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Donnerstag, 5. April 2018

SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 15 - "Morning of my life"

Nicht so ganz mein Musikgeschmack, das gebe ich gern zu, aber dieser Song und speziell die Single, auf der er 1967 erschienen war, hat eine familiäre Bedeutung: meine Mutter liebte ihn sehr (die B-Seite fand sie allerdings noch besser): Morning of my life vom israelischen "Husband & Wife"-Duo Esther & Abi Ofarim war ihr größter Hit in Deutschland, ironischerweise obwohl sie sich dort bis dahin mit vorwiegend deutschsprachigen Schlagertiteln einen Namen gemacht hatten.
Der Münchner Marienplatz - allerdings seitenverkehrt!
Dass der Song von einem gewissen "B. Gibb" geschrieben wurde, konnte man den auf dem Label aufgedruckten Credits entnehmen. Es lässt vermuten, dass es sich hier um die Coverversion eines Bee Gees-Titels handelt. Ganz so einfach ist die Sache jedoch nicht - und das macht es für diese Kolumne interessant.

Die Bee Gees hatten den Song mit dem Originaltitel In the morning in der Tat Ende 1966 bei den Sessions für ihr zweites Album "Spicks and Specks" aufgenommen; der Song kam jedoch nicht aufs Album und blieb bis 1970 unveröffentlicht. Erst dann brachten ihn die Budget-Töchter von Polydor, "Karussell" in Deutschland und "Triumph" in Frankreich auf dem LP-Sampler "Inception/Nostalgia" heraus.

Die hierzulande ziemlich unbekannte Erstveröffentlichung (und damit die "Originalversion" im Sinne dieser Serie) fand jedoch bereits im Juni 1967 statt. Sie gebührt dem damals in Australien sehr populären Musiker Ronnie Burns - als B-Seite seiner Single Exit, Stage Right (übrigens ebenfalls eine Barry Gibb-Komposition).
Einen Monat später war der Song dann auch auf seinem Solodebüt "Ronnie" zu haben, von dessen 14 Titeln immerhin acht bis dahin unveröffentlichte Bee Gees-Songs waren.

Wie kam es dazu? - Nun, Burns hatte einfach dasselbe Management wie die Gibb-Brüder während ihrer Australien-Phase. Die Songs waren allesamt übrig geblieben von den Sessions für "Spicks and Specks" (oder kurz danach entstanden - das weiß man nicht so genau) und wohl ursprünglich für ein weiteres Album geplant; jedoch wurde der Song Spicks and Specks unerwartet ein großer Hit in "Down-Under", so dass die Brüder wieder nach England zurückkehren und von dort ihre Weltkarriere starten konnten. Die Bänder mit den alten Aufnahmen wurden daher anderen Musikern überlassen, darunter auch Ronnie Burns, der nur noch die Stimmen der Gibbs gegen seinen Gesang austauschen musste. Im Hintergund hören wir hier also die Bee Gees musizieren.

Bereits 1967 erschien ihr erstes "internationales" Album "Bee Gees' 1st" (eigentlich ihr drittes) unter der Regie von Robert Stigwood, der übrigens auch die Ofarim-Single produziert hatte. Mit ihm nahmen die Gibb-Brüder den Song 1970 schließlich für ihr achtes Album "2 Years On" neu auf; er fiel jedoch erneut wieder aus der finalen Tracklist heraus - sollte er sogar den Bee Gees am Ende zu schmalzig gewesen sein? - Man weiß es nicht. Immerhin wurde diese Aufnahme ein Jahr später für das Soundtrack-Album "Melody" zweitverwertet. Dort findet sich auch eine Instrumentalversion des Richard Hewson Orchestra. Interessant, dass der Song auf dem Album wieder "In the morning" heißt, obwohl er für den Film zuvor in "Morning of my life" unbenannt worden war.



Auch vielleicht noch interessant: Die B-Seite der Ofarim-Single, Garden of my home, wurde von allen drei Gibb-Brüdern wohl speziell für die Ofarims geschrieben; davon scheint es keine Bee Gees-Veröffentlichung zu geben. Witziges Detail am Rande: auf dem UK-Single-Label steht in den Composer-Credits: "Barry Gibb of the BEE GEES" bzw. auf der B-Seite, "Barry, Robin & Morris [sic!] Gibb of the BEE GEES" - während die Beschrifter der deutschen Pressung es vorzogen, Bruder Maurice komplett zu unterschlagen.

