Normalerweise mache ich einen großen Bogen um Collins-Alben -
meist schon, weil ich mich kaum noch an die meisten Songs erinnern kann und auch
nicht unbedingt erinnern will. Und wenn ich dann, wie hier und heute,
doch mal in ein Video reinhöre, kommt die Erinnerung zurück - und dann
gleich das Kopfschütteln: wie konnte es passieren, dass ich dieses Album
in meinem CD-Regal stehen habe? Der größte Teil meines heutigen und
selbst meines damaligen Musikgeschmacks könnte kaum weiter von diesem
Stück entfernt sein. Wieso habe ich das damals nicht gesehen?
Gut,
ich habe es sicher mindestens 25 Jahre nicht mehr gehört, aber wie
konnte es überhaupt dazu kommen? Wieso war ich 1990 sogar in einem Phil
Collins-Konzert - und habe mich da auch noch sehr gut unterhalten
gefühlt?
Leuten, die sich im Allgemeinen für jederzeit
geschmackssicher halten, ist es mehr als peinlich, wenn sie alte Fotos
von sich in einer lang vergessenen Kiste finden. Was sind das für
absurde Klamotten, was habe ich mir bei diesem Haarschnitt gedacht?
Warum habe ich das nicht damals schon scheiße gefunden? War ich etwa
selbst so scheiße wie ich aussehe? - Man kann es kaum nachvollziehen und
würde den Teufel tun, als sowas nochmal zu tragen (mal davon abgesehen,
dass man die alte Bundfaltenhose nicht mehr zu bekäme und die paar
verbliebenen Flusen auf dem Kopf auch nicht mehr für einen respektablen
Vokuhila reichen würden...).
Dumpf kommt dann die Erinnerung
zurück: das, was heute einfältig, allzu kommerziell und vorhersehbar
scheint, muss damals irgendwie neu und frisch gewesen sein. Wenigstens
einigermaßen - zum Erscheinen von "But Seriously" war Collins' kreativer
Höhepunkt bereits überschritten, sein Stern hatte trotz aller Erfolge
bereits angefangen zu sinken, nur zu gern bediente er sich bei diesem
Album vorangegangener Großtaten. Die Drumbox kannte man längst und die übrigen Arrangements entsprachen mehr oder weniger exakt dem bekannten Schema. Trotzdem
dauerte es wohl noch etwas, bis ich von Phil Collins endgültig genug
hatte - bis ich eingesehen hatte, dass "But Seriously" und insbesondere
die vielen dort enthaltenen Füller-Songs einfach nicht mehr als ein sehr
durchschnittliches und viel zu langes Album mit nur wenigen originellen
Einfällen, dafür voller Selbstplagiate ergaben. Vielleicht lag das
daran, dass die Songs immerhin handwerklich gut aufgenommen waren und
seine Stimme, die damals noch klasse war, beinahe jeden Song aufwerten
konnte.
Und: Onkel Phil war einfach ein sympathisches Kerlchen,
seine Videos waren witzig, seine Auftritte als Schauspieler schienen
großes Talent zu offenbaren, wenngleich er sich da wohl nur selbst
spielte. So ähnlich war es auch um sein musikalisches Talent bestellt,
seine großen Defizite auf diesem Feld konnte er mit seinen tollen
Gastmusikern ein paar Jahre lang gut überspielen - aber irgendwann war
sein Kredit bei mir dann aufgebraucht. Ich hätte das hier eigentlich
schon merken müssen.
Und so denke mal ernsthaft darüber nach, seine Alben nach 1982 endgültig
auszusortieren ...
It's Yourself war den meisten deutschen Genesis-Fans erstmals 1977 als B-Seite der Single Your Own Special Way
aufgefallen. Die Erstveröffentlichung geschah jedoch bereits ein Jahr
früher auf der B-Seite der hierzulande nicht erschienenen italienischen Ripples-Single.
Aufgenommen während der Sessions zum "A Trick Of The Tail"-Album im
Herbst des Jahres 1975 hätte es nicht nur nach der Meinung vieler Fans
gut zum Rest des Albums gepasst. Tatsächlich hatte Nick Davis, Toningenieur der 2007er Stereo- und 5.1 Surround-Remixe, im
offiziellen Genesis-Forum erwähnt, dass während der Remix-Arbeiten kurzzeitig erwogen wurde,
It's Yourself wieder in die Album-Trackliste aufzunehmen, quasi als Einleitung zu Los Endos, mit dem es einige Sekunden Audio gemein hat (siehe unten), doch dazu kam es dann doch nicht.
Da It's Yourself schließlich auf der Extra-Disc der besagten Box
in einer 6:15 min langen Remix-Version zu finden ist und das Stück bei
seiner digitalen Erstveröffentlichung im 3CD-Box-Set "Genesis Archive 2:
1976–1992" (2000) nur in einer kürzeren 5:26 min-Version erschien, ist
die 5:44 lange Originalversion der beiden Vinyl-Singles bis heute nicht
wiederveröffentlicht worden, weder digital noch analog (hier kann man sie sich jedoch anhören).
