Montag, 12. Mai 2014

20 Songs für die Insel...

...wären mir für einen längeren Aufenthalt vermutlich zu wenig. Aber wenn es nur 20 sein sollen, dann vielleicht diese hier:

BEATLES: Strawberry Fields forever
BIFFY CLYRO: Many of Horror
BLACKFIELD: My Gift of Silence
BUTTERFLY BOUCHER: Another White Dash
BRUCE COCKBURN: Lovers in a Dangerous Time


THE CURE: Primary
ELBOW: One Day Like This
FLEETWOOD MAC: Go Your Own Way
PETER GABRIEL: Solsbury Hill
GENESIS: The Cinema Show

DON HENLEY: The Boys of Summer
JETHRO TULL: Skating away (on the thin ice of the new day)
MATCHBOX TWENTY: Unwell
THE MISSION: Severina
THE MOVE: Fire Brigade

STRAWBS: I only want my love to grow in you
RICHARD THOMPSON: I can't wake up to save my life
TRAIN: Drops of Jupiter
ULTRAVOX: I Can't Stay Long
WIRE: Outdoor Miner

Alle Songtitel sind Links zu (hoffentlich) nicht geblockten Videos.
Mein Kriterium war allein der Song - habe nicht auf Quotierung oder auf Interpreten geachtet, sondern nur darauf, dass Song und Arrangement möglichst großartig sind. Die Liste umspannt ein halbes Jahrhundert und ist selbstverständlich ohne jeden Anspruch auf Definitivität..

Background: Gedanken zum ESC 2014

Ist es wirklich so schwierig, in der Kunst originell/originär zu sein? - ich glaube nicht, denn wenn es nicht originell ist, ist es nicht Kunst, sondern Kitsch (siehe auch Stichwort "Originalitätszwang"). Das ist das ganze Dilemma des Eurovision Song Contests, denn da ist so gut wie nichts originell und damit wirklich sehenswert. - Wobei: auch Kitsch hat natürlich seine Daseinsberechtigung, solange es Leuten gefällt. Die Frage ist nur, ob man sowas europaweit und mit diesem ungeheuren Aufwand präsentieren und feiern muss.

Hauptproblem bei den meisten ESC-Beiträgen ist ja gerade, dass es sich um Konsens-Stücke handelt, denen man jeden Wagemut und Exzentrik früh ausgetrieben hat, damit sie das nivellierende Plebiszit in Form von Vorauswahlen, Semifinals und Finale überstehen. Daher ist das trübe Mucke von der Schlager- oder Disco-Stange. Gewagt wird da bestenfalls noch mit der Performance/Präsentation, aber auch da habe ich auch in diesem Jahr nichts gesehen, was über vordergründig-platte Effekthascherei hinausgeht. Damen mit Vollbart (mit oder ohne Unterleib) gab es schon vor 120 Jahren auf den Rummelplätzen dieser Welt und "Sex sells" ist auch nicht wirklich eine neue Erkenntnis. Trotzdem gibt es immer wieder unmotivierte Dekogestalten wie damals Dita von Teese oder jetzt hier die polnischen Wasch-Schlampen mit ihren prachtvollen Dekolletés. Das finde ich in erster Linie peinlich. Das größte Fremdschämpotential hatte definitiv der Auftritt der Franzosen. Keine Ahnung, wie die es geschafft haben, dafür Freigang aus der Geschlossenen zu bekommen.

Es ist doch immer wieder erstaunlich, dass die Abfrage der nationalen Votings deutlich interessanter ist als die eigentlichen Darbietungen. Ich habe mir schon lange angewöhnt, erst dann einzuschalten, wenn das Ranking-Quizspielchen losgeht. Vorher kann man sich gefühlte 20 Mal den Schnelldurchgang anschauen; das allein ist zwar schon genug schwere Kost, aber ganz ohne Musik kann man sich ja auch keine Vorstellung des Elends machen.

Früher gab es beim ESC zwar nicht weniger schlechte Musik, aber die teilnehmenden Nationen waren in gewisser Weise stolz darauf, sich mit einem Minimum an landestypischen Eigenheiten und Traditionen zu präsentieren. Da gab es wenigstens etwas Abwechslung. Heute erklingt quer durch Europa der gleiche, langweilige Disco-Shit und sogar die Russen singen auf Englisch. Da verwundert es auch nicht, wenn die überwältigende Mehrheit der beteiligten "Musiker" anschließend komplett in der kollektiven Vergessenheit verschwindet.

