Mal vorweg: ich halte viel von Deutschrock, mal abgesehen von der deutschen Sprache und dem Rock... :D
Nein ernsthaft, ähnlich, wie in der Oper Italienisch die Amtsprache ist,
ist es in der Rockmusik nun mal Englisch. Ohnehin ist Englisch inzwischen die Lingua Franca der Welt, d.h. sie
wird in der Regel auch außerhalb der eigenen Enklave verstanden (schönen Gruß an
Wolfgang Niedecken!). Alle anderen Sprachen fallen dagegen
ab, nicht nur weil sie nur regionale Bedeutung haben können, sondern auch, weil sie sich phonetisch für Rock meist deutlich weniger gut eignen. Die größten Vorteile des
Englischen sind neben der Kürze (für denselben Inhalt benötigt das Deutsche gut 50% mehr Silben) vor allem die weniger betonten Konsonanten sowie das
Linking, mit dem einzelne Wörter nahtlos ineinander übergehen und
zusammengezogen werden können.
Im Deutschen lassen sich Silben wortübergreifend kaum
verbinden, und durch die häufiger vorkommenden Konsonanten,
insbesondere Explosiv- und Zischlaute, klingt Deutsch immer abgehackt
und stotterig, als würde man beim Singen versuchen, gleichzeitig
auszuspucken. Das geht meist direkt auf Kosten der Melodik, unterstützt
aber auch kaum den Rhythmus durch zu häufige Betonungen auf zweiten und
dritten Silben statt meist auf der ersten wie im Englischen (mit ein
Grund, warum Rap auf Deutsch so peinlich ist).
Wenn man das so gut es
geht vermeiden will (wie z.B. Udo Lindenberg es konsequent versucht) klingt's
leider gleich nuschelig - und aufgesetzt-künstlich.
Deutsche Rockstars haben selten internationales Format, auch die Musik
ist kaum eigenständig oder innovativ, vielfach beschränkt es sich auf
besseres Muckertum, bei dem anglo-amerikanische Klischees bewusst
verbraten werden, nach dem Motte, "seht her, wir können es auch".
Es gab mal eine kurze Zeit in den 1970ern, wo aus Deutschland
tatsächlich Richtungsweisendes kam, in erster Linie war das die
Düsseldorf/Köln-Connection um "Kraftwerk", "Neu", "Can" und den begnadeten
Producer Conny Plank sowie die Szene um die Berliner Elektroniker "Tangerine
Dream". Das war mehr als Krautrock, das war Pionierarbeit, auch in
musikalischer Hinsicht, denn diese Musik war losgelöst von den ansonsten
in der Rockmusik stets vorhandenen Roots. Sie kam erstmals fast völlig ohne
Blue-Notes aus, war somit völlig Blues-frei und genießt wohl deshalb und
wegen des konsequenten Einsatzes von Synthesizern, Sequencern und
anderer Elektronika noch heute großen Respekt in UK und US.
Meine persönliche Haltung dazu ist ein großer Respekt vor den genannten
Bands, sowie eine starke Abneigung gegenüber dem Großteil dessen, was heute und in den letzten
30 Jahren sonst so im Deutschrock unterwegs war und ist - sei es
Lindenberg, Grönemeyer, Westernhagen, "Grobschnitt", "Die Toten Hosen", Nina
Hagen, Maffay, "Rammstein", "Nena", Falco oder "Wir Sind Helden". Es gibt (oder gab) nur
wenige Bands oder Interpreten, bei denen Deutsch gerechtfertigt ist,
weil sie innovativ mit der Sprache umgehen können.
Das Dilemma zeigt sich vielleicht am Besten bei Heinz-Rudolf Kunze - er ist sicherlich einer der größten deutschen Texter aller Zeiten,
aber er singt Hochdeutsch wie man eben Hochdeutsch spricht, jedes Wort
einzeln und und natürlich dürrffen kkkeine Endsilben je verschuckkckctt
werrrden! Das pploppt und zzzzischt und fauchchchcht, dass es nur so
eine Frrreude isssttt.
Vor allem bei seinen Uptempo-Songs faszinieren seine feingehackten Achtelnoten-Silben: "was sind das nur für Menschen die Beziehungen haben - betrachten die sich denn als Staaten?"
- eine von vielen genialen Zeilen seines größten Hits Dein ist mein ganzes Herz - die im Song jedoch weitgehend
untergehen. So ziemlich der Gegenentwurf zu Lindenberg, aber leider auch
daneben.