Montag, 15. Juni 2015

SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 14 - "Popcorn"

deutsches Single-Cover
Dieses kleine Stück elektronischer Popmusik kennt wohl so ziemlich jeder und obwohl es massiv gecovert wurde, ist die Version von "Hot Butter", einer Instrumental-Coverband, die den damals noch relativ neuen Moog-Synthesizer in den Sound-Vordergrund stellte, diejenige, die man sofort im Ohr hat. Das liegt wahrscheinlich daran, dass diese Version 1972 ein weltweiter Hit war (#1 in Deutschland, Frankreich, Norwegen, Schweiz und Australien, #5 UK, #9 USA).
Hier eine besonders bescheuerte zeitgenössische TV-Präsentation:
https://www.youtube.com/watch?v=YfdLh0MHqKw

Interessant ist auch, dass die Covers sowohl der deutschen als auch der französischen Single-Pressung auf die angeblich enthaltene Originalversion verweisen - was wahrscheinlich darin begründet lag, dass diverse Trittbrettfahrer-Labels den Song, sobald er ein Riesenhit geworden war, gleich dutzendfach von namenlosen Studiomusikern neu einspielen und verkaufen ließen. Daher meinte man, die populäre Version von "Hot Butter speziell kennzeichnen zu müssen.

franz. Single-Cover
Das wahre, heute ziemlich unbekannte Original ist drei Jahre älter und stammt aus der Feder des deutsch-amerikanischen Komponisten und Elektronik-Pioniers Gershon Kingsley (geboren 1922 als Götz Gustav Ksinski in Bochum; er und seine Familie mussten 1938 aus Nazi-Deutschland fliehen), der es 1969 auf seinem Album "Music to moog by" und auch als Single-Auskopplung veröffentlichte.

US-Albumcover
Obwohl auch das Original den Moog-Synthesizer einsetzte, klang das Stück bei Kingsley doch ziemlich anders:
https://www.youtube.com/watch?v=OSRCemf2JHc

Kingsley selbst hatte dann -übrigens noch vor "Hot Butter"- eine weitere Version mit seiner Band "First Moog Quartet" aufgenommen - die schon ziemlich nah an der späteren Hitversion war: https://www.youtube.com/watch?v=ivEVhCDdiTY (hier kann man das ganze Album hören; es beginnt -natürlich- mit Popcorn).

US-Albumcover
Zu den Musikern dieser Band, die übrigens 1970 die ersten waren, die in der ehrwürdigen New Yorker Carnegie Hall elektronische Musik spielen durften, gehörte auch ein Keyboarder namens Stan Free, der später dann "Hot Butter" gründete.

2005 kam der Song in einer recht geschmacklosen Fassung von "Crazy Frog", einer Marke des Klingelton-Anbieters "Jamba!" erneut in die Charts. Aber das vergessen wir lieber gleich wieder...
Eine ziemlich umfassende Übersicht über die zahlreichen Coverversionen dieses kleinen Stücks findet sich auf dieser Seite: http://www.popcorn-song.com/
Die meisten der dort gelisteten Versionen lassen sich direkt anhören.


Randbemerkung: ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass das Hauptthema von Jean-Michel Jarres Hit Oxygene IV (1977) aus derselben Tonfolge besteht wie das Hauptthema von Popcorn. Wäre mir selbst wohl nicht ohne Weiteres aufgefallen, da die Metren beider Stücke und damit die Betonung der Melodien völlig verschieden sind, aber es stimmt.

Donnerstag, 21. Mai 2015

SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 13 - "You'll never walk alone"

You'll never walk alone wird an jedem Spieltag in fast allen Stadien der Welt vom jeweils vorhandenen Mob gecovert - ohne dass seine Komponisten auch nur einen Cent daran verdienen - und vermutlich ohne dass dem Mob die Hintergründe bekannt wären...

Tatsächlich war der Song 1963 ein #1-Hit in UK von einer Liverpooler "Merseybeat"-Band... nein, nicht die Liverpooler Band, sondern von Gerry & The Pacemakers - das waren nicht nur Zeitgenossen der Beatles, sie hatten auch mit George Martin denselben Produzenten.
Ein Blick auf das Label verrät jedoch bereits die eigentliche Urheberschaft:



"Carousel" war ein Musical, das 1945 am Broadway uraufgeführt wurde und in den Folgejahren im Englisch-sprachigen Raum recht erfolgreich war. Richard Rodgers war der Komponist, Oscar Hammerstein II der Textdichter - ein bewährtes Team, auf dessen Konto viele Musicals und Soundtracks in den 1940ern und 50ern gingen ("Cinderella", "The Sound of Music", "Oklahoma" etc.). Hier der fragliche Ausschnitt aus der späteren "Carousel"-Verfilmung von 1956.

Inhaltlich geht es in dem für heutige Begriffe eher kruden Musical um ein Paar aus der Arbeiterschicht - sie ist schwanger, er versucht sich als Gangster und stirbt auf der Flucht nach einem Überfall, indem er versehentlich in sein eigenes Messer fällt. Da kommt der Song als Ermutigung für die alsbald alleinerziehende Mutter wie gerufen. Dass ihr Ex-Mann 15 Jahre später einen Tag Hafturlaub vom Himmels-Knast bekommt und den dazu nutzt, seiner fassungslosen Tochter einen natürlich geklauten Stern zu schenken, den sie aber gar nicht haben will und er ihr dafür eine klebt - geschenkt. Am Ende haben sie alle -zusammen mit dem Papa-Geist- nochmal You'll never walk alone gesungen und alles war wieder gut. Das waren noch Plots damals!

