"Duke", das Album, mit dem die 80er Jahre begannen, war nicht wirklich ein
neuer Anfang, es war eher ein Album des Übergangs. Soundmäßig noch
weitgehend verhaftet in den 70ern, musikalisch jedoch bereits durchaus
mit neuen Ideen, die einerseits resultierten aus dem sich langsam
einspielenden Drei-Mann-Bandgefüge, andererseits aufgesaugt wurden aus
dem allgemeinen musikalischen Zeitgeist – „Punk“ hatte man bereits
hinter sich gebracht, „New Wave“ war noch angesagt. Gary Numan, The Jam,
Blondie, Boomtown Rats, und Buggles' prophetisches
Video killed the
radio star hatten gerade noch die UK-Charts beherrscht, erste Vorboten
der „New Romantics“, Duran Duran, Spandau Ballet und ABC standen in den
Startlöchern. Seit dem Erscheinen von "And then there were three" waren
zwei Jahre vergangen, in denen viel passiert war. Zunächst war man mit
der sich anschließenden Tournee durch die USA, Europa, Nordamerika,
wieder Europa, wieder USA und am Schluss nach Japan für den Rest des
Jahres 1978 beschäftigt, das Folgejahr war daher das der Besinnung, Phil
benötigte eine Auszeit aus familiären Gründen, was ihn jedoch nicht
daran hinderte, mit Brand X ins Studio zu gehen, Mike und Tony waren
ebenfalls beschäftigt mit ihren Solodebuts, so dass beinahe zeitgleich
Rutherfords "Smallcreep's Day", Banks' "A Curious Feeling" und "Product"
von Brand X erschienen. „Drei Alben, die bei keinem Genesis-Fan fehlen
dürfen“, mit dieser Überschrift wurden sie auf einem Beiblatt zur
deutschen Erstausgabe der "Duke"-LP noch nachträglich beworben (die
Vorderseite beinhaltete ein Preisausschreiben, bei dem zwei Karten für
das Lyceum-Konzert am 7.5.1980 gewonnen werden konnten).
Hatte die überaus erfolgreiche 78er Tournee viele alte Fans, die von dem eher schwachen "And Then There Were Three"-Album
enttäuscht waren, wieder versöhnt, waren die Erwartungen an ein neues
Album jedoch eher gering. Anders bei den neuen Fans, vor allem den
weiblichen, die der Single-Chart-Erfolg von
Follow You Follow Me
eingebracht hatte und die sich auf den Konzerten eher unwohl gefühlt
hatten. Diese erwarteten weitere, einfache und vor allem radiotaugliche
Hits. Sie sollten sie bekommen.
Nach Collins' Rückkehr aus Kanada begab man sich Ende 1979
wieder an die Planungen für das neue Album. Banks und Rutherford
brachten wegen ihrer Soloalben diesmal nicht ganz so viele fertig
komponierte Songs mit, dafür hatte Collins in der langen Pause begonnen,
eigene Songs zu schreiben.
And So To F auf
Product
war zwar ein Instrumental, jedoch von ihm allein verfasst. Seine
inzwischen gescheiterte Ehe lieferte ihm dann einiges an textlichem
Stoff für Songs, die zum Großteil später auf seinem Debutalbum "Face Value" (1981)
veröffentlicht wurden. Es ist im Nachhinein nie geklärt worden, ob
In
the air tonight, Phils späterer Solohit, bereits als Demo für das "Duke"
-Album
vorgelegen hatte. Collins besteht nach wie vor darauf, es den anderen beiden vorgespielt
zu haben - Banks bestreitet das. Rutherford kann sich ebenfalls nicht
vorstellen, den Song verworfen zu haben, wäre er ihnen denn vorgespielt
worden. - Ausgewählt wurden schließlich
Misunderstanding und
Please Don't Ask,
beides sehr persönliche, für Genesis-Verhältnisse eher einfache und
ungewöhnliche Songs, letzterer mit einem tieftraurigen Text. Die
Einzelbeiträge Banks' und Rutherfords sind im Wesentlichen gewohnter,
„klassischer“ Prog und entsprechen eher den Genesis der späten 70er
Jahre.