Mitte der 1970er war Musik mit deutschen Texten im Wesentlichen auf Schlager, Liedermacher und Chansons beschränkt. In der Rockmusik kam sie von wenigen, bereits erwähnten Ausnahmen nicht vor. Das änderte sich, als im Nachgang zur Punk-Explosion die deutsche Schallplattenindustrie begann, die Hörer mit der "Neuen Deutschen Welle" zu beglücken. Natürlich waren sie auch hier wieder nur auf einen Trend aufgesprungen - bereits ab 1977 gab es hierzulande schon Punk mit deutschen Texten. In Dortmund trieb damals eine Band mit dem schönen Namen "NEAT" ihr Unwesen und begeisterte auch die dort stationierten britischen Soldaten, was ihre Konzerte gelegentlich zur Gefahr für Leib und Leben werden ließ. Ihre Texte gingen in der Musik leider fast vollständig unter, Inhalte wie "Ihr seid alle Ochsen, yeah - ihr seid blöd und rafft nichts mehr" kamen jedoch auch so beim Publikum an. In Berlin rockten "PVC" mit englischen Texten das legendäre Kant Kino. In Düsseldorf etablierte sich zur gleichen Zeit mit "ZK", "Der Plan", "Der KFC", "Mittagspause", später "Fehlfarben", Xao Seffcheque sowie "DAF" eine deutlich differenziertere alternative Szene, in Berlin starteten Annette Humpe und ihre Band "Ideal" mit anspruchsvollen Texten und frischem Sound auf dem "IC"-Label des Ex-"Tangerine Dream"-Musikers Klaus Schulze (die erste Gold-LP eines Indie-Labels in Deutschland) - irgendwann musste die Industrie wach werden. Die etablierten Plattenfirmen kauften in der Folge alles auf, was eine halbwegs gute Frisur hatte - musikalische Qualitäten interessierten nicht.
Missverständnisse gab es reichlich und viele haben sich bis heute
gehalten: "Trio" waren eigentlich verdiente Mucker aus dem
Krautrock-Umfeld, die
auch schon ein paar Jährchen älter und länger aktiv waren, die gehörten
gar nicht zur "NdW". Trotzdem fehlt ihre geniale Minimalismus-Parodie Da da da auf keinem der unzähligen NdW-Sampler, es steht jedoch nicht einmal beispielhaft für das
Trio-Gesamtwerk.
Ebenfalls nichts oder nur wenig mit der "NdW" zu hatten meine persönlichen
Favoriten "Foyer des Arts" - Musik und Texte voller absurder Einfälle
vom Duo Gerd Pasemann und Max Goldt - wer des letzteren legendäre Titanic-Kolumnen
kennt, kann sich vielleicht eine Vorstellung machen.
Sprachlich auf höchstem Niveau, dabei immer mit einem Bein in der
Comedy hatten sie anfangs unter einem Plattenvertrag mit WEA gelitten
und ihre Touristenführer-Parodie Wissenswertes über Erlangen war
zwar ein mittlerer Hit, aber auch gründlich missverstanden worden. 1988
waren sie immerhin bei John Peel zu Gast, was auch einiges über ihre
musikalischen Qualitäten aussagt.
Die im Gegensatz dazu völlig unlustigen und ironiefreien "Toten Hosen" fanden sich erst 1982 zusammen,
sie stammten aus Überbleibseln der erwähnten Düsseldorfer Punk-Szene,
hatten ihren kommerziellen Höhepunkt aber erst 1988, also lange nach der "NdW".
Das, was aus heutiger Sicht überwiegend unter "NdW" verstanden wird, war letztlich nur ein banaler Haufen Epigonen, der sich mit schlagerseichten Hits wie Kleine Taschenlampe brenn, Hohe Berge und 99 Luftballons eine
zeitlang ständig selbst befruchtete, ohne auch nur Ansätze von
Kreativität zu zeigen - was letztlich in einem Riesenhaufen
One-Hit-Wonder endete - bis der Hype nach ein paar Jahren dann endlich vorbei war und wirklich niemand mehr Deutsch hören wollte.
Davon betroffen waren auch Musiker, die eigentlich nichts mit NdW zu tun hatten - nur zwei von vielen Beispielen:
Der Tübinger Musiker Thommie Bayer war zwischen 1978 und 1984 relativ
erfolgreich. Er veröffentlichte in dieser Zeit jedes Jahr eine
LP auf unglaublich hohem Niveau - textlich anfangs eng verbandelt mit dem
Kabarett-Autor Bernhard Lassahn entstanden kleine Meisterwerke mit
genialen Zeilen wie Ich hol' dir keine Sterne mehr vom Himmel, die liegen nachher doch nur bei uns rum.
Die Musik war aufs Feinste arrangiert und lehnte sich an Vorbilder wie
die Beatles und Procol Harum. Zu "NdW"-Zeiten kam er damit jedoch nicht mehr gut
zurecht - seine geniale Parodie Die ganz ganz neue neue Deutsche Welle-Kapelle endete 1983 fast ungehört auf einer Single-B-Seite. Mittlerweile ist er erfolgreich als Buchautor
unterwegs.
Die Musiker von"Spliff" waren in den 1970ern bereits in der Agit-Prop-Band "Lokomotive Kreuzberg" und starteten später als Nina-Hagen-Band durch, bevor sie mit der englisch-sprachigen "Spliff Radio Show" einen "Rock-Oper"-Versuch wagten. Hits wie Carbonara stempelten sie aber in der Folge schnell als "NdW"-Act ab, trotz eines soliden und kommerziell ebenfalls höchst erfolgreichen Rockalbums namens "85555" (1982) - mit der Folge, dass sie sich 1985 auflösten - nicht ohne vorher als Produzenten einer ganzen Reihe von aufstrebenden Acts ("Extrabreit", "Die Ärzte", "Nena", Manfred Maurenbrecher, Ulla Meinecke u.a.) ihren Stempel aufzudrücken. Ihr Drummer und Sänger Herwig Mitteregger konnte sich zudem mit einigen guten Soloalben in der Folge etablieren.