Die erste Aufnahme gelang wohl Frank Sinatra, der ja auch alles gecovert hat, was nicht bei drei auf den Bäumen war - gerade mal zwei Wochen nach der Uraufführung des Musicals. Die Schellackplatte schaffte noch im selben Jahr die #6 in den US-Charts. Da es wohl die erste Veröffentlichung auf einem Tonträger war, könnte man diese Version also durchaus auch als Original betrachten.

Wie aber kam der Song in die Fußballstadien? - Dazu hat Gerry Marsden, Sänger und Namensgeber von Gerry & The Pacemakers einmal erzählt, dass damals im Stadion an der Anfield Road vor Spielbeginn immer die aktuellen Charts in umgekehrter Reihenfolge gespielt wurden. Als You'll never walk alone nun 1963 die #1 war, wurde diese Single also zuletzt gespielt. Die Fans fanden die Version der Lokalmatadoren offenbar jedoch so toll, dass sie den Song einfach weiter sangen, auch als das Spiel schon längst begonnen hatte. Und auch noch sangen, nachdem die Single längst wieder aus den Charts verschwunden war. Später übernahmen dann die Ultras von anderen Mannschaften den Song und irgendwann gab es ihn überall, wo gerade Support angesagt war. Frankieboy z.B. ließ es sich nicht nehmen, ihn zur Inauguration von George Bush senior 1989 anzustimmen.

Die englische Wikipedia listet derzeit rund 100 Coverversionen von Elvis bis Pink Floyd (als Stadiongesang-Einspielung im Song Fearless, sauber creditiert) - die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen!

Dienstag, 19. Mai 2015

SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 12 - "Seasons in the sun"

Der Kanadische Singer/Songwriter Terry Jacks landete 1974 mit Seasons in the sun einen internationalen #1-Hit. Der Song wurde in späteren Jahren mehrfach gecovert, u.a. von Nirvana und der irischen Boygroup Westlife.


Single-Cover dt. Pressung
Seasons in the sun stammte jedoch nur zu einem kleinen Teil aus Jacks Feder. Komponiert und getextet wurde es von keinem geringeren als dem berühmten belgischen Chansonnier Jacques Brel, der den Song mit dem Originaltitel Le Moribond bereits 1961 schrieb und auf seinem Album "5" veröffentlichte. Die Übersetzung ins Englische besorgte kurz darauf der US-Dichter und Singer/Songwriter Rod McKuen, der im Laufe seiner Karriere eine ganze Reihe von Brel-Chansons übersetzte. Seine Version wurde 1963 zuerst von The Kingston Trio und dann 1968 von der britischen Band The Fortunes aufgenommen; das waren aber nur kleinere Hits.

McKuens Übersetzung hatte sich gegenüber dem Original bereits einige Freiheiten gegönnt. Das war eher sarkastisch-ironisch gehalten und Brel forderte die Zuhörer auf, zu singen und zu tanzen, bevor man ihn ins Loch warf (der YouTube-Link oben enthält englische Untertitel - für alle die kein Französisch können). McKuen ersetzte den Priester durch den Papa und war ansonsten fürs Sentimentale zuständig, das dem Brel-Original völlig abging. Jacks strich noch sämtliche Passagen mit dem Liebhaber der Frau des sterbenden Protagonisten und führte dafür eine Tochter namens Michelle ein, was den Text dann endgültig weichspülte. Einen direkten Vergleich der Änderungen zwischen McKuen und Jacks' Versionen kann man der englischen Wikipedia entnehmen.

Übrigens war auch die nachfolgende Terry Jacks-Single If you go away ein Song von Jacques Brel (Ne Me Quitte Pas) in der Übersetzung von Rod McKuen. Sie wurde nur ein kleiner Hit für Jacks (#8 UK, #68 US), zugleich sein letzter Charterfolg, von einigen Platzierungen in seinem Heimatland abgesehen.

Freitag, 15. Mai 2015

SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 11 - "Red red wine"

Red red wine war 1983 ein Superhit der britischen Reggae-Band UB40, #1 in UK und US (1988), sowie Irland, Holland und Neuseeland. Aber nicht mal die Band wusste anfangs, wer der Urheber des Originals war.



Laut Wikipedia kannten sie nur die Reggae-Version von Tony Tribe aus dem Jahr 1969, was ja naheliegend war. Auf dem Tribe-Label stand als Credit nur "Diamond" und sie wären wohl von allein nicht auf die Idee gekommen, dass es sich dabei um keinen geringeren als Neil Diamond handeln könnte.



Aber so war es, Neil Diamond veröffentlichte den Song bereits 1967 auf seinem zweiten Album "Just for you". Als er kurz darauf sein damaliges Label "Bang Records" verließ, mischte die Plattenfirma, ohne ihn zu fragen, einen Background-Chor dazu und veröffentlichte den Song als Single. Sie erreichte 1968 immerhin #62 in den Billboard-Charts.