Glücklicherweise besann man sich jedoch bald darauf, dass die wenigen Momente, die man auf "And Then There Were Three"
gemeinsam entwickelt hatte, die interessanteren gewesen waren. Also
wurden flüchtige Ideen und Skizzen gepoolt und erst während der
Aufnahmen im Stockholmer Polar Studio mit Dave Hentschel als Producer in
langen Jam-Sessions gemeinsam ausgearbeitet. Collins brachte dazu die
Roland CR-78 Drum Machine mit, die er erstmalig beim Song
Wal To Wal
auf dem "Product"-Album eingesetzt hatte – somit hatte er die Hände frei
und konnte sich für die Sessions aufs Singen konzentrieren. Die auf
diese Weise entstandenen Songs
Behind The Lines, Duchess, Turn It On Again sowie
Duke's Travels/Duke's End
stellten nicht nur das Rückgrat des Albums dar, sondern auch das Muster
für den zukünftigen Workflow der Band: Alle späteren Hits entstanden in
dieser eher improvisierten Arbeitsweise. Gleichzeitig bildeten diese
Songs zusammen mit der kurzen Banks-Komposition
Guide Vocal in der Mitte
die inoffiziell so bezeichnete „Duke-Suite“. Als solche auf der nachfolgenden Tournee angekündigt
und zusammenhängend gespielt, wurden schnell Gerüchte laut, nach denen
diese Songs in dieser Reihenfolge ursprünglich einen über eine ganze
LP-Seite durchgehenden Longtrack bilden sollten, ähnlich wie
Supper's
ready auf "Foxtrot". Nick Davis hat dies erst kürzlich dementiert – die
Reihenfolge der Aufnahmen auf den Multitrack-Tapes widerspricht dieser
Theorie. Auch inhaltlich haben diese Stücke nicht viel gemein, ein
übergeordnetes Konzept ist nicht erkennbar. Die Geschichte von „Albert“, der von Lionel
Koechlin gezeichneten Figur auf dem Frontcover von "Duke", mit der
Collins auf der Bühne die „Duke-Suite“ einleitete, enthielt außer
allerlei absurden Obszönitäten auch den abschließenden Hinweis, dass
diese rein gar nichts mit den "Duke"
-Songs zu tun hatte.
"Duke" wurde schon bald das bis dahin erfolgreichste Album der
Bandgeschichte, die erste Nummer 1 der UK-Albumcharts, gleich nach dem
Erscheinen vergoldet, und schaffte immerhin Platz 11 in USA. Turn it on
again erreichte die UK-Top 10 und Misunderstanding war ein veritabler
Top 20-Hit in den Billboard-Charts.
Duke - die neuen Stereo und Surround-Mixe
Dass der instrumentale erste Teil von
Behind The Lines ein genialer Opener ist, konnte man auf der 2007er Reunion-Tournee
erneut feststellen; auf dem Album funktioniert er genauso. Der Sound
ist breit und voll, geradezu bombastisch, und beeindruckt auch hier
gleich von Anfang an mit großer Lautstärke und dem vollen
Frequenzspektrum – von den tiefsten Taurus-Bässen bis zu den
synthetischen Bläsern – nun auch raumgreifend und -füllend auf allen
sechs Lautsprechern. Der folgende Teil, als
Behind The Lines, part 2 seinerzeit auch als Single-B-Seite von
Turn It On Again
veröffentlicht, fährt den Aufwand wieder etwas zurück. Hier spielt sich
das Geschehen, von den Keyboards und wenigen anderen Instrumenten
abgesehen, doch meist zwischen den Front-Speakern ab. Phils Leadvocals
gewinnen erheblich durch die Isolation im Center-Speaker und kommen so
wesentlich druckvoller und agressiver herüber als in der
Original-Abmischung. Während der Song dann vorn ausklingt, setzt leise
und sich dann allmählich steigernd hinten rechts die Roland CR-78 ein
und öffnet dann das Klangbild.