Ich hatte 2011 die Gelegenheit, im Pressezentrum des ESC in Düsseldorf zu arbeiten, was durchaus Spaß gemacht hat, denn die Stimmung vor Ort war klasse und alle hatten extrem gute Laune. Dabei ist mir klargeworden, dass der ESC in erster Linie ein Mega-Party-Event ist - um Musik geht es dabei nicht.

Wahrscheinlich gehöre ich aber nur nicht zur ESC-Zielgruppe, ist schon klar...  ;)

Freitag, 9. Mai 2014

MOONBOUND - Peak of Eternal Light (2010)

Abb.: Amazon
Zu diesem Album wär ich im Traum nicht gekommen, aber oft geht es ja über persönliche Beziehungen. Moonbound ist das Soloprojekt von Fabio Trentini, der als Bassist und Produzent in den letzten 15 Jahren u.a. mit den Guano Apes, Donots, Marco Minnemann, den H-Bloxx, Subway to Sally, Sub7even und Sasha zusammengearbeitet hat.
Ich kenne Fabio nicht persönlich, aber mein Bruder hat vor über 10 Jahren Drums auf einigen seiner Demos gespielt. Einige der Songs tauchten dann 2008 auf dem ersten Moonbound-Album "Confession and Release" auf.
"Peak..." ist nun auch schon fast vier Jahre alt, aber ich habe es neulich erst in die Finger bekommen und war gleich beim ersten Hören ziemlich geflasht von der unglaublich guten Produktion und der Leichtigkeit, mit der hier fast beiläufig eine kreative Idee die andere jagt. Sowohl der Sound als auch die Arrangements sind hochkomplex und "progressive" im besten Sinn - und gleichzeitig sind die Songs eingängig und fast schon radiotauglich (jedenfalls wenn ich beim Radio was zu sagen hätte... ).
Anspieltipp: http://youtu.be/-VgmQliB0GQ

Mittwoch, 30. April 2014

MIKE & THE MECHANICS - Word of Mouth (Song, 1991)

Abb.: Wikipedia
Bei diesem Song habe ich mich damals ernsthaft gefragt, was Mike und seine Jungs dabei geritten hat. Ein völlig ideenloser Bumm-Klatsch Rhythmus, vor allem aber eine stupide 4/4-Basslinie, die aus einem einzigen Ton besteht, der nie gewechselt wird, obwohl die Akkorde darüber durchaus gelegentlich auch einen anderen Ton als E gestattet hätten. Ich werde heute noch schreiend nervös, wenn ich diesen Song höre - dieses monotone Gestampfe, diese so selbstbewusst und aufdringlich vorgetragene Offenbarung von vollkommener Ideenlosigkeit ist für mich noch unerträglicher als jene Mechanics-Songs, die in seichtem Gesülze absaufen.

Das eigentliche Übel mit diesem Song ist, dass er immer wieder verwechselt wird mit einem gut gemachten Popsong. Diese zeichnen sich in der Regel durch mehrere gute Ideen aus, die in einem interessanten Arrangement mit spannenden Akkordfolgen, abwechslungsreichen Instrumentenlinien und einem klugen Text münden. Das einzige, was in diesem Sinne für diesen Song spricht, sind die Keyboards, der Rest kann einfallsloser kaum sein.

Die Verwechslung kommt wahrscheinlich durch die oberflächliche Nähe zu Songs wie We Will Rock You zustande (der die oben genannten Kriterien problemlos erfüllt). Dabei drängt sich der Verdacht auf, dass Word of Mouth kalkuliert als Rausschmeißer und Gute-Laune-Mitklatsch-Song insbesondere für den Live-Einsatz in der Tradition dieser Klassiker komponiert wurde, wogegen ja nichts zu sagen wäre, wenn er denn gut gemacht wäre.

Ist er aber nicht. Und Glücklicherweise sind die Tonträgerkonsumenten auch nicht drauf reingefallen. Der Song war nirgendwo in den Top10, in den USA sogar nur Nr. 78.