In den Jahren 1984-1989 kündigten die Plattenfirmen vielen, auch länger etablierten Musikern, sogar denen, die kurz zuvor noch Hits hatten - die Hoch-Zeit der "NdW" war da schon vorbei.
In den 1990ern saßen vor allem die fest im Sattel, die schon vor der "NdW" unterwegs waren:
"BAP", Westernhagen und Grönemeyer füllten Stadien - sie begannen ihre Musikerkarriere schon
in den frühen 1970er Jahren. Lindenberg hatte während des NdW-Hypes einen ziemlichen Karriere-Durchhänger, rappelte sich anschließend aber langsam wieder auf. "Die Ärzte" starteten nach längerer Pause 1993 ihre eigentliche große Karriere. International wurde Rock zum Grunge - eine Art Post-Punk-Bewegung, ursprünglich aus Seattle mit Bands wie "Nirvana" und "Pearl Jam" an der Spitze. In Deutschland kam bestenfalls "Selig" infrage, hier ansatzweise mithalten zu können. Parallel dazu begann der Siegeszug des Hip-Hop (auch in Deutschland populär mit "Advanced Chemistry" und "Fanta4"), aber das ist eine andere Geschichte.
Was passierte sonst Bemerkenswertes?
Xavier Naidoo - na, über den wollen wir hier lieber kopfschüttelnd schweigen. Einige Songs von Laith Al-Deen fand ich nicht
schlecht (sicher das beste, das die Mannheimer Szene hervorgebracht hat)
oder auch einiges von "Ich & Ich" (wobei da ja wieder Annette Humpe am
Start war) - das passte durchaus auch musikalisch. Über Stoppoks Texte
und seine Art zu singen muss ich immer wieder grinsen, auch wenn mir
seine Definition von super-traditionellem US-Bluesrock gar nicht zusagen
will. "Selig" haben eine ganze Reihe von herausragenden Singles
veröffentlicht und sogar einer Teenyband wie "Echt" konnte ich durchaus etwas abgewinnen. Ihr Hit Du trägst keine Liebe in dir
(1999) war jedenfalls großartige Rockmusik auf internationalem Niveau -
geschrieben allerdings von Michel van Dyke, was ein wenig das kreative
Manko dieser Band umschrieb. Aus dem Kosmos von eher überflüssigen Leichtgewichtern wie
"Wir sind Helden", Christina Stürmer und "Silbermond" ragt für meinen
Geschmack die Band "Juli" aus Gießen textlich und musikalisch etwas
heraus. Aber letztlich war's das auch schon.
Dass deutschsprachige "Musik" seit einigen Jahren nun die hiesigen Charts
vollmüllt, ist auch nur ein weiteres Symptom für den gesunkenen Wert, den Musik
allgemein heute für das zahlende Publikum hat. Ist aber auch kein Wunder
- vor Jahren schon hat die damals amtierende Jugend sich gefragt, was
sie denn eigentlich mit CDs anfangen soll, heute wissen die meisten dank
YouTube und Spotify nicht einmal mehr, was "mp3" bedeutet. Musik ist
nur noch Hintergrundgeräusch, allerdings nicht als Soundtrack des
eigenen Lebens, sondern als allzeit bereit stehende Untermalung anderer
Aktivitäten, sei es What'sApp-Messages zu tippen oder Fallout Shelter zu
spielen. Wozu soll man das besitzen, wenn es überall zur Verfügung
steht? Welchen Wert hat der einzelne Song, wenn man eine
Streaming-Flatrate hat? - Musik wird gestreamt und zwar zum einen Ohr rein, zum anderen wieder
raus. Gespielt wird, was mal geliked wurde, d.h. das, von dem die Software
glaubt, das man es auch mögen könnte und irgendwann mag man eben, was
vorgeschlagen und gespielt wird - und sei es Helene Fischers billigen
Discoschrott.
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Mittwoch, 6. April 2016
Freitag, 15. August 2014
Background: Progressive Rock - wasndas?
Heute mal was Einfaches: wir definieren "Progressive Rock"...
Es gibt Webseiten, die das sehr schön auf den Punkt bringen, z.B. cracked.com:
"Progressive" ist kein eigenes Genre!
Das kann man schon an der Wortart erkennen; es ist klar und deutlich kein Substantiv, sondern nur ein Adjektiv. Der vollständige Begriff lautet: "Progressive Rock"; wörtlich übersetzt also "fortschrittliche Rockmusik". Das zugehörige Genre lautet also: "Rock".
Eine Feststellung, ob Musik fortschrittlich ist oder nicht, kann nur in Bezug auf einen Vergleich mit anderer Musik desselben Genres erfolgen. Gemessen und gewertet wird der Innovationsgehalt eines Albums, eines Musikstücks oder eines Künstlers. Jemand, der einmal in seiner Karriere ein progressives Album veröffentlicht, aber sich sonst nur selbst kopiert hat, kann nicht per se ein progressiver Künstler sein. Ohnehin neigen ältere Künstler eher dazu, sich weniger häufig neu zu erfinden - die Kreativität lässt ganz allgemein nach, je näher man dem Rentenalter kommt. Eric Clapton war sicherlich ein Innovator in den 1960er Jahren, als man ihm den Gottstatus verleihen wollte, aber ich habe nicht mitgezählt, seit wieviel Jahrzehnten der Herr schon langweilt. Es kommt also auf Anderes an.