Neil Diamond fand die UB40-Version im übrigen so gelungen, dass er den Song bei seiner letzten Tour in einem recht ähnlichen Reggae-Arrangement spielte, komplett mit Rap im Mittelteil, wenn auch mit anderem Text als bei UB40: Neil Diamond live in Philadelphia, 15.3.2015

Red red wine war jedoch nur der zweitgrößte Hit von UB40 - mit ihrem größten hatten sie nur zwei Jahre später dann auch die US-Charts geknackt: Dass I got you babe (featuring Chrissie Hynde) natürlich auch "nur" ein Cover war, ist jedoch ungleich mehr bekannt, denn das Original von Sonny & Cher war 1965 ein Welthit (#1 in u.a. US und UK, #3 in Deutschland), sei daher hier nur am Rande erwähnt.

Mittwoch, 13. Mai 2015

SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 9+10 - "Many of horror" & "Run"

Zwei Songs neueren Datums mit einem ähnlichen Schicksal:

Casting-Shows in aller Welt spülen ja nicht nur unzählige Sternchen für kurze Zeit ins Rampenlicht, sondern oft werden auch die Hits, die sie in den Shows covern, als Zweitverwertung zu respektablen Charterfolgen. Die meist blassen Cover-Versionen werden dann gern zu größeren Hits als es die Originale je waren, insbesondere, wenn diese aus dem Alternative-Sektor stammen.

2010 gewann ein Matt Cardle die UK-Show "X-Factor" mit dem Song When we collide - und wurde damit gleich die #1 in UK und Irland. Es war jedoch nur eine matte Coverversion einer richtig guten Rock-Ballade.



Der Originaltitel Many of horror der schottischen Band Biffy Clyro war nur ein paar Monate älter, hatte es aber in den Charts bis dahin nicht allzu weit bringen können, obwohl die Band in UK schon länger Kultstatus genießen konnte. Nach dem Sieg von Cardle passierte jedoch etwas bis dahin Einmaliges: die große Fangemeinde der Band startete eine Internet-Kampagne, um die potentiellen, aber ahnungslosen Käufer der Single zu bewegen, das nicht nur ihrer Meinung nach viel bessere Original statt des billigen Covers zu kaufen!
Das klappte allerdings nur teilweise - zwar schaffte es Many of horror im Anschluss tatsächlich bis auf #8 der UK-Charts, was die höchste Platzierung dieser Single bedeutete, Cardles Coverversion hielt jedoch die #1 in der Weihnachtswoche (das ist die mit den höchsten Verkaufszahlen) und belegte damit Platz 2 der Single-Verkaufscharts für 2010.

Nicht viel anders erging es der irisch-schottischen Band Snow Patrol mit ihrem ähnlich balladesk angelegten Song Run. Veröffentlicht im Januar 2004 war es die zweite Single ihres Albums "Final Straw", mit dem sie damals ihren Durchbruch feiern konnten. Run schaffte immerhin die #5 in UK und tauchte in den Folgejahren immer wieder kurz in den Charts auf, so 2007, 2008 und 2010, nachdem es die Band mit einigen weiteren Hits langsam in den Mainstream geschafft hatte, ein großer Hit war es jedoch nicht.



2008 konnte es wenigstens ein bisschen vom Erfolg der unsäglichen Coverversion von Leona Lewis profitieren, ebenfalls ein "X-Factor"-Sternchen, die diese Show allerdings schon 2006 gewinnen konnte, was sie nicht daran hinderte, Run in der aktuellen "X-Factor"-Staffel zu präsentieren. Die Single wurde so mit Leichtigkeit #1 in UK, Irland und Österreich, #2 in der Schweiz und immerhin #3 in Deutschland, wo das Original kaum jemand kennen dürfte, der nicht gerade ein Fan von Snow Patrol ist.

Mir ging es anders herum - Snow Patrol hatte ich mit diesem Song zuerst beim Live Earth-Konzert in Wembley 2007 gehört - das Cover kannte ich jedoch nicht, bis ich es vor drei Jahren auf einer Beerdigung eines Freundes hören musste. Aber ich finde es auch so gruselig genug. Schrecklich, was man aus einem wirklich tollen Rock-Song machen kann.

Montag, 11. Mai 2015

SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 7+8 - "I think we're alone now" & "Mony mony"


1987 gab es einen interessanten Zufall in den US-Charts: I think we're alone now erschien im August in der Version der damals 15jährigen US-Sängerin Tiffany. Es war ihre zweite Single und wurde gleich ein Welthit - #1 in US, UK, Irland, Neuseeland, Kanada und Südafrika. Obwohl ihr Debutalbum noch weitere durchaus erfolgreiche Singles abwarf, entpuppte sich Tiffany jedoch im Rückblick als One-Hit-Wonder. Schon ihr zweites Album war ein ziemlicher Flop. Lediglich mit ihren Playboy-Fotos 2002 konnte sie wieder einen Hit landen...