Mit We Will Rock You kann er ohnehin nicht ernsthaft mithalten, denn das ist kein Pop, sondern lupenreiner Rock! Neben dem großartigen Gitarrensolo besticht aber auch Freddys Gesang, mit dem man den von Paul Young kaum vergleichen kann. Anspruchsvoll ist in erster Linie jedoch der Text (ja, genau!), der die vordergründige Botschaft "We will rock you" als reine Großschnauzen-Attitüde entlarvt. Spätestens in Strophe 3 ("Old man poor man") wird klar, dass das ganze "We will rock you"-Geschrei ironisch gemeint ist - das ist schon clever gemacht. Zu clever für das übliche Stadienpublikum allemal.

Der Text von Word Of Mouth beschwört dagegen ziemlich unironisch den Wert von Mund-zu-Mund-Propaganda gegenüber anderen Informationsquellen ("you'll never get bad information if you believe in the word of mouth"). Warum und was das soll, erschließt sich jedoch nicht. Dass es obendrein sogar Unsinn ist, weiß jedes Kind, das mal "Stille Post" gespielt hat.
Die Botschaft ist zudem noch im Oberlehrer-Tonfall gehalten - der Adressat wird ständig wie ein kleiner Junge mit dem Imperativ bedacht. Dass es ansatzweise um Sozial- oder Medienkritik geht, lässt sich bestenfalls in folgender Zeile erahnen: "'cause they don't want you any wiser you're just toeing the party line".

Wahrscheinlich sollte die Message lauten, traue nicht den offiziellen Quellen, ziehe auch Gerüchte sowie Meinungen von dir vertrauten und verlässlichen Personen ins Kalkül, vor allem: bilde dir deine eigene Meinung. Dann wäre vielleicht nichts dagegen zu sagen. Aber so: Thema verfehlt, setzen, fünf!




Dienstag, 14. Januar 2014

BRUCE SPRINGSTEEN - High Hopes (2014)

Bruce Springsteen wird allgemein überschätzt -  das finde ich schon seit über 30 Jahren, seit damals sein größter Fan Peter Rüchel mit dem Jammern anfing, dass der "Boss" nicht in seinem Rockpalast auftreten wollte ("zum Trost spielen wir jetzt nochmal den einzigen Clip, an dem wir die Rechte bekommen konnten: Rosalita"). Gähn, wo ist das Klo?

Springsteen macht (soweit mir bekannt) allerbräsigste, extrem konventionelle US-Klischee-Rockmusik mit allem was dazugehört, Saxofonsoli, Telecaster, Mundharmonika, Männerschweiß etc.
Dazu die verquasten und ellenlangen Texte (warum muss er immer ganze Romanhandlungen in einen Song packen?) die er grundsätzlich mit geschlossenem Mund singen muss, dass sie auch ja niemand versteht!

Gerade seine vielgelobten Klassiker waren zumeist hoffnungslos überproduziert - der an sich wirklich gute Song Born To Run ist das beste Beispiel dafür, wie man einen Rocksong nicht arrangieren sollte. Alle Instrumente spielen gleichzeitig und gleichlaut, so dass die Ohren nur so bimmeln.

Wenn das Feuilleton behauptet, er stünde mit Bob Dylan auf einer Stufe, muss ich da zustimmen - den Kollegen mag ich nämlich auch nicht, aus ähnlichen und anderen Gründen!

Was ja nun nicht zwangsläufig heißen muss, dass er nicht trotzdem einmal angenehm überraschen könnte. - Ich habe mir also das neue Springsteen-Album "High Hopes" gestern abend und heute morgen freiwillig und möglichst unbefangen angehört - allerdings als jemand, der Bruce nie als seinen Boss, Genie oder Messias, sondern eben eher für einen schwer überschätzten US-Musiker gehalten hat.