Duchess, übrigens der
erste Genesis-Song, bei dem eine Drum Machine zu hören war, gewinnt
dadurch eine starke Atmosphäre. Kleinigkeiten wie das fantastische
Drum-Roll am Anfang stechen geradezu heraus. Bei „And on the road where
all but a few fall by the wayside“ kann man plötzlich hinter sich
winzige Gitarren-Arpeggios erleben, die im gewohnten Stereo-Master vorher nicht
aufgefallen waren. Die Backing Vocals kommen über alle Kanäle verteilt
und sind daher gut zu differenzieren.
Mit Banks’
Guide Vocal
endet der erste Teil der „Duke Suite“, ein schöner Kontrast durch die
Reduktion auf ein wunderschönes Piano und Stimme. Wenn die
Analog-Synthie-Streicher im Rückraum einsetzen, sind spätestens jetzt
die ersten Gänsehäute fällig.
Man Of Our Times
beeindruckt nach der ersten kurzen Pause wiederum mit großer Fülle, die
im Wesentlichen der Orgel zu verdanken ist (die auch wieder die
Surround-Speaker vibrieren lässt). Collins' Stimme wird über weite
Strecken mit einem Harmonizer gedoppelt und um eine Oktave nach unten
transponiert. Man fragt sich spontan, ob man dies im Originalmix auch so
deutlich wahrgenommen hat. Hier fällt es auf und es erklärt die
bedrohliche Stimmung dieses Songs. Streckenweise kommen Assoziationen zu
Pink Floyds
Welcome To The Machine
in den Sinn, ohne dass jedoch dessen klaustrophobische Intensität
erreicht wird. Interessanterweise niemals live gespielt, ist Mike
Rutherfords
Man Of Our Times ein Prototyp des Progressive Rock und hat alle Elemente eines klassichen Genesis-Songs.
Das folgende
Misunderstanding,
gern auch als Phil Collins' Coming-Out als Autor und Komponist
gefeiert, passt dennoch problemlos in das Album hinein, ohne groß
herauszuragen. Das Eingangsriff und der Shuffle-Rhythmus mag zwar etwas
ungewöhnlich für Genesis-Verhältnisse sein, ist jedoch eindeutig eine
R&B-Hommage und gewisse Ähnlichkeiten mit Sly and the Family Stones
Hot Fun In The Summertime von 1969 waren sicher nicht ganz zufällig. Mit Led Zeppelins
Fool In The Rain
hat der Song im Übrigen, obwohl dieser Zusammenhang ebenfalls oft und
gern konstruiert wird, nicht viel gemein – hier ein Plagiat zu
unterstellen, erscheint doch ziemlich absurd. Aufmerksame Hörer mögen in
der neuen Abmischung ein vor allem gegen Ende des Songs prägnantes
Gitarrensolo vermissen – dieses war laut Davis nicht auf dem
Mehrspurband enthalten, also wohl eine nachträglich aufgenommene
Ergänzung des Stereo-Masters, die somit für die Neuabmischung leider
nicht zur Verfügung stand. Man vermisst sie jedoch nicht wirklich.
Heathaze, eine schöne
und ruhige, vielleicht auch etwas unauffällige Ballade von Tony Banks,
der mit seinem Piano einige schöne Akzente setzt, hat sehr spitze Höhen
im Gesang und einen guten Rundum-Sound – wie so häufig liegen die
Keyboard-Flächen auch hier auf den hinteren Lautsprechern.