Nach nur einer Woche auf der Spitzenposition der Billboard-Charts wurde die Single jedoch schon abgelöst von Mony Mony in der Live-Version von Billy Idol. Der ehemalige Leadsänger der britischen Punkband "Generation X" hatte nach dem Split eine erfolgreiche Solokarriere gestartet. Mony mony hatte er bereits 1981, noch vor seinem Solodebut, auf einer E.P. mit dem Titel "Don't stop" veröffentlicht. Zum Hit wurde es allerdings erst in der Live-Version, aufgenommen 1985, erschienen im Oktober 1987 parallel zur US-Ausgabe seines Sampler "Vital Idol" - auf dem Höhepunkt seiner Karriere.



Was haben nun beide Songs gemeinsam? - Richtig: die Originale sind zwei Single-Hits aus den Jahren 1967 und 1968 einer US-Band namens Tommy James & The Shondells. Auch die Reihenfolge stimmt, jedoch gab es noch ein paar weniger erfolgreiche Singles dazwischen. I think we're alone now war immerhin eine #4 in US - geschrieben vom Producer der Band, Ritchie Cordell, später auch u.a. bekannt als Produzent von Joan Jetts Single I love rock'n'roll und den Ramones. Mony mony, geschrieben von Cordell, Tommy James, Bo Gentry und Bobby Bloom eroberte sogar den #1-Spot in den UK-Charts (#3 in US).

TJ&S 1967

Dass diese beiden Singles mit den Jahren dennoch etwas in Vergessenheit gerieten, war vermutlich dem Umstand geschuldet, dass die Band bis heute vor allem mit ihren beiden größten Hits Hanky panky (1966) und Crimson & Clover (1968) assoziiert wird. Vor allem letztere Single war eine deutliche Abkehr vom simplen Bubblegum-Pop und eine Hinwendung zum anspruchsvolleren Psychedelic-Rock, heute noch berühmt durch den Tremolo-Effekt auf Tommy James' Vocals - mithin ein Klassiker der Rock-Geschichte.

SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 6 - "Without you"

Hier haben wir den Archetyp einer Schmacht-Rock-Ballade: Without you war 1971 ein Welthit von Harry Nilsson, oder kurz: Nilsson, einem US-Singer/Songwriter, der Song wurde spielend #1 in USA, UK, Irland, Neuseeland, Australien und Kanada (Deutschland nur #12) und brachte seinem Interpreten den zweiten Grammy ein. Damit hatte Nilsson ausgesorgt - gut bekommen hatte ihm der Ruhm wohl dennoch nicht - nur wenige Jahre später machte er als Saufkumpel von John Lennon während dessen Yoko-Ono-Auszeit die Bars von L.A. unsicher. Legendär ist ihr Rauswurf aus dem "Troubadour"-Club in Hollywood, der 1973 als Pressemeldung um die ganze Welt ging.

Dass die überaus populäre Nilsson-Version zumindest in Deutschland gern für das Original gehalten wird, mag auch daran liegen, dass die deutsche RCA den irreführenden Zusatz "Originalversion" auf das Single-Cover drucken ließ (s.o.). Without you wurde laut Wikipedia über 180 Mal gecovert, 23 Jahre nach Nilsson auch von Mariah Carey - deren Version sich stark an die Nilsson-Version anlehnte. Gesanglich hat sie das Stück natürlich wieder mit ihrem völlig übertriebenen "Lining-out"-Gsangsstil zugeträllert, was es für meine Ohren nur schwer erträglich macht. War aber immerhin (u.a.) #1 in UK und Deutschland.

Das Original ist von der englisch-walisischen Band Badfinger und ist nur ein Jahr älter als die Nilsson-Version. Nilsson hatte den Song der Legende nach zuerst auf einer Party gehört und ihn für eine Beatles-Aufnahme gehalten. Als ihm sein Irrtum bewusst wurde, beschloß er sofort, ihn für sein kommendes Album "Nilsson Schmilsson" zu covern. Wahrscheinlich die beste Idee seines Lebens.

Badfinger war eine der ersten Bands, die einen Vertrag mit dem Beatles-eigenen "Apple-Records"-Label hatten und da zwischen 1969 und 1973 fünf Alben veröffentlichten (das erste noch unter ihrem früheren Bandnamen "The Ivys"). Der Beatles-Clan war anfangs maßgeblich an ihren Aufnahmen beteiligt. So schrieb und produzierte Paul McCartney ihren ersten großen Hit Come and get it, George Harrisons Gitarre und seine Produktionskünste waren bei einigen Songs des vierten Albums "Straight up", speziell beim Top-Ten-Hit Day after day, unüberhörbar. Beatles-Engineer Geoff Emerick und -Road Manager Mal Evans teilten sich den Produzentenstuhl mit anderen namhaften Producern wie Tony Visconti, Chris Thomas und Todd Rundgren. Nicky Hopkins, Klaus Voormann, Jim Keltner, Leon Russell und andere Größen waren als Gastmusiker in den Credits vertreten, fast schon ein Who-is-who der Rock-Geschichte - trotz der jederzeit hörbaren Beatles-Einflüsse hatten die Alben jedoch kaum nennenswerten Erfolg, was damals dem nicht gerade professionellen Marketing von Apple angelastet wurde.