1970 galt auch ein Album wie "Deep Purple In Rock" als "progressive", obwohl es aus heutiger Sicht eher zum "Dadrock" gerechnet wird. Das hat aber wohl eher mit der geringen Innovationsleistung zu tun, die Deep Purple in den 20 Jahren danach zuwege gebracht hat. Im Rückblick wird halt zuwenig darauf geachtet, welchen "Impact" ein Album bei seinem Erscheinen ausgelöst hat. Ich halte diesen Faktor jedoch für essentiell.
Vielfach wird eingewandt, ein kommerziell erfolgreiches Album könne nicht gleichzeitig auch "progressive" sein, was natürlich völliger Unsinn ist. "Sgt. Pepper" - der Archetyp eines progressiven Rockalbums - war nach Ohrenzeugenberichten 1967 ein absoluter Hammer, der selbst eingefleischte Beatles-Fans fassungslos zu Boden schmetterte. Gleichzeitig war es überaus erfolgreich.
So ist "The Dark Side Of The Moon" sicherlich ein progressives Album - Pink Floyd haben es damit zum ersten Mal meisterlich geschafft, solide Kompositionen mit elektronischen, experimentalen (Ambient-) Sounds und Geräuschen zu verbinden. Das hatten sie zwar auch schon zuvor versucht, jedoch nicht mit dieser songdienlichen Stringenz.
Wichtiger als Verkaufszahlen erscheint doch, dass das Produkt zu einem "Fortschritt" in der Rezeption des Publikums (eingeschlossen weitere zeitgenössische Rockmusiker oder -bands) geführt und damit eine nachhaltige Wirkung ausgelöst hat, die die weitere Historie des Genres "Rock" maßgeblich geprägt hat. Leider hat es nicht allzu viele Alben in der Geschichte der Rockmusik gegeben, die gleichzeitig erfolgreich und progressiv waren, dennoch schließen sich diese Parameter nicht gegenseitig aus.
Kriterium ist für mich eindeutig die Originalität, die in einer Aufnahme steckt - das Variieren einer bereits bekannten oder beliebten kreativen Idee kann sicherlich ebenfalls kreativ sein, jedoch geht nichts über die Originalität.
Was heutzutage als "Prog" gilt, ist jedoch meist besser in der Schublade "Retro" aufgehoben. Gesampelte Mellotronsounds können sicherlich trotzdem nett klingen. "Retroprog" (diese absurde Wortschöpfung gibt es tatsächlich) ist ein kläglicher Versuch, ein Label zu finden für all die Epigonen, die den Progressive Rock von damals mit alten Stilmitteln und Sounds wie eben Mellotron nachahmen - also eigentlich nur "retro" sind.
The Watch zum Beispiel. Oder Steven Wilson - der ist als ausgewiesener Progfan dafür gut, immer mal eine alte Idee als Hommage einzustreuen (siehe Watchmaker von seinem Album "The Raven that Refused to Sing" - eine Collage aus Genesis' Cinema Show meets Pink Floyds Dogs). Aber "fortschrittlich" oder "originell" ist das im eigentlichen Sinn nicht - und ist dann auch sicher nicht so gemeint.
Viele Fans (und Musiker) verwechseln Virtuosität mit Kreativität.
Das konnte man zuletzt sehr schön bei den Lobeshymnen sehen, die aus dem Proglager auf Steven Wilsons "Raven" angestimmt wurden. Es handelt sich dabei um eine Grundfehlannahme, die seit den frühen 1970er Jahren immer wieder getroffen wird und vermutlich dem Einfluss der Improvisation (also Blues und Jazz) auf die Rockmusik geschuldet ist. Insbesondere wurde der Jazz, nachdem er in den 1950ern langsam aus der Mode kam, allmählich ein Lieblingskind vorzugsweise elitärer Kreise, seine Protagonisten als musikalische Genies gefeiert - heute ist Jazz ungefähr so innovativ wie Barockmusik, was man auch an seinen abendgarderobierten "Fans" erkennt, die längst zum Hochkulturestablishment gehören.
Rockfans, die sich anfangs eher am unteren Ende des sozialen Spektrums sahen, begrüßten diese Einflüsse daher von Anfang an, weil sie ihre Lieblingsmusik dadurch aufgewertet sahen. Dabei wird übersehen, dass ein Gitarrensolo an sich ist jedoch nur selten progressiv ist, auch nicht, wenn es 20 Minuten dauert oder ausschließlich aus 64tel Noten besteht.
Will man das Adjektiv jedoch konsequent nur an solche Rockmusik vergeben, die es auch verdient hat, kommt man nicht umhin, seinen persönlichen Geschmack in die Ecke zu stellen und stattdessen einen Blick in die Musikhistorie zu werfen, denn nur so lässt sich beurteilen, wann eine Idee wirklich neu war, oder ob wieder mal nur Epigonen am Werk waren.
Beispiel 1: ich halte Pink Floyds "The Division Bell" für ein tolles Album, das ich sehr gern höre, aber es ist nun mal nicht "progressive" (wäre es 20 Jahre früher erschienen sicher gewesen).