Turn It On Again
entspricht der in der Vinyl-Ära gern gewählten Dramaturgie, einen echten
Opener auch für die zweite Seite aufzustellen. Im Vergleich zu den
anderen "Duke"-Stücken, ja im
Vergleich auch zu allem, was Genesis zuvor veröffentlicht hatte, ist
Turn It On Again ein völliges Novum gewesen: Genesis goes Rock! In der
Tat geht dieses Stück ziemlich ab, beginnt mit verzerrten, abgedämpften Gitarren-Powerchords, dann setzen ein knalliges und ziemlich gerades
Schlagzeug sowie ein Synthie-Bass mit sturen Achteln ein. Quasi als
Entschuldigung für diese Simplizitäten wird jedoch, sobald Collins
begonnen hat, von seinem Medienkonsum zu berichten, alle drei Takte ein
Extra-Beat eingeschoben, der den üblichen 4/4-Takt auf eher
ungewöhnliche 5/4 verlängert. Ein Kunstgriff, der den Song rhythmisch
ein wenig stolpern lässt und ihn vermutlich für den Dancefloor
lebenslang disqualifizierte, jedoch auch bis heute interessant gehalten
hat. Die Surroundverteilung ist hier stark Frontspeaker-dominiert., nur
selten passiert auch was in den Rear-Boxen. Die fernöstlich motivierten
Synthie-Intermezzi stechen durch die Verlagerung nach hinten ein wenig
mehr heraus als gewohnt. Sehr schön auch die live immer vermissten Backingvocals „I -
can see a-nother face – I can see another face“, hier ebenfalls hinten
zu hören.
Alone Tonight ist eine weitere, schöne Ballade in der
Afterglow-Tradition
– obwohl der Autor hier nicht Banks, sondern Rutherford heisst. Durch
die Verlagerung der recht akustisch klingenden E-Gitarren auf die
Surround-Speaker kommen diese gut zur Geltung und bleiben jederzeit
hörbar, auch während Tony rundum Vollgas gibt..
Cul-De-Sac, eine weitere, live nie berücksichtigte Banks-Komposition, nimmt soundmäßig in den Strophen und im Mittelteil das
Abacab-Album
ein Stück weit vorweg; eine Parallele, die sich mir erst jetzt, beim
Anhören der SACD aufdrängt. Der Refrain ist jedoch wieder typisch "Duke".
Tonys CP-70 dominiert auch hier wieder den Sound, gut verteilt über
alle Speaker - es scheint förmlich im Raum zu schweben. Die Drums
klingen ähnlich räumlich wie bei
Me And Sarah Jane (vom "Abacab"-Album), leider erscheinen hier die
Crash-Becken ein wenig verzerrt.
Auf
Please Don't Ask
beschränkt sich das Piano wieder auf die Surroundspeaker, hat dafür aber
einen wirklich tollen Sound, während Phil mit zurückgenommener Stimme
vorn seine Lebenskrise ausbreitet. Herausragend Mike Rutherfords
Basslinien und seine kurzen Gitarrenfüllsel in alter Blues-Tradition des
Call & Response. Der Refrain ist auch nach 28 Jahren und erst recht
im Surroundsound ein echter Knaller. Ziemlich unverständlich, warum
nicht diese Collins-Komposition anstelle von Misunderstanding als Single
ausgekoppelt wurde oder warum sie nicht wenigstens ins Live-Repertoire
aufgenommen wurde.
Das eigentliche Highlight des
Duke-Albums kommt, der Dramaturgie entsprechend, zum Schluss:
Duke's Travels beginnt mit fernöstlichen Elementen und leichten Anlehnungen an
Los Endos vom
Trick-Album.
Es folgt ein kurzes, aber fulminantes Drum-Solo, oder sollte man besser
sagen: Duett, denn klar durch die Aufteilung vorn/hinten sind hier
erstmals zwei komplette Drum-Sets zu unterscheiden, die sich gegenseitig,
ähnlich wie bei den Live-Shows, anzutreiben scheinen. Die diversen
Percussions-Elemente erscheinen hier sehr dynamisch, verändern auch gern
die Positionen. Während Banks und vor allem die fantastischen
Collins-Drums dominieren, ist lange kaum etwas von Rutherford zu hören,
bis sich dann, kurz vor dem
Guide Vocal-Reprise zunächst der Bass, dann
die Sologitarre nachdrücklich Gehör verschafft.