Without you stammt von ihrem dritten Album "No Dice" und beim Hören kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Song von vornherein nur als Album-Track gedacht war. Das Arrangement erscheint ohne das Orchester zunächst etwas roh und dürftig; es hat jedoch seine eigenen Qualitäten, ist es doch auch frei vom Schmalz und Kitsch der Hit-Versionen, was mir grundsätzlich sympathisch ist. Erst gegen Ende des Songs wird es durch die Orgel etwas hymnischer, aber der Gesang klang nirgendwo authentischer, verzweifelter:



Das so überzeugend geschmetterte "Can't live" aus dem Refrain sollte später für Badfinger eine tragische Bedeutung bekommen, nahmen sich doch beide Autoren des Songs das Leben - zuerst Sänger und Gitarrist Pete Ham 1975, acht Jahre später dann auch Bassist Tom Evans, beide durch Erhängen. Ham bezeichnete in seinem Abschiedbrief ausdrücklich ihren damaligen Manager Stan Polley als "seelenlosen Bastard". Bereits 1972 hatte dieser einen erheblichen Vorschuss von Warner Brothers kassiert, für dessen Rückzahlung Warner die Band verklagt hatte. Das Geld war jedoch nicht mehr auffindbar und Ham und seine Kollegen damit finanziell ruiniert. 1991 wurde Polley schließlich in einem ähnlich gelagerten Fall zu fünf Jahren auf Bewährung verurteilt.

Apple Records hat übrigens 2010 alle ihre Badfinger-Alben im Apple-typischen Design neu aufgelegt und zum Reinschnuppern vorzüglich geeignet ist die Compilation "Timeless - The Musical Legacy of Badfinger" mit allen Hits und ausgesuchten Albumtracks (inkl. Without you) von 1969 bis 1979 - derzeit für € 4,99 nicht nur für Beatles-Fans ein echtes Schnäppchen.

Donnerstag, 7. Mai 2015

SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 5 - "There she goes"


Eine US-Sakropop-Band mit dem seltsamen Namen "Sixpence None The Richer" hatte mit diesem Song 1999 einen kleinen Hit (#14 UK, #32 US). Er war der letzte Track sich auf ihrem selbst-betitelten dritten Album von 1997, das eine etwas seltsame Covergestaltung besaß: Zwar kam die CD in einem ganz normalen Jewel-Case, das Design war jedoch so angelegt, dass das Booklet die Rückseite und dafür der feste Einleger, auf dem üblicherweise Titelliste und Barcode stehen, das Front-Artwork trug. Man musste das Jewel-Case also umgedreht halten, wobei es sich jedoch nicht auf die übliche Weise öffnen ließ - ob dieser Umstand den Verkäufen im Weg stand, darf nur vermutet werden; das Album verkaufte sich jedenfalls nur mäßig und das Cover wurde für den internationalen Markt geändert. Nachdem die erste Singleauskopplung Kiss me immerhin einen ordentlichen Anschub durch eine Episode von "Dawson's Creek" erfuhr (#2 US, #4 UK, #7 Deutschland), brachte man There she goes schließlich in der HBO-Serie "Six Feet Under" unter, strategisch gut plaziert als akustische Untermalung eines Suizids, leider vier Jahre zu spät.


Robbie Williams spielte den Song ebenfalls gern und veröffentlichte ihn in einer Live-Version für die B-Seite seiner Single No regrets (1998). Die Originalversion ist jedoch gut 10 Jahre älter:

There she goes wurde geschrieben von Lee Mavers, dem Sänger und Gitarristen der britischen Band The La's - und gleich zweimal veröffentlicht, 1988 und als Steve Lillywhite-Remix für das Album 1990. Beide Male leider relativ gefloppt:


Obwohl die Band mehrere Jahre zusammen spielte, haben sie es nur auf ein einziges, allerdings hervorragendes Studioalbum gebracht ("The La's"). Ich hatte vor ein paar Jahren einige Mühe, es zu erwerben. Inzwischen gibt es das Remaster für 5 Euro...

