten Version. Aber ich will nicht meckern, nett, dass wir überhaupt etwas in Surround bekommen haben.

Die neue Aufmachung der Universal Deluxe-Editions ist allerdings traurig. Den halb-transparenten "Deluxe"-Balken gibt es jetzt nur noch als Aufklebe-Streifen, der nicht wiederverwendbar ist, sobald man ihn einmal abgelöst hat (was wenigstens problemlos ging). Der Plastikschuber ist gar nicht mehr vorhanden, naja, der hat gern mal geklemmt, aber ich hätte die Tradition dennoch beibehalten - es hat einfach wertig ausgesehen und die Ausgaben hatten bereits ein entsprechendes Image, was jetzt wohl erstmal zerstört sein dürfte.

Die Liner Notes liefern ein bisschen Oldfield-Bio, aber wenig zum eigentichen Album und kein Wort zum Remaster und zu den Bonustracks. Auf Incantations Live und die Promovideos hätte ich gern verzichtet, denn ich habe die "Exposed"- und "Elements"-DVDs bereits. Stattdessen wäre die Surroundfassung des "Exposed"-Albums hier eine feine Dreingabe gewesen, bei der nicht mal eine neue Abmischung hätte erstellt werden müssen, denn das Album ist ja in allen Versionen stets als SQ-Quad-Mischung erschienen.

Die CD der Deluxe Edition hatte einen bedauerlichen Fehler, den Universal durch eine kostenlos zugeschickte Replacement-Disc korrigieren musste - es fehlte ein Teil eines Takts, deshalb klang es wie ein Sprung in einer Schallplatte, nur ohne den Klick.
Was ich zudem feststellen musste (und was ich 1978 schon festgestellt hatte): Das Album ist gar nicht mal so gut. Es klafft doch nicht nur zeitlich eine große Lücke (drei Jahre) zu den drei Vorgänger-Klassikern. Vor allem habe ich jetzt wieder gemerkt, dass sich einzelne Passagen viel zu oft und variationslos wiederholen, dass es manchmal echt nervt. Hiawatha vor allem - das ist eine gefühlte Viertelstunde immer derselbe Gesang von einer Frau, die wie meine Omma singt in Endlosschleife. Die Gitarrensolos erscheinen weitgehend uninspiriert, oft kommt es einem so vor, als habe er echt nicht gewusst, was er dazu improvisieren sollte. Den afrikanischen Drummern von Jabula hat jemand Halsbänder und Ketten angelegt, die klingen, als ob sie sich nicht trauen oder unwohl fühlen. Ich stelle auch fest, dass es dem Vinyl-Album guttat, dass man vier LP-Seiten hatte, die man erstmal umdrehen bzw. wechseln musste. So alles am Stück und knapp hintereinander weg ist schon heftig. Nicht weiter verwunderlich, dass die Live-Version deutlich kürzer und wesentlich stringenter klingt. Und erstaunlich auch, wie gut Guilty dazu passt, diese Single kam ja deutlich später raus als das Album und hatte diesen sehr zeitgemäßen Discosound, der in meiner ursprünglichen Wahrnehmung immer total anders klang.


"Platinum" und "QE2" (2012):

Abb.: Wikipedia
Ich habe jetzt beide neuen Deluxe Editions intensiv gehört - und bin wenig begeistert. Da ich beide Alben nie auf CD gekauft hatte, war ich gespannt auf das Wiederhören nach so vielen Jahren. Leider war ich doch ziemlich enttäuscht, weil die Alben in meiner Erinnerung deutlich besser waren.

"Platinum" mag 1979 noch ziemlich hip gewesen sein mit seinen unterlegten Disco-Rhythmen, heute ist das mitunter nur schwer erträglich und nervt streckenweise einfach. Leider gilt das auch und vor allem für die ansonsten musikalisch durchaus ambitionierte Platinum-Suite, aber auch Into Wonderland und I got rhythm sind eigentlich ziemlich furchtbar arrangiert und leider auch interpretiert.

Die Bonustracks auf CD 1 sind unspektakulär und wären auch verzichtbar gewesen. Blue Peter ist zwar nett, aber passt irgendwie nicht in den Kontext des Albums und dass Sally fehlt, das seinerzeit auf der Vinyl-Erstausgabe noch enthalten, aber schon bald auf Wunsch von Virgin Records entfernt worden war, ist mehr als nur beklagenswert.