Den Grund dafür nannte Davis ebenfalls: Das Vinyl-Ende von It's Yourself besteht
aus einer einsamen Keyboard-Solo-Figur, die sich bereits ein paar Takte
vor dem Ende des Musikbetts aus diesem herausschält. Zum Schluss ist
sie allein zu hören und endet schließlich in den bekannten fünf Tönen
des Themas von Mad Man Moon. In den Archiven fand sich jedoch nur
ein Stereomaster, bei dem eben dieses Ende leider fehlte. Warum dies so
war, darüber konnte nur spekuliert werden. Wahrscheinlich hatte man
seinerzeit die Mad Man Moon-Melodie dem bereits fertigen
Stereomaster hinzugemischt - was erklären würde, warum diese auch auf
den Mehrspur-Mastertapes, die später für die 2007er Remixe verwendet wurden,
nicht zu finden war. Dafür fand sich auf letzteren der lang vermisste
erste Refrain und die zweite Strophe, die für die Singlefassung
seinerzeit herausgeschnitten worden waren (und die eingefleischten Fans
nur von einigen Bootlegs mit "Trick"-Outtakes bekannt waren).
Was nun die Gemeinsamkeiten mit Los Endos angeht - beide Songs wurden voneinander getrennt aufgenommen, denn nur die ersten 45 Sekunden von Los Endos sind identisch mit einem Ausschnitt aus der Mitte von It's Yourself. "Identisch"
ist hier wörtlich gemeint - diese 45 Sekunden sind nicht einfach nur
ähnlich; es handelt sich eindeutig um dieselbe Aufnahme. Diesen
Ausschnitt von 2:30 bis 3:15 min (Timing von der Archive #2-Version) hat
man als Intro von Los Endos sozusagen zweitverwertet.
Die eigentliche Aufnahme von Los Endos beginnt auf den
Multitracks mit dem Einsatz von Drums und Bassgitarre. Erst nach der
Stereo-Abmischung hat man den besagten 45-Sekunden-Ausschnitt von It's Yourself als
Intro zugemischt (eigentlich waren es sogar 50 Sekunden, denn weitere 5
Sekunden kann man unter Drums und Bass noch hören, bis das eigentliche
Thema von Los Endos einsetzt).
Hier hat sich jemand die Mühe gemacht, die beiden Stücke miteinander zu verbinden - vermutlich so, wie Nick Davis es damals geplant hatte. Man kommt nicht umhin, festzustellen, dass das wohl gut funktioniert hätte.
It's Yourself ist ein typisches Kleinod aus den frühen Genesis-Tagen. Es entstammt der Zeit, in der auch Meisterwerke wie "The lamb lies down on Broadway" entstanden und reiht sich nahtlos in die Reihe der höchst kreativ-progressiven Stücke aus dieser Zeit ein. Tatsächlich finden sich erste, rein instrumentale Ansätze dieses Stücks bereits auf den geleakten Übungs-Sessions aus Headley Grange im Sommer/Herbst 1974 - es
gibt dort in der Tat eine nicht komplett unähnliche, rein instrumentale Idee, bestehend aus
dem 12-string-Arpeggio und einem improvisierten Keyboardsolo darüber.
Die zugrunde liegenden Akkorde haben jedoch nicht viel mit dem späteren
fertigen Song gemein, daher halte ich es für etwas
gewagt, im Tracklisting der Sessions bereits den späteren Titel zu nennen (zumal der anfängliche Arbeitstitel - gemäß den Angaben der diversen "Trick"-Outtake-Bootlegs - ja Beloved Summer war). Man kann sich aber durchaus vorstellen, dass diese Idee ein Jahr
später wieder aufgegriffen und fertig ausgearbeitet wurde.
Der Sänger-Wechsel von Gabriel zu Collins gelang damals nahezu spur- und mühelos und war keinesfalls eine stilistische Zäsur für die Band. Diese gab es erst mit dem Ausstieg von Steve Hackett 1977, der auch bei It's Yourself die Fäden mit vielschichtigen Ambient-Gitarren-Sounds im Hintergrund zieht. Schade, dass es am Ende jetzt zweimal nicht für das "Trick"-Album gereicht hat.
Phil Collins hat am letzten Freitag endlich die ersten beiden CDs seiner lang erwarteten Remaster-Kampagne "Take A Look At Me Now" herausgebracht (das Release-Datum war zuvor krankheitsbedingt verschoben worden) - "Face Value", sein fulminantes Hit-Debut von 1981, und sein persönliches Lieblingsalbum "Both Sides" von 1993, das er im Alleingang eingespielt hatte und vielleicht auch deshalb das Album war, das seinen allmählichen Niedergang einleitete, sind die beiden ersten Alben in dieser Serie, über die in Fankreisen schon viel diskutiert wurde, bislang aber hauptsächlich wegen der Idee, die Köpfe des Contemporary-Phil gegen die des Phils von heute auszutauschen. Damit hat man sich viel Mühe gegeben - Ausleuchtung, Gradation, Farben und Kontraste sehen fast exakt so aus wie damals, nur an den Falten erkennt man den Unterschied. Als Idee für die Promotion dieser neuen Serie ist das sicherlich eine großartige Idee - für Fans, die bei einer Wiederveröffentlichung eine originalgetreue Artwork-Gestaltung erwarten, dagegen eher eine Enttäuschung. Ähnlich erging es der Tracklist der Bonus-CDs - als durchsickerte, dass diese nicht, wie sonst bei diesen Gelegenheiten üblich, die vollständigen B-Seiten nebst Studio-Outtakes, Demos oder Alternativversionen, sondern hauptsächlich Livetracks versammeln, die nicht einmal aus der Zeit des Originalalbum stammen sollten, stand für viele die nächste Enttäuschung fest.