Mittwoch, 6. Mai 2015

SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 4 - "Living next door to Alice"


...Jaja, da haben mal zwei offenbar leicht angetrunkene Holländer mit dem schönen Bandnamen "Gompie" 1995 eine Spaßversion unter dem Titel Alice? Who the fuck is Alice? eingespielt, die dann sehr clever noch im selben Jahr wiederum von Smokie ge-re-covert wurde. Aber das ist weitgehend uninteressant, denn die Geschichte geht deutlich weiter zurück:

...Alice war nicht der einzige, aber sicherlich der mit Abstand größte Hit von Smokie aus dem Jahre 1976, geschrieben wie alle Singles bis dahin vom Autorengespann Nicky Chinn und Mike Chapman (die damals auch für Sweet, Mud, Suzi Quatro, Arrows, Exile usw. Hits am laufenden Band lieferten). #1 in Australien, Deutschland, Holland, Österreich, Schweiz, Irland und Norwegen und immerhin #3 in UK war eine mehr als ordentliche Ausbeute. Ich glaube, den Link kann ich mir sparen...


Was kaum jemand weiß: Die Originalversion stammt aus dem Jahre 1972 und wurde von der Australischen Popband New World unter der Regie von Mickie Most, Besitzer des RAK-Labels, bei dem später auch Smokie unter Vertrag waren, eingespielt und als Single veröffentlicht, leider relativ erfolglos, obwohl es nicht viel anders klang als die Smokie-Version. Sie konnten damit nicht an ihren großen Hit Tom Tom Turnaround (ebenfalls geschrieben von Chinn/Chapman) vom Vorjahr anknüpfen.



Hier ist das Original, das ich mir trotz des leicht insuffizienten Sängers lieber anhöre als die Smokie-Kitsch-Version, die ich aufrichtig hasse, obwohl Smokey/Smokie eine Zeitlang sogar meine Lieblingsband war. Ich habe mir in späteren Jahren sogar einen Smokie-Sampler selbst brennen müssen, weil es keinen einzigen zu kaufen gab, der diesen Song nicht hatte.







SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 3 - "Rockin' All Over The World"

Es gibt Leute, die halten Status Quo für eine unsäglich langweilige, weil höchst repetitive Schlagerkapelle - was ihr Spätwerk angeht, würde ich ihnen da durchaus zustimmen. Es gab für mich aber eine Phase, wo ich diesen Boogie-Power-Rock mal ganz gern gehört habe, das war so zwischen 1973-76, als sie mit Down Down einen ordentlichen Hit hatten (#1 UK, Holland und Belgien, #3 in Deutschland). Später hab ich dann auch gemerkt, dass es immer dieselbe Formel war. Aber immerhin schrieben sie ihre Songs meist selbst, bis auf Rockin' All Over The World, diese Single-Auskopplung aus dem gleichnamigen Album war 1977 der nächste größere Hit der Band (#3 in UK, Schweiz und Schweden, #1 in Irland, #7 in Deutschland). Wer den Song ganz unbefangen hört, kommt wahrscheinlich nicht auf die Idee, hier eine Coverversion zu vermuten, denn im Prinzip klingt er genauso wie die selbstgeschriebenen Singles von Status Quo.




Das Original dieses Songs ist jedoch zwei Jahre älter, geschrieben von keinem geringeren als John Fogerty, bekannt geworden als Sänger, Gitarrist und Songwriter der legendären US-Band Creedence Clearwater Revival. Seine Version (von seinem zweiten Soloalbum) entspricht in Sound und Stil ziemlich exakt dem seiner alten Band:






Deutlich rauher und typischerweise näher am Country, war das Original jedoch ein ziemlicher Flop (#27 USA, keine Platzierung in Europa) und so führen bei einer Suche nach dem Titel bei YT alle Links automatisch zur Status Quo-Version.

Dienstag, 5. Mai 2015

SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 2 - "A Groovy Kind Of Love"


Als Phil Collins 1988 mit diesem Stück aus dem "Buster"-Soundtrack einen veritablen Hit landete, haben die meisten sicherlich geahnt oder sogar gewusst, dass es sich dabei um eine Coverversion handelte. Denn bereits 1966 war der Song #2 in UK und US - gespielt von der britischen Band The Mindbenders, ursprünglich die Begleitband von Wayne Fontana, mit dem sie unter dem Namen "Wayne Fontana & The Mindbenders" 1964-65 einige Hits hatten. Als Fontana dann ausstieg, übernahm Gitarrist Eric Stewart den Gesang und er ist es auch, dessen Stimme auf A Groovy Kind Of Love zu hören ist. Dass Eric später dann mit 10cc noch wesentlich erfolgreicher wurde, ist auch eine interessante Fußnote:

Was aber nicht jeder weiß: schon der Mindbenders-Hit war eine Coverversion! Das Original stammt aus dem Jahr 1965 von einem charmant-naiv klingenden Gesangsduo namens Diane & Annita, die ihre Karriere in den 1950er Jahren als Background-Sängerinnen in der Big Band von Ray Anthony (Ex-Trompeter in der Big Band von Glenn Miller) starteten:




Und so sahen die Damen (in Unterwäsche) aus:


Nach dem Mindbenders-Hit gab es noch viele weitere Coverversionen, u.a. von Sonny & Cher und Petula Clark. Geschrieben wurde A Groovy Kind Of Love von dem Autorenteam Toni Wine und Carole Bayer Sager, die beide in späteren Jahren noch weitere Hits landen konnten. Toni Wine schrieb und sang die Hits Candida und Knock Three Times mit der Formation Tony Orlando & Dawn, außerdem sang sie die Zeile "I'm gonna make your life so sweet" im Archies-Hit Sugar Sugar. Carole Bayer Sager schrieb mit Ehemann Burt Bacharach u.a. den Hit That's What Friends Are For, der auch ein Kandidat für diese Rubrik wäre.