Beispiel 2: King Crimsons "In the Court of the Crimson King" ist sicherlich unbestritten ein bahnbrechendes Album des Progressive Rock, allein ich mag es nicht wirklich (ich besitze es trotzdem).
Es gibt Webseiten, die das sehr schön auf den Punkt bringen, z.B. cracked.com:
- Progressive rock is categorized by a sacking of traditional song structure, complex rhythms, odd time signatures and a sense of inherent superiority over other rock genres
- Because of this, it's pretty much never been popular
- It is the only rock genre in which the term "flute solo" has any meaning
"Progressive" ist kein eigenes Genre!
Das kann man schon an der Wortart erkennen; es ist klar und deutlich kein Substantiv, sondern nur ein Adjektiv. Der vollständige Begriff lautet: "Progressive Rock"; wörtlich übersetzt also "fortschrittliche Rockmusik". Das zugehörige Genre lautet also: "Rock".
Eine Feststellung, ob Musik fortschrittlich ist oder nicht, kann nur in Bezug auf einen Vergleich mit anderer Musik desselben Genres erfolgen. Gemessen und gewertet wird der Innovationsgehalt eines Albums, eines Musikstücks oder eines Künstlers. Jemand, der einmal in seiner Karriere ein progressives Album veröffentlicht, aber sich sonst nur selbst kopiert hat, kann nicht per se ein progressiver Künstler sein. Ohnehin neigen ältere Künstler eher dazu, sich weniger häufig neu zu erfinden - die Kreativität lässt ganz allgemein nach, je näher man dem Rentenalter kommt. Eric Clapton war sicherlich ein Innovator in den 1960er Jahren, als man ihm den Gottstatus verleihen wollte, aber ich habe nicht mitgezählt, seit wieviel Jahrzehnten der Herr schon langweilt. Es kommt also auf Anderes an.
1970 galt auch ein Album wie "Deep Purple In Rock" als "progressive", obwohl es aus heutiger Sicht eher zum "Dadrock" gerechnet wird. Das hat aber wohl eher mit der geringen Innovationsleistung zu tun, die Deep Purple in den 20 Jahren danach zuwege gebracht hat. Im Rückblick wird halt zuwenig darauf geachtet, welchen "Impact" ein Album bei seinem Erscheinen ausgelöst hat. Ich halte diesen Faktor jedoch für essentiell.
Vielfach wird eingewandt, ein kommerziell erfolgreiches Album könne nicht gleichzeitig auch "progressive" sein, was natürlich völliger Unsinn ist. "Sgt. Pepper" - der Archetyp eines progressiven Rockalbums - war nach Ohrenzeugenberichten 1967 ein absoluter Hammer, der selbst eingefleischte Beatles-Fans fassungslos zu Boden schmetterte. Gleichzeitig war es überaus erfolgreich.
So ist "The Dark Side Of The Moon" sicherlich ein progressives Album - Pink Floyd haben es damit zum ersten Mal meisterlich geschafft, solide Kompositionen mit elektronischen, experimentalen (Ambient-) Sounds und Geräuschen zu verbinden. Das hatten sie zwar auch schon zuvor versucht, jedoch nicht mit dieser songdienlichen Stringenz.
Wichtiger als Verkaufszahlen erscheint doch, dass das Produkt zu einem "Fortschritt" in der Rezeption des Publikums (eingeschlossen weitere zeitgenössische Rockmusiker oder -bands) geführt und damit eine nachhaltige Wirkung ausgelöst hat, die die weitere Historie des Genres "Rock" maßgeblich geprägt hat. Leider hat es nicht allzu viele Alben in der Geschichte der Rockmusik gegeben, die gleichzeitig erfolgreich und progressiv waren, dennoch schließen sich diese Parameter nicht gegenseitig aus.
Kriterium ist für mich eindeutig die Originalität, die in einer Aufnahme steckt - das Variieren einer bereits bekannten oder beliebten kreativen Idee kann sicherlich ebenfalls kreativ sein, jedoch geht nichts über die Originalität.
Was heutzutage als "Prog" gilt, ist jedoch meist besser in der Schublade "Retro" aufgehoben. Gesampelte Mellotronsounds können sicherlich trotzdem nett klingen. "Retroprog" (diese absurde Wortschöpfung gibt es tatsächlich) ist ein kläglicher Versuch, ein Label zu finden für all die Epigonen, die den Progressive Rock von damals mit alten Stilmitteln und Sounds wie eben Mellotron nachahmen - also eigentlich nur "retro" sind.
The Watch zum Beispiel. Oder Steven Wilson - der ist als ausgewiesener Progfan dafür gut, immer mal eine alte Idee als Hommage einzustreuen (siehe Watchmaker von seinem Album "The Raven that Refused to Sing" - eine Collage aus Genesis' Cinema Show meets Pink Floyds Dogs). Aber "fortschrittlich" oder "originell" ist das im eigentlichen Sinn nicht - und ist dann auch sicher nicht so gemeint.
Viele Fans (und Musiker) verwechseln Virtuosität mit Kreativität.