Bislang gab es ja nur von "Face Value" einige Remasters auf einigen eher obskuren Kleinlabels mit entsprechend geringer Auflage, bei denen nie wirklich klar war, ob dafür jeweils das analoge Originalmaster des Albums verwendet wurde. Daher war ich einigermaßen gespannt darauf, was hier nun tatsächlich gemacht wurde beim neuen Mastering.
Habe mir exemplarisch je zwei Titel von "Face Value" und "Both
Sides" vorgenommen, um herauszufinden, was denn da gemacht wurde beim
neuen Mastering.
Zum Vergleich habe ich die CD-Erstausgaben in der deutschen Pressung herangezogen:
FV: Atlantic 16029-2 Europe: 299143 (Cover ohne Barcode)
BS: WEA 4509-93757-2
Das Remaster von "Face Value" hat einen im Schnitt ca. 4,5 dB lauteren Durchschnittspegel.
Bei "Both Sides" sind die gemessenen Durchschnittspegel bis auf minimale Abweichungen identisch.
Um es vorweg zu nehmen: die Neuausgabe von "Both Sides" kann man eigentlich nicht "Remaster" nennen!
Die Gründe dafür erläutere ich im Folgenden.
Die Frequenzverläufe sind in den Grafiken zu
sehen. Kräftige Linien: neue Version, dünnere Linien: alte Version,
gelbe Linien: Spitzenwerte, grüne Linien: Durchschnittswerte. Die Kurven
sind der Anschaulichkeit halber bei den FV-Stücken
übereinandergeschoben, die Gesamtpegel wurden also in der Darstellung
angeglichen. Alle Grafiken lassen sich durch Anklicken vergrößern.
In The Air Tonight:
Durchschnittspegel (dbFS): -20,66 (neu), -24,17 (alt)
Der Frequenzgang
verzeichnet eine Anhebung der Bässe ab etwa 130 Hz abwärts um maximal
ca. 2,3 dB (bei 60 Hz), ebenso sind die oberen Mitten und Höhen ab ca. 1
kHz angehoben, bei 10 kHz um etwa 3 dB. Tiefbässe unterhalb von ca. 25
Hz wurden stark abgesenkt.
Diese moderaten Veränderungen hört man deutlich, auch bei angeglichener
Gesamtlautstärke. Insbesondere die nun kräftigeren Höhen bringen einen
subjektiv deutlich vernehmbaren Zugewinn an "Frische" und "Transparenz".
Durch die Anhebung der Gesamtlautstärke mussten allerdings die Spitzen
im lauten Teil mit einem Hard-Limiter abgesenkt werden. Dies
beeinträchtigt leicht die Dynamik. In der Wellenformdarstellung
stößt die laute Passage des Remasters (links) deutlich an die
Obergrenze der
Maximallautstärke und erscheint daher oben und unten beschnitten. Das Original
(rechts) ist zwar erkennbar leiser, hat dafür jedoch die volle
Dynamik ohne Spitzenwertbegrenzung.
The Roof Is Leaking:
Durchschnittspegel (dBFS): -21,67 (neu), -26,93 (alt)
Die Abweichungen der Frequenzverläufe
betragen hier maximal 1 dB, das liegt an der Grenze zur Unhörbarkeit.
Nach Angleichung der Gesamtlautstärke sind auch im direkten
A/B-Vergleich (Umschalten mit einem Mausklick) nur winzige Unterschiede
vernehmbar.
Dabei gefällt mir dabei die alte Version ein klein wenig
besser, weil der Soundeffekt auf der Stimme in der neuen Version einen
Tick schärfer und damit vielleicht etwas unangenehmer klingt. Auch
scheinen die S-Laute etwas stärker zu zischen, was nach einer leichten
Verzerrung klingt. Das alles jedoch wie gesagt in minimalen, kaum
hörbaren Größenordnungen.
Both Sides Of The Story:
Durchschnittspegel (dbFS): -14,48 (neu), -14,78 (alt)
Die Frequenzverläufe
zeigen es, sie sind praktisch identisch und in der Hörprobe im direkten
A/B-Vergleich lässt sich ebenfalls kein Unterschied wahrnehmen.
Die Wellenformdarstellung sieht ebenfalls gleich aus, lediglich der Spitzenpegel (links, neue Version) ist minimal geringer.
Every Day:
Durchschnittspegel (dBFS): -15,72 (neu), -15,67 (alt)
Ebenso. Nahezu identische Kurvenverläufe und gar kein Unterschied bei den Höreindrücken. Ich denke, die Grafik kann ich mir hier sparen.
Fazit(mit Vorbehalt, da nur jeweils zwei Titel betrachtet wurden):
Bei "Face Value" hat deutlich sicht- und hörbar eine
Soundbearbeitung stattgefunden, die durchaus als leichte
Klangverbesserung wahrgenommen werden kann, jedoch offenbar nicht
unbedingt bei allen Titeln. Unnötig erscheint jedoch die Anhebung der
Gesamtlautstärke um satte 4,5 dB, zumal dabei eine Spitzenwertbegrenzung
erfolgen musste. Ein Durchschnittspegel in der Größenordnung von -20
dBFS ist jedoch immer noch ein guter Wert für die Gesamtdynamik, auch
wenn aktuelle Remasters anderer Interpreten die Lautheit inzwischen
wieder deutlich reduziert haben.