Das Hauptthema des Songs geht jedoch zweifelsfrei zurück auf die Sonate Nr. 5 des italienisch-englischen Komponisten Muzio Clementi aus dem Jahre 1797*:


*Dank an den User "mutzelkönig" aus dem deutschen Genesis-Forum für diesen Hinweis

Freitag, 24. April 2015

SERIE: Unbekannte Originale bekannter Hits 1 - "Sailing"

Ich starte hier eine kleine Serie innerhalb meines Blogs über große Hits, die (fast) jeder kennt, von denen aber nur wenige wissen, dass sie eigentlich Cover-Versionen von deutlich unbekannteren Originalen sind. Mögen manche davon sicherlich zurecht in Vergessenheit geraten sein, waren andere vielleicht nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Mich interessieren vor allem diese Hintergründe - was hat gefehlt, welche Musiker waren beteiligt, wo und wann waren sie vielleicht erfolgreicher.

Den Auftakt macht: Sailing, allseits bekannter Riesenhit für Rod Stewart von seinem Album "Atlantic Crossing" (1975), bei dem ich mir einen YouTube-Link sicher sparen kann. Der Albumtitel war damals Programm - Stewart war aus steuerlichen Gründen von London nach Los Angeles umgezogen, hatte die Faces verlassen und wollte mit neuem Label, neuen Musikern und neuem Produzenten einen Neuanfang jenseits des großen Wassers wagen. Sailing wurde als Single ausgekoppelt und wurde ein großer Erfolg - in Europa! #1 in UK, immerhin eine #4 in Deutschland, aber nur eine magere #58 in den USA. Zum Glück verkaufte sich das Album besser - das war tatsächlich erfolgreicher als seine fünf vorhergehenden "britischen" Soloalben.

Was kaum jemand weiß - das Original dieses Songs stammt aus dem Jahr 1972 und war eine weithin unbekannte, weil erfolglose Single der Sutherland Brothers - bestehend aus den Brüdern Ian und Gavin Sutherland, die den Song auf ihrem zweiten Album "Lifeboat" veröffentlicht hatten:




Da sich die Brüder kurz nach dem Erscheinen des Albums mit den Musikern der Band "Quiver" vereinigt hatten, wurde das Album mit drei neu aufgenommenen Tracks neu zusammengestellt und unter dem neuen, wenn auch sperrigen Bandnamen "Sutherland Brothers & Quiver" nun auch in den USA veröffentlicht. Es sollte noch drei weitere Jahre und Alben dauern, bis die Band mit Arms of Mary einen eigenen Hit landen konnte (#1 in Holland, Belgien und Irland, #3 Südafrika, #5 UK). Im Zuge dieses Erfolges brachte ihre frühere Plattenfirma Island Records 1975 einen Best-of Sampler mit dem Titel "Sailing" auf den Markt. Diesen hatte ich mir damals auch gleich besorgt und war ziemlich überrascht, einmal weil der Titelsong so ganz anders klang als die bekannte Rod Stewart-Version, aber auch, weil die anderen Songs darauf so viel besser waren als das jüngste Album "Reach for the sky", das neben Arms of Mary trotz der Mitwirkung von David Gilmour (auf der ersten Single-Auskopplung Ain't too proud spielt er die Slide-Guitar) doch überwiegend Füllwerk enthielt. Besonders gut gefiel mir auch das Cover:


Die Partnerschaft mit Quiver ging jedoch schon 1977 zuende, nachdem weitere Hits ausblieben. Die beiden verbliebenen Quiver-Musiker Tim Renwick und Willie Wilson schlossen sich später zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Pink Floyd-Tourband an, Gitarrist Renwick hatte aber schon zuvor unter anderem bei Al Stewart mitgewirkt und begleitete dann zunächst Roger Waters 1984er Tour, bevor ihn David Gilmour 1987 einlud, die "Delicate Sound of Thunder"-Tour zu spielen. Drummer Wilson hatte bereits 1965 in der Band "Joker's Wild" mit Gilmour zusammengespielt und gehörte dann zur Dreimannband, die 1978 sein beachtliches Solodebut-Album "David Gilmour" einspielte. Bei der "The Wall"-Tour 1980-81 war er dann Teil des umfangreichen Pink Floyd-Live-Ensembles. Die Sutherland-Brüder veröffentlichten jeder für sich einige Soloalben und brachten 1979 noch ein weiteres Duo-Album heraus - ohne je wieder an frühere Erfolge anknüpfen zu können.