Das konnte man zuletzt sehr schön bei den Lobeshymnen sehen, die aus dem Proglager auf Steven Wilsons "Raven" angestimmt wurden. Es handelt sich dabei um eine Grundfehlannahme, die seit den frühen 1970er Jahren immer wieder getroffen wird und vermutlich dem Einfluss der Improvisation (also Blues und Jazz) auf die Rockmusik geschuldet ist. Insbesondere wurde der Jazz, nachdem er in den 1950ern langsam aus der Mode kam, allmählich ein Lieblingskind vorzugsweise elitärer Kreise, seine Protagonisten als musikalische Genies gefeiert - heute ist Jazz ungefähr so innovativ wie Barockmusik, was man auch an seinen abendgarderobierten "Fans" erkennt, die längst zum Hochkulturestablishment gehören.
Rockfans, die sich anfangs eher am unteren Ende des sozialen Spektrums sahen, begrüßten diese Einflüsse daher von Anfang an, weil sie ihre Lieblingsmusik dadurch aufgewertet sahen. Dabei wird übersehen, dass ein Gitarrensolo an sich ist jedoch nur selten progressiv ist, auch nicht, wenn es 20 Minuten dauert oder ausschließlich aus 64tel Noten besteht.
Will man das Adjektiv jedoch konsequent nur an solche Rockmusik vergeben, die es auch verdient hat, kommt man nicht umhin, seinen persönlichen Geschmack in die Ecke zu stellen und stattdessen einen Blick in die Musikhistorie zu werfen, denn nur so lässt sich beurteilen, wann eine Idee wirklich neu war, oder ob wieder mal nur Epigonen am Werk waren.
Beispiel 1: ich halte Pink Floyds "The Division Bell" für ein tolles Album, das ich sehr gern höre, aber es ist nun mal nicht "progressive" (wäre es 20 Jahre früher erschienen sicher gewesen).
Beispiel 2: King Crimsons "In the Court of the Crimson King" ist sicherlich unbestritten ein bahnbrechendes Album des Progressive Rock, allein ich mag es nicht wirklich (ich besitze es trotzdem).
Montag, 11. August 2014
Background: Elvis
Nein, dieser hier ist nicht gemeint:

Aber mal ernsthaft: von Thommie Bayer gibt es einen Song, in dem er Rock'n'Roll-Todesopfer aufzählt und beklagt. Da heißt es am Schluss der langen Liste:
"...Jim Morrison, Janis Joplin, Sandy Denny und Keith Moon - bei Elvis war's egal, der hat nichts damit zu tun"
Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen. Elvis Presley war in erster Linie die Gelddruckmaschine seines Managers, "Colonel" Tom Parker. Denn Elvis war ein Weißer, der wie ein Schwarzer singen konnte - und damit den bis dahin "schwarzen" Rock'n'Roll auch in Weißen Kreisen etablieren konnte. So ließen sich Millionen scheffeln durch maximale Vermarktung - in der Musikindustrie seinerzeit ohne Beispiel.
Seine großen Hits haben andere Künstler wie Little Richard und Chuck Berry geschrieben, die wesentlich talentierter als Elvis, aber eben leider zu stark pigmentiert für eine große Hollywood-Karriere waren. Dass er ein passabler Gitarrist war, gut aussah für damalige Verhältnisse (Männer mussten in den 1950ern wie Schmierlappen rumlaufen) und sowohl singen (naja, eher knödeln) als auch sich bewegen konnte - geschenkt. Nichts konnte er wirklich gut, schon gar nicht schauspielern. Seine Hollywood-Filme und seine Schlagerschnulzen sind aus heutiger Sicht überwiegend peinliche Geschmacks-Entgleisungen.
Nichtsdestotrotz sind viele seiner Aufnahmen aus seinem ersten RCA-Jahr 1956 (das Jahr seines Durchbruchs) ziemlich gut. Leider gab es danach keinerlei positive musikalische Weiterentwicklung, was auch dem Militärdienst und der Hollywood-Karriere geschuldet war, die ab 1957 sein Leben bestimmten. Spätestens die "British Invasion" mit der Speerspitze Beatles hatten ihn unwiderruflich abgehängt. Zudem trat immer mehr sein Faible für Country-Musik in den Vordergrund. Seine Grammys verdiente er sich gar mit Gospel-Alben. Sein Ende als schmieriger, übergewichtiger Las-Vegas-Entertainer war vorhersehbar - aber, wie schon oben festgestellt, aus musikhistorischer Sicht tatsächlich egal.
Aber mal ernsthaft: von Thommie Bayer gibt es einen Song, in dem er Rock'n'Roll-Todesopfer aufzählt und beklagt. Da heißt es am Schluss der langen Liste:
"...Jim Morrison, Janis Joplin, Sandy Denny und Keith Moon - bei Elvis war's egal, der hat nichts damit zu tun"
Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen. Elvis Presley war in erster Linie die Gelddruckmaschine seines Managers, "Colonel" Tom Parker. Denn Elvis war ein Weißer, der wie ein Schwarzer singen konnte - und damit den bis dahin "schwarzen" Rock'n'Roll auch in Weißen Kreisen etablieren konnte. So ließen sich Millionen scheffeln durch maximale Vermarktung - in der Musikindustrie seinerzeit ohne Beispiel.