Abgesehen vom Hard-Limiter hat es jedoch keinerlei zusätzliche
Dynamikbehandlung gegeben. Das ergibt sich aus den stets gleichen
Abständen zwischen den Kurven für Spitzenpegel (gelb) und
Durchschnittspegel (grün) beim Original wie auch beim Remaster. EQing
ist mit großer Wahrscheinlichkeit also die einzige Klangbearbeitung
hier.
"Both Sides" hätte eine Absenkung des Gesamtpegels auf -20 dB
jedenfalls gut getan. Das Album war 1993 zwar noch vor den ganz üblen
Auswüchsen des "Loudness Wars" erschienen, allerdings war dieses Album
schon in der Originalausgabe Spitzenwert-limitiert.
Von einem Remaster hätte ich erwartet, dass man das ursprüngliche Master
mit mehr Dynamik neu digitalisiert hätte. Wie auch immer - die einzig erkennbare durchgeführte Bearbeitung bei
"Both Sides" ist der Hard-Limiter, der in der Neuausgabe etwas stärker
zuschlagen darf, ja muss, denn das Original weist einen eigentlich
unzulässigen Spitzenpegel von 0,0 dBFS auf. Hier sind es vertretbare
-0,22 dB, das ist heutzutage ein üblicher Wert für einen Hard-Limiter.
Durch die unterschiedliche Spitzenwertbegrenzung erklären sich auch die
minimalen Abweichungen bei den Frequenzkurven.
Hier wurde jedoch nachweisbar
gar nichts neu digitalisiert - ein Zoom hinein in die Wellenformdarstellung
bis auf Sampleebene (Grafik links zeigt die "Nahaufnahme" eines Peaks: jeder Punkt steht für den Abtastwert eines Samples, die beiden oberen Kurven sind linker und rechter Kanal des "Remasters", die beiden unteren die der Erstausgabe) zeigt, dass beide Versionen auf die 44100stel
Sekunde genau synchron laufen - mag natürlich auch daran liegen, dass
das Tonstudio-Mix-Master dieses Albums wahrscheinlich bereits digital war. Hier wurde also bestenfalls ein technisches Remastering ohne jegliche Soundbearbeitung durchgeführt.
Zum Sound der Bonus-CDs:
Die Livetracks auf der "Extra Sides"-CD klingen relativ bescheiden; die Qualität ist allerdings unterschiedlich schlecht. Both Sides Of The Story
klingt wie eine flache Audience-Aufnahme. Dass es Stereo ist, hört man
nur an wenigen Stellen, die Vocals sind dumpf, Bässe kaum wahrnehmbar.
Am Anfang ist relativ viel Hall zu hören, das wird nach der ersten
Minute etwas besser. Can't Turn Back The Years klingt etwas
besser, fast wie eine ordentliche Radioaufnahme. Auch hier relativ enge
Stereobasis, die Backing Vocals stechen etwas heraus, sie sind extrem
nach links und rechts gepannt. Kaum Bässe auch hier. Survivors klingt wieder etwas schlechter, jedoch nicht so grottig wie Both Sides... Bei Everyday
hört man fiese Datenkompressionsartefakte auf den Becken - moment mal, hat Collins nicht erwähnt, er hätte die Live-Track-Auswahl nach dem getroffen, was er auf YouTube gefunden hat? - Eine kurze Suche findet dies: Every Day klingt exakt so wie dieser YouTube-Audiotrack, möglicherweise aufgenommen in Manchester 1994:
Leider hat man es auch nicht für nötig gehalten, die Geschwindigkeit anzupassen; die Aufnahme läuft ein bisschen zu schnell;
der Ton ist dadurch etwas zu hoch gepitcht - nicht viel, höchstens
einen Viertelton, aber wahrnehmbar. Eine Klangbearbeitung ist nicht erfolgt, man hat einfach die AAC-Tonspur extrahiert und unverändert auf die CD gepackt.
Finde ich etwas unbegreiflich, denn von diesem Konzert gibt es mehrere besser klingende Bootlegs ohne Kompressionsartefakte!
Sonst wäre sie klanglich hier an der Spitze, es gibt sogar minimale
Ansätze von Bässen. Das schafft dann We Wait And We Wonder, das klingt sogar wie eine gute Radioaufnahme. Die einzige Live-Aufnahme mit wirklich akzeptabler Qualität ist jedoch die Unplugged-Version von Both Sides Of The Story.
Auch bei der Bonus CD von "Face Value" ist die Tonqualität der
Live-Stücke schwankend, wenngleich die Mehrheit der Stücke hier
vergleichsweise ordentlich klingt. Ausreißer nach unten ist Behind The Lines, das tatsächlich nur mono ist und wie Fernsehton aus den 1970ern klingt. Am besten klingen Hand In Hand und I Missed Again. Der Rest ist halbwegs akzeptabel.
Lustigerweise warnt Phil im Booklet vor der Tonqualität vom Demo von The Roof Is Leaking, sie käme von einer Cassette - die Aufnahme klingt aber besser als die Demos von Please Don't Ask und Misunderstanding, wobei man auch hier leider feststellen muss, dass das Please Don't Ask-Demo auf der alten Radio-Show-LP von Capital Radio London ebenfalls besser klingt als hier. This Must Be Love rauscht etwas, hat aber hier klanglich zusammen mit der Instrumentalversion von Against All Odds die Nase vorn.