Duke's End greift dann geschickt die instrumentalen Hauptthemen von
Behind The Lines und
Turn It On Again
auf und verschmilzt diese zu einem großartigen Epilog. Beim Übergang
zwischen den beiden Teilen surrt leise irgendwo ein Lüfter oder
Klimagerät. Nick Davis überrascht hier den Hörer wiederum, indem er beim
anfangs nur mit Gitarre gespielten
Turn It On Again-Thema das Schlagzeug fast vollständig auf die Surround-Speaker legt, danach ist das Stück leider viel zu schnell zu Ende.
Leider muss man aber auch hier feststellen, dass das Masterband
offenbar häufig in die Sättigung gefahren wurde – an lauten Stellen
zerrt es vernehmlich. Dies ist zwar bei der 94er CD nicht anders,
dennoch fällt es bedingt durch die wesentlich gesteigerte Transparenz im
5.1 Mix eher auf.
Der 2007er SACD-Mix im Verglech zur 1994er Remaster Edition
Auch der 2007er Stereo-Remix erscheint im direkten Vergleich zum
1994er „Definitive Edition Remaster“ deutlich verbessert. In der
Analyse zeigen sich einige signifikante Änderungen. Die folgenden Kurven
zeigen exemplarisch für
Duchess
den Frequenzgang des Albums. Die gelben Kurven zeigen die Verteilung
der Spitzenpegel, die grünen die Durchschnittspegel an. Die jeweils
helleren Kurven stehen für die SACD, die dunkleren für die 1994er
DER-Version.

Sofort
erkennbar ist, dass sich am Dynamikumfang nicht viel geändert hat. Die
Abstände zwischen Spitzen- und Durchschnittspegelkurven sind in beiden
Versionen weitgehend identisch, dies belegen auch die Zahlenwerte für
Average und Peak oben rechts. Bei stärkerer Kompression – ein Vorwurf,
der zu Unrecht vielfach geäußert wurde - wäre der Abstand beim 2007er
Remix geringer ausgefallen. Deutlich erkennbar ist der Gesamtpegel im
Durchschnitt etwa 4-6 dB lauter geworden, wobei eine deutliche Anhebung
bei 64 Hz auffällt (Pfeile): hier erfahren die Bässe eine nochmaligen
Schub um 8 dB. Der Rest der Kurve folgt jedoch ziemlich exakt den Bergen
und Tälern des alten Masters, ein Anzeichen, wie präzise es Nick Davis
gelungen ist, den Gesamtsound nachzuahmen. Die starke Betonung der Bässe
bei
Duchess ist natürlich eine bewusste Entscheidung gewesen, die so
deutlich bei anderen Songs nicht nachzuweisen ist. So klingt die Drumbox
nicht mehr länger nach Pappkarton und die Taurus-Pedals dröhnen
kraftvoll. Dennoch hat man beim vergleichenden Hören mit angeglichener
Lautstärke eher den Eindruck, dass der Remix vor allem in den oberen
Frequenzbereichen angehoben ist, was jedoch offensichtlich nicht der
Fall ist. Direkt hin- und hergeschaltet zwischen DER und Stereo-Remix
hat man immer das Gefühl, jemand ziehe die Vorhänge vor Lautsprechern
beiseite, sobald der Remix an der Reihe ist - so klar stehen die
Instrumente und Stimmen plötzlich im Raum.