Abb.: Wikipedia
"QE2" schneidet etwas besser ab, auch weil die Drums von Phil Collins und Morris Pert auf den ersten drei Titeln beachtenswert gut, jedenfalls besser als die simplen und variationslosen Discorhythmen von "Platinum" sind. Dennoch erscheinen einige Ideen auch hier nicht ganz ausentwickelt und die oft sehr kurzen Stücke wie Fragmente, was vielleicht das Hauptmanko des Albums ist. Daneben sind die beiden Coverversionen auch nicht wirklich gelungen und nerven schon beim ersten Wiederhören.
Bonustracks: Shiva (ein "reworking" von Sheba mit Text gesungen vom Meister selbst) ist einfach eine scheußliche Geschmacklosigkeit. Es klingt, als habe er einfach mit dem iPhone über die vorhandene Aufnahme drübergesungen und das nicht mal ansatzweise gut. Polka, eine bekannte live B-Seite, hätte man vielleicht mal entrauschen und entbrummen sollen, aber gut, man kann nicht alles haben.

Beide Deluxe-Editions kommen mit je einer Live-Bonus-CD, die vom Mix her nicht immer optimal scheinen - fast wie alte Radio Shows, dabei handelt es sich laut Booklet um Neuabmischungen von den Multitracks "under Mike Oldfield's supervision", naja. Sicherlich am jeweils interessantesten sind die älteren Stücke im Programm, daher ist auch die 1981er Show von "QE2" die spannendere, auch weil die Mitgliederzahl der Liveband gegenüber der "Platinum"-Tour noch einmal reduziert wurde. So erfährt Ommadawn hier die erste offizielle Live-Veröffentlichung, die um einiges anders klingt als die Studiofassung. Maggie Reilly scheint allerdings nicht immer zu wissen, was sie tut oder tun soll und das klingt streckenweise ziemlich peinlich.
In jedem Fall ist es ungünstig, CD1 und CD2 direkt hintereinander zu hören, da direkt am Anfang der Live-CDs die soeben gehörten Album-Stücke erneut zu hören sind, noch dazu in recht wenig variierten Versionen.


"Five Miles Out" (3-Disc-Deluxe Version 2013):

Abb.: Wikipedia
Die Deluxe Edition mit dem neuen 5.1-Mix wurde schon vor längerer Zeit geliefert, hatte aber bis zum Wochenende noch nicht Gehör gefunden. Jetzt also endlich - und leider konnte ich mich anschließend wieder erinnern, warum mir dieses Album nie wirklich zusagen konnte. Taurus II ist ein Oldfield-Longtrack, wie er nicht sein soll - ohne Gefühl und Gespür für Dynamik eingespielt. Drums und Rhythmusgitarren wie von Holzfällern eingespielt - sinnlos eingestreute Pipes und andere Folk-Elemente. Keine Steigerung, kein Sinn fürs Ganze. Schade. Der neue Surround-Mix kann nicht ganz überzeugen, vieles geht einfach unter, andere Sachen stechen überprominent heraus. Noch schlimmer der Rest: Family Man ist nervig, Orabidoo verschenkt seine Möglichkeiten - herausragend ist nur das spartanisch instrumentierte Ende, das ich völlig vergessen hatte. Hier zeigen Oldfield und Reilly, wie man nur mit einer Akustikgitarre und tollem Gesang ein Glanzlicht setzen kann. Der Titelsong kommt auf der DVD gleich dreimal hintereinander und ist ein Musterbeispiel dafür, wie Oldfield sich damals verzettelt hat - hier passt einfach nichts zusammen.