Das Artwork finde ich insgesamt recht dürftig. Ich bin nicht sicher, ob die mir
vorliegenden Scans vollständig sind, jedoch scheint das "Booklet" aus
zwei doppelt gefalteten Postern zu bestehen, das eine mit den Songtexten
und den Original-Liner Notes, das andere mit ein paar alternativen
Fotos des Album-Artworks (auch hier keine Spur von den Originalfotos).
Vier Textspalten (bei einem echten Booklet würde man "zwei Seiten"
sagen) sind einer neuen, durchaus launigen Ansprache an Phils Kundschaft
gerichtet - "Hello, by now you will probably have purchased these
re-masters and it's too late to go back" - in der kaum etwas zu den
Bonustracks steht, jedenfalls nicht, woher die Liveaufnahmen stammen.
Fazit zu den Bonus-CDs:
Schlampige Zusammenstellungen von höchst schwankender Qualität, bei "Both Sides" etwas extremer noch als bei "Face Value". Da wäre deutlich mehr drin gewesen, hätte man sich etwas mehr Mühe gegeben statt einfach nur die Tonspuren von YouTube-Clips zu verwenden.
Kaufempfehlung: + "Face Value" - wer das Album noch nicht hat, kann hier zuschlagen, der Klang scheint hier behutsam verbessert zu sein. Die Bonus-CD hat einige interessante Demos - z.B. eine frühe Aufnahme von The Roof Is Leaking mit Eric Clapton an der Slide-Gitarre. Bei den Live-Stücken ist die Qualität nicht optimal, aber noch akzeptabel. - "Both Sides" - das Album klingt exakt so wie die Originalausgabe von 1993 - eine Klangbearbeitung hat hier nicht stattgefunden. Die Bonus-CD ist wegen der schlechten Tonqualtät ein echtes Ärgernis. Interessante Demos fehlen. Keine Kaufempfehlung - wer das Album noch nicht hat und meint, es jetzt unbedingt besitzen zu müssen, sollte mal bei Ebay schauen. Da bekommt man mit der Originalausgabe auch ein vernünftiges Booklet.
Als Phil Collins 1988 mit diesem Stück aus dem "Buster"-Soundtrack einen veritablen Hit landete, haben die meisten sicherlich geahnt oder sogar gewusst, dass es
sich dabei um eine Coverversion handelte. Denn bereits 1966 war der Song #2 in UK und US - gespielt von der britischen Band The Mindbenders,
ursprünglich die Begleitband von Wayne Fontana, mit dem sie unter dem
Namen "Wayne Fontana & The Mindbenders" 1964-65 einige Hits hatten.
Als Fontana dann ausstieg, übernahm Gitarrist Eric Stewart den Gesang
und er ist es auch, dessen Stimme auf A Groovy Kind Of Love zu hören ist. Dass Eric später dann mit 10cc noch wesentlich erfolgreicher wurde, ist auch eine interessante Fußnote:
Was aber nicht jeder weiß: schon der Mindbenders-Hit war eine
Coverversion! Das Original stammt aus dem Jahr 1965 von einem
charmant-naiv klingenden Gesangsduo namens Diane & Annita,
die ihre Karriere in den 1950er Jahren als Background-Sängerinnen in der
Big Band von Ray Anthony (Ex-Trompeter in der Big Band von Glenn
Miller) starteten:
Und so sahen die Damen (in Unterwäsche) aus:
Nach dem Mindbenders-Hit gab es noch viele weitere Coverversionen, u.a.
von Sonny & Cher und Petula Clark. Geschrieben wurde A Groovy Kind Of Love
von dem Autorenteam Toni Wine und Carole Bayer Sager, die beide in
späteren Jahren noch weitere Hits landen konnten. Toni Wine schrieb und
sang die Hits Candida und Knock Three Times mit der Formation Tony Orlando & Dawn, außerdem sang sie die Zeile "I'm gonna make your life so sweet" im Archies-Hit Sugar Sugar. Carole Bayer Sager schrieb mit Ehemann Burt Bacharach u.a. den Hit That's What Friends Are For, der auch ein Kandidat für diese Rubrik wäre.
Das Hauptthema des Songs geht jedoch zweifelsfrei zurück auf die Sonate Nr. 5 des italienisch-englischen Komponisten Muzio Clementi aus dem Jahre 1797*:
*Dank an den User "mutzelkönig" aus dem deutschen Genesis-Forum für diesen Hinweis
Dieser relativ unbekannte Genesis-Song (Erstveröffentlichung 1977 auf der 7"-EP "Spot the Pigeon") steht bekannteren Klassikern wie Cinema Show oder One for the Vine
in nichts nach. Einem ruhigen, akustisch gehaltenen Anfang folgt ein
schöner Refrain mit mehrstimmigem Gesang und perfekten Drum-Rolls bei
der Wiederholung, untermalt mit einer großartigen Basslinie. Das
Arrangement steigert sich stetig, um dann zur Hälfte der Laufzeit in ein
furioses Uptempo-Instrumental zu münden, in dem buchstäblich alle
Register gezogen werden. Es gibt tolle Solos von Keyboard und
Leadgitarre, garniert mit einfallsreichen Arpeggios und tiefen
Bass-Drones. Was will man mehr? - Wenn wir damals gewusst hätten, dass
wir so etwas schon beim nächsten Genesis-Album schmerzhaft vermissen würden...