Ich versuche mich mal an einer Einzelkritik:

High Hopes ist trotz seiner Percussionloops am Anfang ein, soweit ich das mangels Backkatalogkenntnisse beurteilen kann, offenbar recht typischer Springsteen. Keine Ahnung, worum es im Text geht, aber "Hopes", "Soul" und "Peace" und der Gospeldamenchor lassen auf religiösen Kontext schließen. Möglicherweise ist das ironisch gemeint - "don't you know these days you pray for everything" ist sicherlich eine für US-Amerikaner nachvollziehbare Textzeile. Leider ist der Song sehr repetitiv. Das Hauptriff hat man schon dutzendfach woanders gehört und insgesamt gibt es dann doch zuwenig Abwechslung, was auch daran liegen könnte, dass der Song nur zwei Akkorde hat. Bläser tröten, Frauen singen, Gitarren solieren, eine Snaredrum im Dauerstress - nicht mein Fall, danke.

Harry's Place fängt spannend an, mit einem pulsierenden Basssynthie. Warum die Titelzeile durch ein Megaphon gesungen wird, erschließt sich mir nicht. Immerhin sind die Vocals insgesamt gut aufgenommen, oder er nuschelt absichtlich weniger. Leider wird bei 1:30 zum ersten Mal Krach gemacht in Form von E-Gitarren, die einfach nur schräge Töne und Lautstärke produzieren. Ab Minute 3 wirds dann ganz schlimm, zum Glück wird ausgeblendet. Größtes Problem neben dem Krach auch hier wieder nur zwei Akkorde.

American Skin (41 Shots) hat einen recht lahmen Anfang. Nach "praying for his life" setzt wieder der Gospelchor ein - das gehört bei Springsteen offenbar fest zusammen. Die Drums setzen erstmals bei Minute 2 ein, natürlich erstmal mit Rimshots, man will sich ja noch steigern. Erst bei 3:20 geht's dann richtig ab - naja, nicht so richtig, aber jetzt darf der Drummer richtig draufhauen und es gibt ein erstes Dudelgitarrensolo. Springsteens Gesang erinnert mich in seinem triefenden Pathos unvermittelt an Tom Smith, den Sänger der Birminghamer Indie-Band EDITORS (aber wahrscheinlich ist es andersrum). - Worum es hier geht, kann ich nur vermuten, aber die Message bekommt man ja hier mit dem Holzhammer: Wahrscheinlich wurde irgendein Amerikaner, um den es schade gewesen ist, von 41 Kugeln durchsiebt.* Bei spätestens 5:30 wünscht man sich dann das Ende herbei, aber der Saxofonist hatte ja noch nichts zu tun und der Gitarrist muss auch nochmal. Also weitere zwei Minuten, uff. Die Akkordfolge hatte man vorher schon tausendmal gehört und hier muss man eben durch. Wahrscheinlich ein Springsteen-Klassiker. 
*Nachbemerkung 2016: in dem Song geht es um Amadou Diallo, einen jungen Einwanderer nigerianischer Herkunft, der 1999 starb, als 41 Schüsse von Zivilpolizisten auf ihn abgegeben wurden, die ihn versehentlich für einen gesuchten Verbrecher hielten. 19 Kugeln trafen den unbewaffneten Mann, als er gerade seinen Ausweis ziehen wollte. Wikipedia: Amadou Diallo

Just Like Fire Would kommt mit einem gefälligen Country-Riff und dann werden die üblichen Springsteen-Klischees verbraten: Motel room, last cigarette, 500 miles, sweat falls on the ground... gähn! Der Song ist in seiner musikalischen Struktur komplett vorhersehbar, jeder Akkordwechsel das genaue Gegenteil von Überraschung. Immerhin gibt es eine lustige Trompete im Mittelteil, aber nach 2:30 wird das Verlangen nach der Skiptaste fast übermächtig.

Der Anfang von Down In The Hole soll wohl eine Mischung aus Country, Gospel und Industrial sein. Abgesehen vom "Uuuhuuhuu" der Hintergrunddamen ganz interessant. Wieder Megafon-Gesang, schon wieder brennt im Text ein Feuer (hatten wir das nicht eben erst?). Dann setzen die Drums ein - es sind dieselben wie bei seinem alten Hit I'm on fire (den sogar ich kenne). Da setzt bei mir spontan ein Fremdschäm-Reflex ein.