Seine großen Hits haben andere Künstler wie Little Richard und Chuck Berry geschrieben, die wesentlich talentierter als Elvis, aber eben leider zu stark pigmentiert für eine große Hollywood-Karriere waren. Dass er ein passabler Gitarrist war, gut aussah für damalige Verhältnisse (Männer mussten in den 1950ern wie Schmierlappen rumlaufen) und sowohl singen (naja, eher knödeln) als auch sich bewegen konnte - geschenkt. Nichts konnte er wirklich gut, schon gar nicht schauspielern. Seine Hollywood-Filme und seine Schlagerschnulzen sind aus heutiger Sicht überwiegend peinliche Geschmacks-Entgleisungen.
Nichtsdestotrotz sind viele seiner Aufnahmen aus seinem ersten RCA-Jahr 1956 (das Jahr seines Durchbruchs) ziemlich gut. Leider gab es danach keinerlei positive musikalische Weiterentwicklung, was auch dem Militärdienst und der Hollywood-Karriere geschuldet war, die ab 1957 sein Leben bestimmten. Spätestens die "British Invasion" mit der Speerspitze Beatles hatten ihn unwiderruflich abgehängt. Zudem trat immer mehr sein Faible für Country-Musik in den Vordergrund. Seine Grammys verdiente er sich gar mit Gospel-Alben. Sein Ende als schmieriger, übergewichtiger Las-Vegas-Entertainer war vorhersehbar - aber, wie schon oben festgestellt, aus musikhistorischer Sicht tatsächlich egal.
Donnerstag, 26. Juni 2014
Background: Zwei Cents für Michael Jackson
Natürlich bin ich als Rock-Fan überhaupt kein Fan von ihm und konnte auch den Hype noch nie
verstehen. Sicher hat er sich von Quincy Jones ein paar nette
Pop-Soul-Schlager produzieren lassen und sicherlich war die
Choreographie seiner Videos und Live-Shows hervorragend und meinetwegen auch
innovativ. Immerhin, das ständige Sich-in-den-Schritt-fassen und den
"Moonwalk" hat er oder sein Choreograph erfunden (wobei ich nie kapiert
habe, was letzterer mit der Fortbewegung auf unserem Erdtrabanten zu tun
hatte). Jedoch sind mir diese Las-Vegas-mäßigen, zutiefst amerikanischen Präsentationsformen von Popularmusik immer schon ein Gräuel gewesen und haben mich überwiegend nur den Kopf schütteln lassen - nicht im Rhythmus versteht sich.
Was ich aber noch viel weniger verstehe, ist das Zeugs über sein Privatleben, über das sich die Boulevardmedien so genüßlich ausgebreitet haben, dass jetzt jeder meint, er wüßte, wie es bei Michael zuhause, in der Familie, und auf der Neverland-Ranch so abgegangen ist. Dabei werden immer nur dieselben endlos ausgewalzten Klischees vom prügelnden Vater, dem Affen, dem Baby über dem Geländer, den Nasen-OPs und den Beruhigungsmitteln ausgebreitet, immer begleitet von der üblichen, hoffnungslos naiven Küchenpsychologie.
Die so gewonnenen "Erkenntnisse" werden dann unreflektiert zu Fakten erklärt und ebenso verbreitet, dabei sollte jeder halbwegs aufgeklärte Mensch mit einem Minimum an Medienkompetenz wissen, dass ein Großteil der dort publizierten "Informationen" reine Fiktion sind. Das ist die eigentliche Tragik des Michael Jackson.
Was ich aber noch viel weniger verstehe, ist das Zeugs über sein Privatleben, über das sich die Boulevardmedien so genüßlich ausgebreitet haben, dass jetzt jeder meint, er wüßte, wie es bei Michael zuhause, in der Familie, und auf der Neverland-Ranch so abgegangen ist. Dabei werden immer nur dieselben endlos ausgewalzten Klischees vom prügelnden Vater, dem Affen, dem Baby über dem Geländer, den Nasen-OPs und den Beruhigungsmitteln ausgebreitet, immer begleitet von der üblichen, hoffnungslos naiven Küchenpsychologie.
Die so gewonnenen "Erkenntnisse" werden dann unreflektiert zu Fakten erklärt und ebenso verbreitet, dabei sollte jeder halbwegs aufgeklärte Mensch mit einem Minimum an Medienkompetenz wissen, dass ein Großteil der dort publizierten "Informationen" reine Fiktion sind. Das ist die eigentliche Tragik des Michael Jackson.
Montag, 12. Mai 2014
Background: Gedanken zum ESC 2014
Ist es wirklich so schwierig, in der Kunst originell/originär
zu sein? - ich glaube nicht, denn wenn es nicht originell ist, ist es nicht Kunst, sondern
Kitsch (siehe auch Stichwort "Originalitätszwang"). Das ist das ganze Dilemma des Eurovision Song Contests, denn da ist so gut wie nichts originell und damit wirklich sehenswert. - Wobei: auch Kitsch hat natürlich seine Daseinsberechtigung, solange es
Leuten gefällt. Die Frage ist nur, ob man sowas europaweit und mit diesem ungeheuren Aufwand präsentieren und feiern muss.