Dass Inside and Out nicht auf dem W&W-Album gelandet ist,
hatte sicherlich keine qualitativen Gründe - auch bandintern galt der
Song mindestens als gleichwertig gegenüber den Albumtracks, ansonsten
hätte er sicher nicht All in a mouses's night von der Setlist der
Wind & Wuthering-Tour 1977 verdrängen können. Ich vermute, ausschlaggebend war neben
der Länge des Songs letztlich die Ähnlichkeit des ersten Teils mit Your own special way. Beide Songs gingen nicht, also hatte man sich einfach für den kürzeren entschieden.
Quelle: Wikipedia
Dass dieser Song im Übrigen keine beliebige Single-B-Seite war - auch
nicht in der Wertschätzung der Band - kann man daran erkennen, dass er
eben nicht auf einer Single-B-Seite landete, sondern auf einer exklusiven EP!
Die beiden anderen enthaltenen Songs Match of the day wie auch Pigeons kamen sicherlich nicht für das Album infrage; beide waren schon eher Outtakes im eigentlichen Sinn. Jedoch wurde für Match of the day immerhin sogar ein Video gedreht und einen Top-of-the-pops-Auftritt bei der BBC
hatten sie auch damit. Erst ein paar Jahrzehnte später fingen sie an,
sich offenbar für den Text zu schämen, weshalb der Song - sehr zum Ärger der Fans - nicht im zweiten "Archive"-Box-Set enthalten war.
Auch Pigeons war ein durchaus interessanter Song; ein kleines
musikalisches Experiment, bei dem sie sich die besondere Mühe gegeben
hatten, einen Ton die ganze Laufzeit über stehen zu lassen und darunter
alle möglichen Akkorde, die diesen Ton beinhalteten, zu variieren. Der Text war eher ein Leichtgewicht - es ging um Taubenscheiße auf dem Dach des Außenministeriums - wurde aber immerhin für
den Titel der EP genutzt: "Spot the Pigeon" - übrigens ein Wortspiel mit "Spot the ball" -
einem damals in UK sehr beliebten Zeitungsrätsel, bei dem der Ball aus
einem Foto mit einer Fußballszene herausretuschiert wurde und der Leser
seine Position dann anhand der Bewegungen oder Blickrichtungen der
abgebildeten Personen erraten musste.
Dazu muss man wissen, dass sich EPs (Abk. für "Extended Play") seit den 1950er Jahren besonders in
UK zu einem eigenen Kunstformat entwickelt hatten. Es handelte sich um eine äußerlich normale 7"-Schallplatte, wie sie für Singles verwendet wurde, jedoch mit mehr als nur zwei Stücken, die ähnlich wie bei einer Langspielplatte mit einem vergrößerten Rillenabstand sichtbar auseinander gehalten wurden. Um die gegenüber einer normalen Single verlängerte Spieldauer zu ermöglichen, wurden EPs mit geringerer Rillenauslenkung (= Lautstärke) oder mit 33,3 statt 45 U/min geschnitten. In der Regel hatten
EPs einen eigenen Titel, der wie ein Albumtitel oft nicht identisch mit dem Titel eines der
vorhandenen Songs war. EPs hatten zudem im sofort erkennbaren Unterschied zu normalen
Singles immer auch ein Picture Cover - normale 7"-Singles hatten in den
UK bis weit in die 1970er Jahre hinein nur eine neutrale Hülle mit dem
Logo der Plattenfirma und einem Kreisausschnitt für das Label!
Anfangs stellten EPs meist Kompilationen aus früher erschienenen Singles
dar oder beinhalteten Songs einer parallel erscheinenden LP. Die
Beatles brachten jedoch mit "Long Tall Sally" 1964 erstmals eine EP mit
vier (für den UK-Markt) neuen Songs heraus und es waren auch die Fab
Four, die das Format mit der 1967 erschienenen Doppel-E.P. "Magical
Mystery Tour" mit sechs neuen Songs, Foldout-Cover und eingeheftetem
Fotobuch zum Höhepunkt führten. Daher war eine EP -zumindest in UK-
immer etwas Besonderes.
Nebenbei bemerkt war "Spot the Pigeon" keinesfalls die erste Genesis-EP,
denn bereits 1972 gab es eine "Nursery Cryme"-EP mit drei Tracks (wenn
auch nur als Promo) und eine weitere EP mit vier Tracks vom
"The Lamb lies down on Broadway"-Album erschien 1975 in Brasilien.
Hier ein Versuch, den Dschungel aus unterschiedlichen Releases mit unterschiedlichen Tracklists auf unterschiedlichen Tonträgern zu lichten. Aaaalso:
1982 erschien zunächst nur als Doppel-LP (Vinyl) "Three Sides Live" mit zwei verschiedenen Tracklists: 1. UK-only Pressung mit vier live-Seiten
2. International-(Rest der Welt) Pressungen mit drei live-Seiten
plus fünf Studiotracks auf der vierten Seite, beginnend mit den drei
Tracks der UK-only E.P. "3x3". (Was auch der Grund für die vierte
Live-Seite der UK-Pressung war, denn ansonsten hätte sich die zeitgleich
erschienene E.P. dort kaum verkaufen lassen) Damit können beide Tracklistings als "original" gelten, da die beiden Versionen zeitgleich erschienen.
"Four" Sides Live, UK-Import-LP
UK-Fatbox aufgeklappt mit Innenbooklet.