Heaven's Wall muss angesichts des Titels natürlich mit Gospelchor kommen; ein anderes Stilmittel steht ihm bei diesem Themenkomplex offenbar nicht zur Verfügung. In der Mitte duellieren sich zwei Gitarren und weil er das offenbar so toll fand, wiederholt sich das am Ende nochmal. Quasi die Essenz seiner vierstündigen Livekonzerte auf knapp vier Minuten verdichtet. Nein danke.

Frankie Fell In Love scheint ebenfalls nach der üblichen Springsteen-Blaupause gestrickt. Den Text verstehe ich nur rudimentär, aber "Shakespeare" und "Poetry" sind deutlich zu vernehmen. Wenigstens hat der Song einen interessanten Mittelteil und ist mit 2:48 auch angemessen kurz.

This Is Your Sword beginnt mit Fiddle, Tin Whistle und Banjo, die jedoch nach 30 Sekunden vom üblichen Springsteen-Power-Rock ersetzt werden. Völlig misslungen auch hier wieder die Damenchöre und auch Springsteen selbst verfällt hier wieder in sein übliches unverständliches Geknödel.

Hunter of Invisible Game scheint ein Tribute an Bob Dylan zu sein, ein netter akustischer Walzer, dem man eine Weile durchaus gern zuhören mag. Vielleicht nicht über 4:42, aber egal. Will auch mal was loben.

The Ghost Of Tom Joad - hieß so nicht schon mal ein ganzes Album von ihm? Egal, scheint noch so ein Klischee-Klassiker zu sein, ich verstehe "campfire under the bridge" und "sleeping in the car", alles klar. Und dann gibts auch bald schon die lärmenden High-Pitch-Gitarrensoli, die nach einer kurzen Zäsur nochmal umso heftiger zurückkommen, dann noch mit einem Solo-Synthie als Unterstützung und ab Minute 6 gehen dem Gitarristen endgültig alle Gäule durch. Unerträglicher Krach.

The Wall lässt es dann wieder ruhig angehen. Netter Kontrapunkt zum vorhergehenden Gewitter, aber für sich allein leider total langweilig, da ändert auch die nette Trompete am Schluss nichts daran.

Bei Dream Baby Dream passiert praktisch gar nichts. Ein Akkordeon spielt drei (!) Akkorde, eine Gitarre macht im Hintergund Krach und Springsteen singt jede Zeile des dürftigen Texts mindestens dreimal. Schon nach zwei Minuten hat man den Papp dann auf und mag einfach nicht nochmal "come on baby keep on dreaming" hören. Leider ist der Song über 5 min lang. Ein Ärgernis.


Fazit: Diese Platte schwankt beständig zwischen nervig und langweilig. Die Musik ist über weite Strecken völlig konservativ und überraschungsarm, die Texte - soweit ohne Lyricsheet beurteilbar - sind voll von einfältigsten US-Klischees. Wenn das ein gutes Springsteen-Album sein soll, möchte ich wirklich nicht die Schlechten hören...

Samstag, 21. Dezember 2013

MIRIAM MAKEBA - Miriam Makeba (1960)

Abb.: Wikipedia
Das ist tatsächlich ein fantastisches Album - das zweite Soloalbum der südafrikanischen Legende Miriam Makeba und das erste bei einem Major-Label (RCA) nach ihrer Flucht ins US-Exil. Meine Mutter hatte die LP in den 1970er Jahren von einem Freund aus Guinea ausgeliehen bekommen. Ich hatte sie ihr damals auf Cassette überspielt, die sie von da an bei jeder sich bietender Gelegenheit gehört hat - und der Rest der Familie damit auch.

Die Instrumentierung ist sehr sparsam, es wird hier und da ein wenig getrommelt, die meisten Songs sind jedoch nur mit einer tollen Jazzgitarre unterlegt, einige auch mit Kontrabass - die Musiker gehörten zu Harry Belafontes damaliger Begleitband. Von der stammt auch der männliche Backing-Chor, der Miriams klare und jederzeit präsente Stimme hervorragend kontert. Das klingt alles so lässig, humorvoll und warm; alle Stücke haben trotz gelegentlicher Dramatik und Power (der Opener The Retreat Song beginnt mit spannenden Trommelwirbeln) eine leichte lockere Grundstimmung, als habe man sie mal eben an einem sonnigen Nachmittag eingespielt. Hier finden sich neben der Originalaufnahme vom Click Song auch eine atemberaubende Version des bekannten The lion sleeps tonight, hier im südafrikanischen Original, und auch The house of the rising sun ist aufregend anders als alles was man kennt. Mein Favorit ist Iya Guduza, das letzte Stück, bei dem Miriam alle drei Stimmen singt - das erzeugt Gänsehäute!