"Crises" (5.1-Mix 2013):
Abb.: WOM
Habe jetzt die DVD aus der Deluxe-Edition mit dem Surroundmix gehört und bin hin- und hergerissen. Das Titelstück ist ihm eigentlich gut gelungen, aber die zweite Seite hat es in sich. Moonlight Shadow ist völlig daneben, er hat den Mix komplett umgekrempelt, ähnlich wie er das auch schon mit Guilty gemacht hat, nur noch schlimmer. Den Anfang lasse ich noch gelten, da hat er die 12"-Version verwendet, aber dann wird es nur furchtbar. Höhepunkt sind seine nervigen (und schlecht gesungenen) Backingvocals, die im alten Mix gar nicht auffielen und die er jetzt viel zu laut nach vorn gemischt hat. Sicherlich gibt es viele Argumente gegen das Fade-Out des Originals, aber den Song einfach abrupt abreißen zu lassen, ersetzt auch kein auskomponiertes Ende. Das klingt so, als sei er noch gar nicht fertig mit dem Mixen gewesen.
Die anderen Songs klingen ebenfalls seltsam bis merkwürdig, aber ich habe "Crises" in den letzten Jahrzehnten nicht mehr gehört (besitze die CD bis heute nicht), daher kann ich kaum feststellen, was alles noch verändert wurde.
Ich denke, er sollte die Surroundmixes gelegentlich doch anderen Leuten überlassen, die etwas davon verstehen...


Gesamtfazit: 
"Incantations" war schon das erste von Oldfields weniger gelungenen Alben, aber immer noch über weite Strecken anhörbarer als alles, was danach kam. Es stimmt, er hat es in den 1980er Jahren ein paarmal geschafft, perfekte Popsongs zu komponieren und zu produzieren. Mistake oder Moonlight Shadow sind gelungene Beispiele. Leider hatte ich immer den Eindruck, als sei ihm danach einfach nichts mehr eingefallen. Schon die Single Crime of Passion war nur ein schamloses und, wie ich finde, recht peinliches Selbstplagiat von Moonlight Shadow.

Ich denke, dass ihm letztlich die komplexeren Kompositionen mehr am Herzen gelegen haben und er da auch ein unbestreitbares Talent hatte. "Tubular Bells" war ja nur der Anfang; "Hergest Ridge" und "Ommadawn" sind mindestens gleichwertige Meisterwerke (mein ewiger Favorit bleibt "Ommadawn"), die trotz einiger Perlen auf späteren Alben künstlerisch meterhoch über allem stehen, was danach kam.

Möglicherweise war das einschneidende Erlebnis, das ihm bei einem Selbsterfahrungs-Seminar 1978 widerfahren war, auch der Grund, warum seine Kreativität danach neue Wege einschlug. Ein überdosierter LSD-Trip in den frühen 1970ern hatte ihn zu einem introvertierten, fast autistischen Einzelgänger gemacht, der, von Angstneurosen und Panikattacken geplagt, keine Bühne betreten konnte, dazu war er schwerst alkoholabhängig. Möglicherweise war die Musik in diesen Jahren seine einzige Möglichkeit, seine Probleme halbwegs zu kompensieren, daher verwundert es nicht, dass sich sein Stil deutlich veränderte, nachdem er diese Probleme los war. Es liegt wohl auf der Hand, dass man nur introvertierte Musik machen kann, wenn man selbst introvertiert ist. Oldfield fing 1979 aber sofort an, sich mit Gastmusikern und später mit mehr oder weniger festen Bands zu umgeben, da war es klar, dass es nicht so weiter gehen konnte.

Dennoch: Wenn man ihn nicht gezwungen hätte, kommerzieller zu werden (es gab ziemlich Druck von Richard Branson seinerzeit, auch und vor allem wegen seiner anfänglichen Weigerung, auf Tour zu gehen), wäre die Substanz seiner Alben nach "Incantations" sicher deutlich besser geworden, das zeigt nicht zuletzt auch das "Amarok"-Album - wohl das beste seiner "Spätwerke", wenngleich auch immer noch kein gutes, da es ziemlich überfrachtetes Stückwerk ohne nachvollziehbare Über- oder Zusammenhänge bot. Aber es entstand immerhin ohne jeden Einfluss von Virgin Records; da er sich damals mit seiner Plattenfirma wegen der für ihn ungünstigen Vertragslage seiner frühen Alben überworfen hatte, wollte er nur noch raus aus seinem laufenden Deal - daher war "Amarok" bewusst so unkommerziell wie möglich gehalten - und zeigt so deutlich, welch kreatives Potential Oldfield auch Ende der 1980er noch hatte.