Kurze Zeit später wurden einige Importexemplare der UK-Pressung
in Deutschland mit einem Aufkleber "Four" und dem kleingeschriebenen
Zusatz "Vier Seiten live Limitierte Auflage" versehen, damit sie sich
von der regulär erhältlichen deutschen Pressung unterscheiden ließ (siehe Abb. links).
Seitdem hat sich der Titel "Four Sides Live" im deutschen Sprachgebrauch festgesetzt; den gab es trotzdem aber nie offiziell.
Die unterschiedlichen Tracklists fanden sich unverändert auch bei den
einige Jahre später erscheinenden CD-Ausgaben - mit Ausnahme der
CD-Erstpressung 1984. Diese, von Polygram in Hannover produzierte
Version wurde in die ganze Welt mit der internationalen Tracklist
exportiert, auch die für Virgin UK bestimmte und mit einem hellblauen
Label ("Blue Face") bedruckte Version hatte die Studiotracks am Ende.
Erst nachdem Virgin seine CD-Produktion nach England verlagerte, wurde
für den UK-Markt wieder die UK-only-Tracklist verwendet - nun zum ersten
Mal auf CD.
Bis 1994 gab es also wie beim Vinyl-Album die Aufteilung in UK und
Rest-der-Welt (was die UK-CDs als Import in Deutschland damals
unglaublich teuer machte - ich musste damals über 60 DM bezahlen, das
entspricht heute 50 Euro!). Alle CD-Erstausgaben hatten weltweit die Fatbox mit Innenbooklet.
UK-Fatbox Rückseite
Die UK-Version hatte ein geheftetes Innenbooklet mit allen Texten,
erstmals waren so auch die Texte der drei Songs des "Abacab"-Albums
abgedruckt.
Die Erstausgabe der in UK hergestellten Version erkennt man übrigens am fehlenden Barcode auf der Rückseite.
Einzigartiges Rosa (genesis-discography.org)
Größten Seltenheitswert hat natürlich die allererste CD-Pressung
(Virgin/Charisma GECD 2002), made in Germany by Polygram, Hannover, die
man an der rosa Rückseite und dem schon erwähnten "Blue Face"-Label
erkennt. Diese erschien 1984, allerdings nur auf dem britischen Markt (Abb. rechts und unten).
Dieses Kuriosum resultierte aus dem Umstand, dass das Polygram-Presswerk in Hannover ab August 1982
auch den US- und UK-Markt mit CDs versorgte - die ersten Monate sogar
ausschließlich, denn es war das einzige CD-Presswerk auf der ganzen Welt - bis dann
Sony im Herbst 1982 ein eigenes in Japan baute. Die ersten Presswerke in UK und
USA gab es nicht vor Mitte 1983 und bis 1985 exportierte das deutsche
Polygram-Werk noch in alle Welt. Daher ist die CD-Erstpressung von
"Three Sides Live" auf dem Virgin-Label zwar eine deutsche Pressung,
jedoch nicht die deutsche Erstausgabe, denn die war Vertigo mit dem
ebenfalls in Hannover produzierten "Blue Swirl"-Labelaufdruck
vorbehalten.
Die CDs sind einfarbig hellblau ("Blue Face").
Das Innenbooklet der deutschen Fatbox bestand nur aus einem einfachen
Faltblatt mit dem Foto im Breitformat. Wie man im nächsten Bild sehen
kann, war das Foto bei der Virgin-Erstpressung außen, jedoch umlaufend
in der Breitversion und wie in der UK-Version mit gelbem Logo. Ab der
deutschen Erstausgabe (Vertigo) war das Foto innen ohne das gelbe Logo,
außen war dafür das übliche Frontartwork mit dem Schwarzweiß-Logo zu
sehen (also ähnlich wie das originale LP-Artwork).
"Blue Swirl"-Label
Beim CD-Aufdruck gibt es in der CD-Erstpressung einen Schreibfehler:
"Paperplate". Ein Exemplar wird derzeit bei Ebay für 265 Euro angeboten!
Die deutsche Erstausgabe (Vertigo) hat durchaus ebenfalls
Seltenheitswert. Sie ist erkennbar an dem blauen CD-Aufdruck (die Grafik
wird "Blue Swirl" genannt, Abb. rechts).
Vertigo - Label ab 2. Auflage
Die späteren deutschen Vertigo-Pressungen haben ebenfalls einen Schreibfehler im Labelaufdruck ("In the eage") und einen roten Aufdruck mit anderem Muster.
US-Erstausgabe mit "Afterflow"
Die US-Erstausgabe der CD (Atlantic) hatte auch einen Schreibfehler, allerdings auf dem rückseitigen Einleger - "Afterflow" (Abb. rechts).
Spätere Ausgaben haben das falsche "F" gegen ein "G" ausgetauscht. Da
man das wohl mit Schere und Kleber gemacht hat, sitzt das "G" erkennbar
ein wenig zu hoch.
US-Fatbox-Front-Einleger mit riesigem Logo
Eine spätere Neuauflage (Made in Holland, Virgin, UK-Tracklist)
verzichtete dann auf die Fatbox, daher wanderte das eigentliche
Innenbooklet nach außen. Die Rückseite blieb unverändert (kleines Bild).
Eine Fatbox mit diesem Frontcover gibt es nicht!
Erst mit der 1994er Definitive Edition Remaster-Serie wurde die CD
weltweit vereinheitlicht. Das Tracklisting aller CDs folgt seitdem der
originalen UK-Ausgabe ohne Studiotracks. Die zusätzlichen drei
Livetracks wurden damit erstmals weltweit veröffentlicht.