Nach so langer Zeit eine schöne Wiederentdeckung, natürlich auch, weil es mich an meine vor zwei Jahren gestorbene Mutter erinnert. Obwohl ich die Songs jahrzehntelang nicht gehört hatte (und Miriam die meisten davon in Xhosa, der südafrikanischen Klick-Sprache singt), konnte ich immer noch alle Titel auf Anhieb mitsingen. Ein paar Mal musste ich über die englischen Texte grinsen, die ich jetzt zum ersten Mal verstand.

War nur schwer, eine vernünftige Aufnahme davon zu bekommen. Das Album selbst gibt es nirgendwo als CD, die Titel sind aber auf vielen Samplern vertreten, leider in meist grausiger Tonqualität (Verzerrungen und üble Denoising-Artefakte). Mithilfe von Test-mp3s konnte ich dann doch noch zwei CDs erwerben, die das Album komplett und in ausgezeichneter Tonqualität enthalten - einmal als Mono, einmal als Stereo-Version. Besonders letztere ist eine Offenbarung für mich, da ich bisher ja nur die crappy Cassette gewohnt war.

Montag, 7. Oktober 2013

FLEETWOOD MAC - Live in Köln 6.10.2013

Das war ein erstaunlich gutes Konzert - ich hatte mit viel weniger Enthusiasmus und Spielfreude gerechnet, aber hier hatten alle Beteiligten offenbar jede Menge Spaß und zeigten das auch - bis zur Erschöpfung. Besonders um Lindsey konnte man schon fast Angst bekommen - er war der einzige, der nie von der Bühne ging und sich enorm verausgabte; sich nach Songs wie Big Love und I'm so afraid ein paar Mal die Hand aufs Herz legte und pusten musste (was natürlich gespielt war und als Selbstironie verstanden werden sollte). Mit seinen 64 Jahren ist er der Jüngste des Quartetts, aber auch Mick Fleetwood (immerhin schon 66) gab physisch alles.

Der Sound war hervorragend, von kleineren Problemen beim Opener Second Hand News abgesehen. Wohl leider etwas zu laut, wie der Rest der Familie einwenden musste, aber mit meinen -15 dB linearen Dämpfern in den Ohren geradezu perfekt. OK, das eine oder andere Gitarrensolo hätte knapper ausfallen dürfen und die fast 10minütige Version von Gold Dust Woman war auch einen Tick zu lang, aber ansonsten gab es nichts auszusetzen. Schön auch zu erleben, wie Sad Angel, einer von zwei neuen Songs im Programm, sich nahtlos einfügte. Without You klang zwar besser als die Studioaufnahme auf der neuen EP, enttäuschte aber ein wenig, nicht zuletzt auch wohl wegen Stevie, die die Geschichte des Songs in gefühlten 10 Minuten einer langatmigen Einleitung erzählen musste. Highlight des Programms war für mich Tusk (obwohl dieser Song noch nie zu meinen Favoriten zählte) - hier passte einfach alles zusammen: Sound, Arrangement, Lightshow und die Rückprojektion. Hervorragend auch die beiden Backing-Sängerinnen Sharon Celani und Lori Nicks, die den Leadvocals die nötige Stütze zu geben schienen, so dass diese im Lauf der Show immer besser wurden.

Am Schluss gab es zwei bewegte Ansprachen - eine längere, gefühlvolle von Stevie und eine knappere, aber kaum weniger emotionale von Mick, in denen beide ihre große Dankbarkeit dem Publikum gegenüber für das, was sie seit 37 Jahren zusammen machen durften, ausdrückten. Daraus zu schließen, dass dies womöglich doch die letzte Tour dieser Formation gewesen sein könnte, erscheint trotz aller "see you next time"-Rufe im Nachhinein nicht allzu abwegig.