Das DVD-Bonusmaterial
Die Video-Extras bestehen aus den drei bekannten Promo-Videos zu
Duchess, Misunderstanding und
Turn It On Again,
sowie einem 18-minütigem „Reissues Interview 2007“, in dem die
Entstehungsgeschichte des Albums aufbereitet wird. Ferner das
Tour-Programmheft von 1980, leider nicht annähernd formatfüllend
abgebildet, so dass wegen der geringen DVD-Auflösung kaum Details zu erkennen sind. Highlight ist jedoch
das 39-minütige „Live At The Lyceum London 1980“, ein Ausschnitt des
zweiten Lyceum-Konzerts vom 7.5.1980, aufgezeichnet von der BBC für die
berühmte Sendung „Old Grey Whistle Test“. Die Qualität ist akzeptabel,
das Bild im 4:3-Format bei näherem Hinsehen leicht unscharf, aber
kontrastreich und rauschfrei. Der Stereoton ist vor allem laut, aber
sauber reproduziert. Im direkten Vergleich kann die Bootleg-Version von
EFDVD, erschienen kurz bevor das Boxset auf den Markt kam, jedoch
deshalb punkten, weil sie bei ansonsten nahezu identischer Qualität den
kompletten Vor- und Nachspann der BBC-Sendung enthält, einschließlich
der charmanten Ansagerin.
Die Verpackung
Das Booklet der SACD-DVD kann in der Reproduktion leider nicht
voll überzeugen. Zwar sind die Seiten diesmal durchgehend farbig, jedoch
hat der Designer offenbar völlig übersehen, dass Lionel Koechlin zu den
Songs passende Illustrationen angefertigt hatte. In der Neuausgabe
finden sich einige davon wie zufällig verteilt. Die ersten vier Seiten
sind völlig leer (bis auf die Songtexte), dann findet sich bei
Man Of Our Times plötzlich zusätzlich zur Blumenvase der Fernseher von
Turn It On Again. Der „Tree with rustling leaves“ wächst bei
Alone Tonight statt bei
Heathaze und die edle Herzogin von Song Nr. 2 kommt stark verspätet erst bei
Please Don’t Ask ins Bild. Schade eigentlich.
Die Credits weisen schließlich Tony Maylam als Regisseur des
Lyceum-Videos aus, was sicher falsch ist, denn dieser hat nur das 1976er
„Genesis In Concert“ gefilmt. Nett reproduziert ist jedoch das originale
Charisma-Label mit dem umlaufenden Albert. Leider ist der
Innenkreisausschnitt bei der SACD etwas zu groß geraten, so dass die
Titelliste den Rand nur um Haaresbreite verfehlt. Das sieht dann doch
nicht ganz gewollt aus.
Fazit:
Interessant ist, wie wenig dieses Album gealtert ist. Die
hervorragend ausgerüsteten Polar Studios hatten dem Sound ursprünglich
nicht allzu gut getan. Viele Songs erschienen überproduziert und wenig
spontan, dafür aber auch extrem glatt poliert – „steril“ war ein viel
verwendetes Wort in den zeitgenössischen Kritiken. Nick Davis hat hier
für die SACD eine Menge herausholen können - geschmackvoll und
erfreulich nahe am Original, jedoch mit entscheidenden Gewinnen bei
Klangqualität und Transparenz in Szene gesetzt, klingt der 5.1 Mix von
Duke, ähnlich wie die Neuversion von
Wind & Wuthering, spektakulär, druckvoll und voluminös.
Erstaunlich, wie genau einerseits die Atmosphäre der Erstausgabe
eingefangen wurde, so dass man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl bekommt,
einem unangemessen aufgeblasenen Remake zuzuhören, andererseits auch
diese SACD wie gestern aufgenommen klingt - wenn man einmal davon
absieht, dass die Performance von
Duke’s Intro, Duke's Travels/Duke's End und
Turn It On Again
bei der aktuellen Tour in Tempo und Tonart doch deutlich müder
rübergekommen ist als das Original von 1980, das Banks, Collins und
Rutherford eindeutig auf einem frühen Höhepunkt ihres Schaffens zeigt.