Hauptproblem bei den meisten ESC-Beiträgen ist ja gerade, dass es sich um Konsens-Stücke handelt, denen man jeden Wagemut und Exzentrik früh ausgetrieben hat, damit sie das nivellierende Plebiszit in Form von Vorauswahlen, Semifinals und Finale überstehen. Daher ist das trübe Mucke von der Schlager- oder Disco-Stange. Gewagt wird da bestenfalls noch mit der Performance/Präsentation, aber auch da habe ich auch in diesem Jahr nichts gesehen, was über vordergründig-platte Effekthascherei hinausgeht. Damen mit Vollbart (mit oder ohne Unterleib) gab es schon vor 120 Jahren auf den Rummelplätzen dieser Welt und "Sex sells" ist auch nicht wirklich eine neue Erkenntnis. Trotzdem gibt es immer wieder unmotivierte Dekogestalten wie damals Dita von Teese oder jetzt hier die polnischen Wasch-Schlampen mit ihren prachtvollen Dekolletés. Das finde ich in erster Linie peinlich. Das größte Fremdschämpotential hatte definitiv der Auftritt der Franzosen. Keine Ahnung, wie die es geschafft haben, dafür Freigang aus der Geschlossenen zu bekommen.
Es ist doch immer wieder erstaunlich, dass die Abfrage der nationalen Votings deutlich interessanter ist als die eigentlichen Darbietungen. Ich habe mir schon lange angewöhnt, erst dann einzuschalten, wenn das Ranking-Quizspielchen losgeht. Vorher kann man sich gefühlte 20 Mal den Schnelldurchgang anschauen; das allein ist zwar schon genug schwere Kost, aber ganz ohne Musik kann man sich ja auch keine Vorstellung des Elends machen.
Früher gab es beim ESC zwar nicht weniger schlechte Musik, aber die teilnehmenden Nationen waren in gewisser Weise stolz darauf, sich mit einem Minimum an landestypischen Eigenheiten und Traditionen zu präsentieren. Da gab es wenigstens etwas Abwechslung. Heute erklingt quer durch Europa der gleiche, langweilige Disco-Shit und sogar die Russen singen auf Englisch. Da verwundert es auch nicht, wenn die überwältigende Mehrheit der beteiligten "Musiker" anschließend komplett in der kollektiven Vergessenheit verschwindet.
Ich hatte 2011 die Gelegenheit, im Pressezentrum des ESC in Düsseldorf zu arbeiten, was durchaus Spaß gemacht hat, denn die Stimmung vor Ort war klasse und alle hatten extrem gute Laune. Dabei ist mir klargeworden, dass der ESC in erster Linie ein Mega-Party-Event ist - um Musik geht es dabei nicht.
Wahrscheinlich gehöre ich aber nur nicht zur ESC-Zielgruppe, ist schon klar... ;)
Hauptproblem bei den meisten ESC-Beiträgen ist ja gerade, dass es sich um Konsens-Stücke handelt, denen man jeden Wagemut und Exzentrik früh ausgetrieben hat, damit sie das nivellierende Plebiszit in Form von Vorauswahlen, Semifinals und Finale überstehen. Daher ist das trübe Mucke von der Schlager- oder Disco-Stange. Gewagt wird da bestenfalls noch mit der Performance/Präsentation, aber auch da habe ich auch in diesem Jahr nichts gesehen, was über vordergründig-platte Effekthascherei hinausgeht. Damen mit Vollbart (mit oder ohne Unterleib) gab es schon vor 120 Jahren auf den Rummelplätzen dieser Welt und "Sex sells" ist auch nicht wirklich eine neue Erkenntnis. Trotzdem gibt es immer wieder unmotivierte Dekogestalten wie damals Dita von Teese oder jetzt hier die polnischen Wasch-Schlampen mit ihren prachtvollen Dekolletés. Das finde ich in erster Linie peinlich. Das größte Fremdschämpotential hatte definitiv der Auftritt der Franzosen. Keine Ahnung, wie die es geschafft haben, dafür Freigang aus der Geschlossenen zu bekommen.
Es ist doch immer wieder erstaunlich, dass die Abfrage der nationalen Votings deutlich interessanter ist als die eigentlichen Darbietungen. Ich habe mir schon lange angewöhnt, erst dann einzuschalten, wenn das Ranking-Quizspielchen losgeht. Vorher kann man sich gefühlte 20 Mal den Schnelldurchgang anschauen; das allein ist zwar schon genug schwere Kost, aber ganz ohne Musik kann man sich ja auch keine Vorstellung des Elends machen.
Früher gab es beim ESC zwar nicht weniger schlechte Musik, aber die teilnehmenden Nationen waren in gewisser Weise stolz darauf, sich mit einem Minimum an landestypischen Eigenheiten und Traditionen zu präsentieren. Da gab es wenigstens etwas Abwechslung. Heute erklingt quer durch Europa der gleiche, langweilige Disco-Shit und sogar die Russen singen auf Englisch. Da verwundert es auch nicht, wenn die überwältigende Mehrheit der beteiligten "Musiker" anschließend komplett in der kollektiven Vergessenheit verschwindet.
Ich hatte 2011 die Gelegenheit, im Pressezentrum des ESC in Düsseldorf zu arbeiten, was durchaus Spaß gemacht hat, denn die Stimmung vor Ort war klasse und alle hatten extrem gute Laune. Dabei ist mir klargeworden, dass der ESC in erster Linie ein Mega-Party-Event ist - um Musik geht es dabei nicht.
Wahrscheinlich gehöre ich aber nur nicht zur ESC-Zielgruppe, ist schon klar... ;)
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