Die ehemalige International-Version mit den fünf Studiotracks ist seitdem weltweit vergriffen. Da der Originalmix des Songs Me And Virgil nur
hier in digitaler Form erschienen ist, ist diese Version inzwischen
durchaus gesucht. Zum Glück ist sie wegen der großen Verbreitung nicht
allzu selten.
Anhang I: Tracklists
(Anm.: die unterschiedlichen CD-Ausgaben haben jeweils die LP-Seiten 1 und 2, sowie 3 und 4 auf je einer CD zusammengefasst.)
UK-Version bis 1994 (ab 1994: weltweit einheitliche Version):
Seite 1: Turn It On Again Dodo Abacab Seite 2: Behind The Lines Duchess Me & Sarah Jane Follow You Follow Me Seite 3: Misunderstanding In The Cage (medley) Afterglow Seite 4: One For The Vine The Fountain Of Salmacis It / Watcher Of The Skies
Internationale Version (außer UK, bis 1994, ab 1994 out of print):
Seite 1 - 3 wie UK-Version Seite 4: Paperlate (Studio version, von der "3x3"-EP) You Might Recall (Studio version, von der "3x3"-EP) Me And Virgil (Studio version, von der "3x3"-EP) Evidence Of Autumn (Studio version, UK-Single B-Seite von Misunderstanding) Open Door (Studio version, UK-Single B-Seite von Duchess)
Anhang II: Daten der Live-Aufnahmen (gilt nur für die CDs, der gleichnamige Konzertfilm zeigt zum Teil andere Aufnahmen):
Behind the Lines, Duchess, Turn It On Again - Nassau Coliseum, Long Island, 29.11.1981.
Dodo, Abacab, Me & Sarah Jane, In The Cage (medley) - NEC Birmingham, 23.12.1981
Misunderstanding - Savoy Theatre, New York, 28.11.1981
Follow You, Follow Me - Lyceum Ballroom, London, 7.5.1980 (Teile
dieses Konzerts wurden für die "Old Grey Whistle Test"-Sendung der BBC
verwendet, enthalten auf der "Duke"-SACD/DVD)
One For The Vine -Theatre Royal, Drury Lane, London, 5.5.1980
Fountain of Salmacis - Unbekannt, 1978. (wurde oft für die Aufnahme
vom Knebworth-Festival gehalten, ein direkter Vergleich mit der
Radioaufnahme konnte dies jedoch nicht bestätigen. Anlässlich des Remixes 2009 ließ Toningenieur Nick Davis verlauten, dass die Aufnahme von Houston 1978 sei - dies kann aber nicht stimmen, da der Song nur während des ersten Tourneeabschnitts in Europa gespielt wurde)
It / Watcher of The Skies - Glasgow Apollo Theatre, 9.7.1976
(weitere Ausschnitte dieses Konzerts finden sich im Film "In Concert",
enthalten auf der "A Trick Of The Tail"-SACD/DVD; Cinema Show von Seconds Out ist
ebenfalls von dieser Show)
Follow You Follow Me ist relativ clever gemachter Pop - das muss man dem Stück lassen. Die Rhythmusgitarre gibt bereits
zu Anfang das aus zehn Tönen unablässig und mit wenig Variation wiederholte
Hauptthema vor. Dieses wird unter der Strophe durchgehalten. Im Refrain
dient das Thema dann als Hookline, die Keyboards spielen es unisono mit
und zum Schluss gibt es noch den lei-lei-lei-Falsetto-Chor, der - ja was
wohl - genau: das Hauptthema singt.
Dadurch wird erreicht, dass man diese Melodie ständig hört - als Ohrwurm
wirkt sie noch nach, wenn der Song lange vorbei ist. Unkritische
Musikhörer mögen es, wenn sie einen Song wiedererkennen oder nach 10
Sekunden mitsummen können. Das vereinfacht den Kauf, da es auch nicht
schwerfällt, es dem Verkäufer im Plattenladen vorzusingen. Kritische
Musikhörer würden anmerken wollen, dass hier mit der Brechstange und
recht schamlos versucht wurde, eine kommerziell erfolgreiche Single zu
schreiben (was somit auch gelungen war).
Eine Anbiederung an den Massengeschmack war das dennoch nicht, denn was
den Song auch ausmacht, ist das großartig gespielte Shuffle-Schlagzeug und die
richtungsweisende Rhythmusgitarre, bei denen Mike seinen Mechanics-Stil
vorwegnahm. Leider geht beides in der Album-Version ziemlich unter,
nicht jedoch im US-Single-Remix.
FYFM im US-Remix
Da knallen die Drums plötzlich und die
Keyboards quengeln sich nicht nervig in den Vordergrund. Auch kann
man erstmals einen E-Bass bemerken, der sogar richtig groovt. Schade, dass es diese
Version nie auf einen digitalen Tonträger geschafft hat.
Ein bisschen gemein war damals, dass der Erfolg dieser Single viele neue, vor allem weibliche Fans generierte, die sich dann -etwas blauäugig- ein Ticket für die anstehende Tournee besorgten - und sich dann verwundert die Ohren reiben mussten, entsprach doch der Rest des Programms so gar nicht ihren durch die Single geschürten Erwartungen. Sie mussten sich einfach noch ein paar Jahre gedulden...